Mi, 21. November 2018

krone.at-Test

07.10.2016 09:19

"Forza Horizon 3": Mit dem Bleifuß nach Australien

Wer eine Xbox sein Eigen nennt, den begleitet Microsofts "Forza"-Rennspielserie schon seit Jahren, PC-Spielern blieb die Serie bislang aber verwehrt. Mit Microsofts "Play Anywhere"-Initiative fällt die Xbox-Exklusivität nun, der neueste Ableger "Forza Horizon 3" läuft sowohl auf der Xbox One, als auch auf Windows 10. Wie er sich spielt, hat krone.at getestet.

Den Versuch einer Rahmenhandlung, den Microsoft in seinen Arcade-Racer "Forza Horizon 3" einbaut, kennen Fans des Vorgängers bereits: Es soll ein großes Renn-Festival stattfinden und als Cheforganisator fällt es dem Spieler zu, der offenen Spielwelt neue Fahrer, Strecken oder Stunt-Möglichkeiten zu entreißen.

Auf seinem Weg zum perfekten Racing-Festival sammelt der Spieler dabei mit gewonnenen Rennen, besonders kaltschnäuzigen Geschwindigkeitsübertretungen und wilden Sprüngen laufend neue Fans und Lose, die wiederum als Währung dienen und ins Aufmotzen des Autos investiert werden können.

Wunderhübsches virtuelles Australien
Der wirkliche Star dabei ist allerdings weder der Spieler noch sein Wagen, sondern die unerhört schöne Spielwelt, in die "Forza Horizon 3" den Spieler entführt. Kurvte er im 2014 erschienenen Vorgänger noch durch den Mittelmeerraum, lässt ihn Microsoft diesmal auf "Down Under" los.

In Australien rast man durch üppige Regenwälder, den roten Sand des kargen Outback und pulsierende Surfer-Metropolen. Zerstörbare Umgebungen, stattliche Weitsicht, hübsche Licht- und Reflexionseffekte, realistische Schatten, detaillierte Fahrzeugmodelle: "Forza Horizon 3" ist sehr schön inszeniert und gehört zweifelsfrei zu den schönsten Open-World-Rennspielen, die man bislang gesehen hat.

Dass das verkleinerte Australien eine ordentliche Streckenvielfalt mit Straßen-, Offroad- und etlichen versteckten Pisten bietet und durch das durchdachte Straßennetz insgesamt sehr gut befahrbar ist, sei positiv hervorgehoben. Das gut implementierte Navi tut sein Übriges, damit sich der Spieler gut in Australien zurechtfindet.

Reinrassiger Arcade-Racer mit Unmengen Upgrades
Microsoft versucht dabei gar nicht erst, das neue "Forza" zwischen Simulation und Arcade-Racer anzusiedeln, sondern setzt den Fokus klar auf Arcade. Ein über kleinere kosmetische Dinge hinausgehendes Schadensmodell fehlt, die Steuerung ist angenehm direkt und lädt zu harten Drifts und spektakulären Überholmanövern ein.

Langweilig wird die Raserei dem Spieler auch nach Dutzenden Stunden nicht: Im offen befahrbaren Australien gibt es massenhaft Rennstrecken, Sprungschanzen und versteckte Extras, die zu ausgedehnten Spritztouren einladen. Mit der Zeit schaltet man Hunderte Autos - Sportwagen, Geländewagen und Klassiker - frei, die sich alle bis ins Detail sowohl optisch als auch mechanisch anpassen lassen, also jede Menge Möglichkeiten für Experimente bieten. Sehr gut!

Rasantes Spielgefühl, tolle Motorsounds
Das Spielgefühl an sich ist äußerst rasant: Wenn man mit 300 Kilometern pro Stunde durch den australischen Urwald brettert und selbigen nur mehr als grün-braune Suppe an sich vorbeirauschen sieht, schlägt des Rasers Herz höher. Und die martialischen Motorgeräusche tun ihr Übriges, die Anstrengung der Hunderte PS starken Boliden in "Forza Horizon 3" fühlbar zu machen.

Die Kombination aus toller Optik, spielerischer Vielfalt und liebenswürdiger Spielwelt machen "Forza Horizon 3" aus unserer Sicht zu einem der besten Arcade-Racer des Jahres. Einen Haken hat Microsofts Raser-Epos allerdings doch: Die geringe Bildrate. Auf der Xbox One läuft das Game mit stabilen 30 Bildern pro Sekunde - flüssig, aber nicht superflüssig.

Technische Probleme plagen PC-Version
Auf einem PC, der deutlich stärker als die Xbox One ist, könnte man diese Beschränkung grundsätzlich - eine potente Grafikkarte vorausgesetzt - überwinden, in der Praxis gelingt das aber selbst auf sehr starken Spielerechnern schwer. Am mit einer Geforce GTX 960 mit vier Gigabyte Video-RAM, 12 Gigabyte DDR3-RAM und etwas älterem Core-i5-Chip ausgestatteten Testsystem kam es selbst bei geringerem Detailgrad und 720p-Auflösung immer wieder zu Einbrüchen bei der Bildrate - und zwar unabhängig davon, ob man in der Außenansicht oder in Motorhauben- oder Cockpit-Perspektive unterwegs ist.

Solche Einbrüche von 50 oder 60 auf unter 30 Bilder pro Sekunde sind am PC als lästiges Stocken wahrnehmbar und rauben leider etwas Spielspaß. Auch die generelle Stabilität des als Windows-10-App umgesetzten "Forza Horizon 3" erscheint uns verbesserungswürdig: Immer wieder kam es zu unerklärlichen Abstürzen, hie und da startete das Game auch gar nicht. Generell erscheint uns der Hardware-Hunger, den "Forza" am PC an den Tag legt, unverhältnismäßig hoch.

Vorerst leider nur im Windows Store
Dass Microsofts Arcade-Racer momentan nur über den Windows Store zu bekommen und als Windows-10-App umgesetzt ist, dürfte manch einem Spieler ebenfalls missfallen. Microsofts Intention, den Windows Store mit Exklusiv-Games zu pushen, ist zwar nachvollziehbar, führt aber auch dazu, dass die Spielebibliothek neben Steam, Origin, Uplay und möglicherweise Blizzards Battlenet noch auf einen weiteren, fünften Anbieter verteilt wird. Das erschwert den Überblick, außerdem landen über Microsofts Store installierte Applikationen erstmal in einem versteckten Ordner - das erschwert die manuelle Übernahme in Steam.

Immerhin: Ein Update soll die Stabilitäts- und Performance-Probleme von "Forza Horizon 3" am PC eindämmen. Angesichts der sehr hohen Qualität des restlichen Spiels gibt sich Microsoft mit den technischen Mängeln zum Release trotzdem eine gewisse Blöße - zumal "Forza" ja eines der Zugpferde für die "Play Anywhere"-Initiative auf Xbox One und PC ist, bei der Käufer das Game einmal kaufen und auf der Plattform ihrer Wahl spielen können. Da hätte man ruhig größeren Wert auf eine saubere PC-Umsetzung legen können.

Spaßiger Multiplayer, treibender Soundtrack
Für Freude sorgt indes der Mehrspieler-Modus, in dem bis zu zwölf Spieler gegeneinander Rennen fahren oder bis zu vier Spieler gemeinsam den Story-Modus von "Forza Horizon 3" erleben und gemeinsam um Fans, Belohnungen und Upgrades kämpfen dürfen.

Auch die Soundkulisse überzeugt - nicht nur mit den sehr gut getroffenen röhrenden Motorgeräuschen, sondern auch mit dem auf unterschiedliche Radiosender aufgeteilten treibenden Soundtrack von Rock bis Elektro und der durchaus gelungenen Sprachausgabe.

Fazit: "Forza Horizon 3" ist zweifellos einer der besten Arcade-Racer des Jahres - vor allem am mit diesem Genre chronisch unterversorgten PC. Mit seiner wunderhübschen und abwechslungsreichen Spielwelt, der enormen Vielfalt unterschiedlicher Autos und Tuning-Möglichkeiten sowie dem gelungenen Fahrgefühl und der tollen Soundkulisse lässt es kaum Spielerwünsche offen. Da ist es doppelt schade, dass sich PC-Spieler über technische Mängel ärgern müssen.

Plattform: PC (getestet), Xbox One
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 8/10

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