Sa, 16. Februar 2019
22.02.2017 17:52

Syrer vor Gericht

In Flüchtlingsheim mit 20 Morden geprahlt

Die Prahlereien eines Asylwerbers (27) in einem Flüchtlingsheim in Tirol haben einen Fall ins Rollen gebracht, wie es ihn in Österreich noch nicht gegeben hat. Der Mann soll vor einem anderen Heimbewohner behauptet haben, nach Kämpfen in Syrien 20 bis 30 verwundete Soldaten des gegnerischen Assad-Regimes erschossen zu haben. Aus diesem Grund ist der 27-Jährige nun in Innsbruck wegen 20-fachen Mordes angeklagt.

Hat er wirklich gemordet, war alles nur Prahlerei oder haben Dolmetscher einfach alles falsch übersetzt? Der 27-Jährige, der in einem UNO-Flüchtlingslager in Syrien geboren und aufgewachsen ist, geriet durch Zufall ins Visier der Tiroler Ermittler. Er hatte laut Anklage einem anderen Flüchtling erzählt, dass er als Mitglied der "Faruq-Brigaden", einer Rebellenorganisation im syrischen Bürgerkrieg, in den Jahren 2013 und 2014 nach Häuserkämpfen in den Städten Al-Khalidiyah und Homs mindestens 20 verletzte und wehrlose Soldaten der Armee von Machthaber Bashar al-Assad erschossen habe.

Keine Gnadenschüsse
"Der Beschuldigte ist nicht aufgrund seines Beitrags bei Kampfhandlungen angeklagt und auch nicht als Mitglied einer terroristischen Vereinigung", stellte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer klar. "Er ist angeklagt, weil er am Boden liegende gegnerische Soldaten Stunden später erschossen hat." Dabei habe es sich nicht um sogenannte Gnadenschüsse gehandelt, im Gegenteil: Das Verhalten sei laut dem öffentlichen Ankläger geeignet, "die Bevölkerung einzuschüchtern".

"Habe niemanden umgebracht"
Vor Beamten des Verfassungsschutzes gestand der Angeklagte, doch er widerrief dieses Geständnis wieder. "Ich bin unschuldig. Ich habe niemanden umgebracht", erklärte der 27-Jährige den Geschworenen. Der Dolmetscher habe ihn falsch verstanden und falsch übersetzt. "Ich war zu dieser Zeit gar nicht mehr in Syrien, sondern in der Türkei, und bin dann 2015 nach Österreich geflohen", rechtfertigte sich der Asylwerber. Ein Zeuge berichtete, er habe den Mann in Syrien als Kämpfer gesehen. Der Prozess wurde am Mittwoch aufgrund des Gesundheitszustandes des 27-Jährigen auf den 28. März vertagt, im Fall einer Verurteilung droht lebenslange Haft.

Internationales Abkommen
Dass die Kriegswirren in Syrien überhaupt Einzug in den Gerichtssaal des Innsbrucker Landesgerichtes halten, liegt an einem internationalen Abkommen zur Terrorismusbekämpfung. Mit diesem will man verhindern, dass politische Morde ungeahndet bleiben, wenn es einem Verdächtigen gelingt, sich ins Ausland abzusetzen. Da der 27-Jährige nicht in das kriegsführende Syrien ausgeliefert werden kann, muss sich der Mann in Tirol vor Gericht verantworten.

Samuel Thurner, Kronen Zeitung

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