Sa, 17. November 2018

Spaß am Laster

25.11.2016 13:31

Der neue VW Crafter: Der handliche Mitdenkliche

"Bei den Testfahrten waren immer wieder Lamborghinis dabei", grinst Qualitätssicherungs-Vorstand Bernd Graf auf dem Beifahrersitz, während ich den neuen VW Crafter eine kurvige Bergstraße im Hinterland von Almería hinaufprügle. Macht richtig Spaß, so handlich, wie er ist! Dabei ist der Transporter eigentlich von total durchdachter Vernünftigkeit geprägt, was im Alltag das Leben leicht macht.

Im Umfeld der Wettbewerber ist das Fahrverhalten des Crafter ganz vorn dabei, wenn nicht sogar führend. Der Anspruch ist, dass er sich eher wie ein Pkw als wie ein Lastwagen fährt. "Daher ist er bei den Testfahrten auch immer bei den Pkws mitgefahren. Innerhalb der Gruppe wechseln die Fahrer etwa zwischen Golf R, Lamborghini, Audi und VW Crafter durch. Wer vom Lamborghini umgestiegen ist, war dann meistens zu schnell unterwegs, weil sich der Lieferwagen wie ein Pkw anfühlt, man aber doch eher mit einer Schrankwand unterwegs ist", erläutert Graf.

Besonders eklatant fällt die Handlichkeit im Vergleich zum Vorgänger auf, der baugleich mit dem Mercedes Sprinter ist. Der fährt für sich genommen ausgezeichnet, kann dem neuen Crafter aber nicht das Wasser reichen. Die elektrische Servolenkung vermittelt deutlich mehr Gefühl, das Fahrwerk (mit McPherson-Federbeinen vorn und klassischen Blattfedern hinten) bietet trotz gigantischer Abmessungen sogar so etwas wie Handling, ob leer oder beladen. "Nicht nur optisch soll der Crafter einfach ein großer VW T6 sein", erklärt Bernd Graf.

Natürlich wird kein Unternehmer seinen Lieferwagen romantisch im Sonnenuntergang in Szene setzen, aber es schadet sicher nichts, wenn das Arbeitsgerät schön anzuschauen ist.

Viel wichtiger sind aber - wie im richtigen Leben - die inneren Werte. Daher hat man im Zuge der Entwicklung mit Kunden, Unternehmern, einfach mit Leuten, die mit Crafter & Co Tag für Tag viel Zeit verbringen, herausgearbeitet, was so ein Fahrzeug können muss. Etwa dass eine Europalette durch die Schiebetür passen soll. "Da geht es nur um ein paar Zentimeter, aber die machen einen immensen Unterschied."

Klassenpraktischster Innenraum
Auch im Innenraum gehören Kleinigkeiten bzw. "Mitdenklichkeiten" zum Wichtigsten. Was würde mir etwa das "Zollstockfach" über dem Handschuhfach helfen, wenn es nicht durch einen Steg unterteilt wäre, der mein Handy davon abhält, ganz nach rechts zu rauschen? Überhaupt gibt es unzählige gut platzierte Ablagen, was der Crafter dem einen oder anderen Konkurrenten voraushat. Noch besser wären sie allerdings, wenn sie serienmäßig gummiert wären, sodass nichts rutschen und klappern kann.

Am Fahrerplatz ist es ein Leichtes, die ideale Sitzposition zu finden, auch weil das Lenkrad serienmäßig in zwei Richtungen und sehr weit verstellbar ist. Dazu je nach Sitz zwei Armlehnen, das ist auch auf langen Strecken komfortabel. Erst recht mit dem von der "Aktion gesunder Rücken" ausgezeichneten Sessel, dem einzigen im C/D-Segment.

Auch nicht selbstverständlich: Die Seitenfenster lassen sich (serienmäßig elektrisch) restlos versenken, dadurch liegt der Unterarm nicht unangenehm auf der Scheibenkante auf, wenn er in Manta-Haltung lässig raushängt.

Assistenzsysteme machen den Crafter einzigartig
VW läutet ein neues Zeitalter im Lieferwagenbau ein. Weg vom reinen Arbeitsgerät hin zu einem Fahrzeug, das den Fahrer rundherum unterstützt. Wenn auch teilweise gegen Aufpreis. Wo hat man in dieser Klasse schon einmal etwas von einem Ein-/Ausparkassistenten gehört? Der Crafter lenkt selbsttätig in Parklücken hinein, die nur einen Meter länger sind als er selbst (also vorne und hinten jeweils 50 cm Platz). Daran scheitern viele mit ihrem Golf. Ausparken schafft er sogar, wenn insgesamt nur noch ein halber Meter Luft ist, falls man von rücksichtslosen Zeitgenossen eingeparkt wurde.

Außerdem hat der VW Crafter Parksensoren rundum, also sogar an den Seiten entlang. Von einer Rückfahrkamera ganz zu schweigen.

Beim Rückwärts-Ausparken aus Querparklücken oder Hofeinfahrten, das eine echte Herausforderung sein kann, weil man den fließenden Verkehr nicht sieht, verhindert der Crafter eine eventuelle Kollision: Er überwacht radargestützt den Bereich innerhalb 20 Meter und 180 Grad und warnt 1,5 Sekunden vor dem zu erwartenden Crash - um eine halbe Sekunde später von selbst stehen zu bleiben, wenn der Fahrer nicht reagiert.

Dazu gibt es Assistenten, an die man sich beim Pkw schon durchaus gewöhnt hat, etwa Totwinkel- und aktiver Spurhalteassistent (der leider nach jedem Motorstart aktiv ist, auch wenn er vorher deaktiviert wurde), adaptiver Tempomat, City-Notbrems-Assistent und Gespannstabilisierung. Transporterspezifisch und angesichts der seitlichen Angriffsfläche sehr hilfreich ist der serienmäßige Seitenwindassistent.

Wer es nicht gewohnt ist, mit Anhänger zu rangieren, wird seine Freude mit dem Trailer Assist haben, den man etwa aus dem VW Passat schon kennt. Damit steuert man das Gespann rückwärts mit dem Drehknopf der Außenspiegelverstellung, eine zusätzliche Kamera verhindert, dass sich in der Kurve Auto und Anhänger berühren.

Drei Motoren zur Wahl - und Automatik!
Angetrieben wird der VW Crafter zunächst von einem quer eingebauten Zweiliter-TDI, der wahlweise 102, 140 oder 177 PS leistet und 300, 340 oder 410 Nm abliefert. Der Motor mit der Bezeichnung "EA 288 Nutz" ist speziell auf den Nutzfahrzeugeinsatz ausgelegt und entsprechend haltbar. Ein Unterschied ist z.B. das Zahnriemenwechselintervall von 200.000 km.

Die Motoren halten sich akustisch angenehm zurück, sorgen aber für starken Vortrieb. Natürlich macht der stärkste am meisten Spaß, aber auch bei den anderen beiden schlafen einem nicht gerade die Füße ein. Bei Vergleichsfahrten wirkte der 140-PS-Crafter sogar kraftvoller als sein Vorgänger mit 163 PS. Nach Herstellerangaben sind die neuen TDIs im Realbetrieb dabei auch noch einen Liter sparsamer als das Auslaufmodell, nicht zuletzt wegen des rekordverdächtigen cW-Werts von 0,33. Start-Stopp-Automatik ist Serie.

Angetrieben wird standardmäßig die Vorderachse, die Kraftübertragung erfolgt per Sechsgang-Handschaltgetriebe oder mittels einer vorzüglichen Achtgang-Wandlerautomatik. Mitte 2017 wird Haldex-Allradantrieb ab Werk nachgereicht, ebenso wie Versionen mit Längsmotor und Heckantrieb.

Vom Radio bis zum Navitainment mit Smartphone-Connectivity
Serienmäßig spielt die Musik im Crafter aus einem 2x20-Watt-Radio mit Bluetooth. Gegen Aufpreis reicht die Auswahl bis hin zum Top-System mit 8-Zoll-Touchscreen, Navi, WLAN-Hotspot sowie Smartphone-Anbindung via Mirror Link, Android Auto und Apple Carplay.

Markteinführung in Österreich ist im März 2017, bestellbar ist der Crafter bereits. Trotz verbesserter Serienausstattung ist sogar das zum Vorverkauf erhältliche Einstiegsmodell, der Crafter 30 Kastenwagen mit mittlerem Radstand und Hochdach, 102 PS TDI, Frontantrieb und Sechsgang-Schaltgetriebe zum Preis ab 27.981,- (plus MwSt.) Euro sogar günstiger als das vergleichbare Vorgänger-Standardmodell. Das tatsächliche Einstiegsmodell in die Crafter-Range, der Crafter 30 mit mittlerem Radstand und Normaldach, 102 PS TDI, das voraussichtlich im 1. Quartal 2017 bestellbar sein wird, startet bereits ab 26.800,- Euro (plus MwSt.).

Unterm Strich
Volkswagen baut den Crafter erstmals allein, ohne Mercedes-Unterstützung. Dabei wollen die Norddeutschen alles richtig machen und alle Möglichkeiten bieten, die am Markt gefragt sein könnten. Und wie es scheint, ist ihnen das gelungen, nicht nur weil sie vier Grundmodelle, drei Längen (zwischen 5,99 m und 7,39 m bei Kasten und Kombi) und drei Höhen anbieten und schon in der Entger auf Platz 7 in der österreichischen Zulassungsstatistik, der Mercedes Sprinter ganz vorn. Kurzfristig peilt VW zumindest Platz 3 an.

Auch die Zukunft bringt Spannendes, vom Elektroantrieb bis zum hauseigenen Campingausbau. Dann macht der VW Crafter nicht nur den Alltag leichter, sondern auch den Urlaub schöner. Und ich bleibe länger am Strand als nur fürs Foto…

Warum?

  • Extrem präzises Fahrverhalten
  • Durchdachter Innenraum

Warum nicht?

  • Wer kein VW-Logo auf dem Auto haben will, kann auch das baugleiche Modell von MAN kaufen.

Oder vielleicht …

… MAN TGE oder auch Mercedes Sprinter, Fiat Ducato und die gesamte Verwandtschaft

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