"St. Martin"

Gregory singt Dean Martin

Musik
19.09.2006 09:25
Eines ist fix: Dean Martin hätte sich in Wien-Meidling mit Sicherheit pudelwohl gefühlt. Roman Gregory – vielen bekannt als oberster Zuproster der Kultformation „Alkbottle“ – hätte aber auch im Atlantic City der 50iger Jahre, wo Mr. Martin seine ersten Erfolge feierte, einiges holen können. Das Schicksal oder vielmehr die Martin-Begeisterung von Gregorys Großvater und Vater führte die beiden 2006 endlich auf CD zusammen – Roman Gregory huldigt der sympathischsten Schnapsnase des weltberühmten Ratpacks mit wienerischen Adaptionen seiner besten Songs.
kmm

Es ist eine beliebte Tradition unter österreichischen Künstlern, die Kult-Songs international bekannter Größen in heimische Sprachgefilde zu geleiten und damit Erfolge zu feiern. STS sangen schon in den Achtzigern Beatles-Lieder auf Deutsch, bei Kurt Ostbahn wurde Bobby Brown zu Bertl Braun – warum also sollte einer wie Roman Gregory statt „When the moon hits your eye like a big pizza pie, that’s amore“ nicht einfach „Du kummst ham in da Frua und bist imma no zua, es gibt Zores“ singen? Das tut er – und zwar schon seit über einem Jahr in Form eines Musikkabaretts und jetzt eben auch in Form eines Albums.

„St. Martin“ bietet Unterhaltsames und typisch Wienerisches mit ein bisschen Heurigen-Flair und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen oder die Untiefen des Wiener Charmes mit überflüssiger Höflichkeit zu kaschieren. Die Songs von Dean Martin, der stets – woran auch Roman Gregory bei seinen Live-Shows erinnert – mit Zigarette und einem Glas Whiskey (es musste angeblich nicht einmal besonders hochwertiger sein) die Bühne betrat, übersetzt der Alkbottle-Frontmann mit dem Humor eines Kabarettisten und nie mit der Herangehensweise eines Songschreibers. Begleitet wird er dabei von sich selbst auf der Mundharmonika vulgo „Fotzhobel“, einer Zieharmonika vulgo „Quetschn“ und dezent betätigtem Schlagwerk, gestützt von einem beswingten Bass-Fundament.

So wird aus „C’est si bon“ ein „In Pension“ und aus „Green, green grass of home“ eine Kifferparodie mit dem Titel „Am guaden Gras daham“. Einer der Höhepunkte auf „St. Martin“ ist aber mit Sicherheit der Anti-gekochte-Käsekrainer-Swing „Käsekrainer out of hell“. Bei der Vorlage, „Memories are made of this“, kam ihm in Sachen deutschsprachige Version zwar schon Seebarde Freddy Quinn in Form des Schunkel-Dauerbrenners „Heimweh“ zuvor. Hier setzt Gregory dem alten Quinn-Text aber noch eins drauf: Die erste Zeile „Brennend heißer Wüstensand“ wird zu „Brennend heißer Würschtelstand“, der Männerchor singt statt „So schön, schön war die Zeit“, „So haaß, haaß is da Kas“ und so weiter. Als Bonus gibt’s auf „St. Martin“ noch drei Live-Ausschnitte aus Gregorys Kabarett-Konzerten im Gasthaus Vorstadt. Fazit: Da bleibt keine Auge und keine Kehle trocken. Und auch kein Scotch mehr im Alkbottle. 

9 von 10 „Eitrigen“ mit Jack-Daniels-Geschmack

Christoph Andert


Nächster Live-Termin für St. Martin ist der 26. September im Birdland-Club in Wien. Im Gasthaus Vorstadt gastiert Roman Gregory dann noch je einmal im Oktober, November und Dezember - siehe Infobox. Hörproben zum Album gibt’s auf seiner Homepage, den Link in der Infobox. Prost.

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