Hinterher ist man immer klüger als vorher. Ethan Winters zum Beispiel: Der macht sich nämlich auf die Suche nach seiner seit drei Jahren vermissten Frau Mia, obwohl diese in einer mysteriösen Nachricht doch noch ausdrücklich davon abgeraten hatte. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen soll, und zugleich Auftakt von Capcoms schaurig-schönem Schockerspaß "Resident Evil 7: Biohazard".
Seine Suche verschlägt Ethan in das (fiktive) Städtchen Dulvey im US-Bundesstaat Lousiana. Ein einsames Farmhaus - der Zaun rostig, das Holz morsch und von Moosen überwuchert - ist Ziel und vorläufige Endstation. "Willkommen in der Familie", sagt Besitzer Jack Baker noch, dann wird es Ethan schwarz vor Augen. Als er wieder aufwacht, findet er sich in einem Albtraum wieder, aus dem es so schnell kein Entrinnen zu geben scheint. Maßgeblich dafür verantwortlich sind nicht zuletzt die Gastgeber, Familienoberhaupt Jack, Frau Marguerite, Sohn Lucas und die alte Dame im Rollstuhl - allesamt Typ Hillbilly.
Story erinnert an "The Hills Have Eyes"
Assoziationen zu "The Texas Chainsaw Massacred" oder "The Hills Have Eyes" drängen sich unweigerlich auf - und tatsächlich geizt auch "Resident Evil 7: Biohazard" nicht mit expliziten Szenen, Kettensäge inklusive. Aller abgetrennten Gliedmaßen, Blutfontänen und anderer ekelerregender Widerwärtigkeiten zum Trotz sind es aber nicht die plötzlichen und plumpen Splatter-Szenen, die den jüngsten Ableger von Capcoms Survival-Horror-Serie auszeichnen, sondern oftmals viel eher das stille, subtile Grauen, das einem am Schopfe packt und von dort langsam den Rücken entlang hinab krabbelt: Hier ein Schatten, dort ein Knarzen im Gebälk und immer wieder Geräusche, deren Urheber nicht auszumachen sind, schaffen eine schaurig-schöne Atmosphäre des Unwohlseins und der Paranoia.
Action ist immer noch vorhanden, wenn auch nicht mehr gar so reichlich wie es in früheren "Resident Evil"-Teilen der Fall war. Mit Messer, Pistole, Schrotflinte und bereits erwähnter Kettensäge darf sich Ethan zwar den Bakers und anderen Gefahren in den Weg stellen - manchmal sogar öfter, als ihm lieb ist. In Erfahrung zu bringen, warum die Farmer-Familie so irre und hart im Nehmen ist, ist schließlich auch Teil der Aufgabe. Daneben gilt es ganz genretypisch jedoch vor allem eines zu tun: dem Anwesen zu entkommen. Das gelingt allerdings nur schrittweise bzw. raum- oder etagenweise, wobei der Weg nicht selten über mehrstufige Rätsel der Sorte "Finde den Schlüssel, der die Kommode öffnet, die den Gegenstand beinhaltet, der wiederum die Tür öffnet" führt.
Ego- statt Verfolgerperspektive
Für zusätzliche Abwechslung - als ob es nicht schon spannend genug wäre - sorgen im Haus verteilte Videokassetten, die den Blick auf andere Charaktere lenken und Ethan bzw. den Gamer so immer wieder in andere Rollen schlüpfen lassen. Ein Perspektivenwechsel der ganz anderen Art betrifft das Gameplay an sich: "Resident Evil 7: Biohazard" verzichtet auf die bislang gewohnte Verfolgerperspektive und lässt den Spieler das Geschehen aus der Ego-Perspektive verfolgen. Dieses mag dadurch gemächlicher ablaufen als bisher, wirkt aber umso eindringlicher.
Perfekt ist die Immersion, also das Eintauchen in das Spiel, aber erst in der virtuellen Realität mittels PlayStation VR. Sonys VR-Headset ermöglicht es dem Gamer, den Horror aus nächster Nähe zu erleben, ohne dass dabei Abstriche in Sachen Spielumfang oder Gameplay in Kauf genommen werden müssten. Nun ja, zumindest fast: Dass sich die Kamera im VR-Modus nur stückchenweise drehen lässt, ist gerade in hektischen Situationen ärgerlich. Andernfalls würde die virtuelle Realität aber wahrscheinlich nur noch mehr auf den Magen schlagen - sowohl, was Motion Sickness anbelangt, als auch die Schocker-Effekte, die sich nun unmittelbar vor den eigenen Augen abspielen und Ekel, Angst oder gar blankes Entsetzen physisch spürbar werden lassen. So muss Virtual Reality.
Fazit: "Resident Evil 7: Biohazard" mag kein typisches "Resident Evil" sein, das macht es aber nicht weniger gruselig. Im Gegenteil: Der Wechsel von der Verfolger- in die Ego-Perspektive sowie die Konzentration auf eine relativ kleine, aber umso wahnsinnigere Bedrohung in Gestalt der Familie Baker transportieren den Horror und das Grauen näher zum Spieler als bislang - erst recht in der virtuellen Realität, die das Gruseln auf ein ganz neues Level hebt. Vorausgesetzt, der Magen spielt auch mit.
Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Capcom
krone.at-Wertung: 8/10
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