Dass Wolfgang Ambros auf seiner neuen Platte hauptsächlich über das Altwerden und die – wie er sie nennt – „Challenge 50 plus“ singt, verrät schon das Cover mit dem Röntgenbild drauf. Das Thema passt, denn die Jüngsten sind sie ja wahrlich nicht mehr, die Austro-Barden.
So kommt es auch, dass die Lieder auf „Steh grod“ verheißungsvolle Namen wie „Warum i mi so plog“, „Schweres Herz“ oder gar „Tendenz zur Demenz“ haben. Auch ein kraftvoller Refrain geht der schon seit über 25 Jahren durchs Radio (leider fast nur mehr durch die, der ORF-Landesstudios) kratzenden Stimme vom „ Wolferl“ nimma so leicht von der Hand wie noch vor fünf, sechs Jahren.
Seine Band, die „Number One vom Wienerwald“, ist es, die Wolfgang Ambros klanglich trotzdem gut im Futter hält. Sie bewahrt ihn davor, ganz anders als es momentan bei Austria-3-Kollege Rainhard Fendrich der Fall ist, ins Schlager-Genre abzudriften. Aus den Schihütten ist Ambros seit „Schifoan“ aber nicht mehr wegzudenken, dort wird man noch in fünfzig Jahren „Am Freitog auf’d Nocht...“ gröhlen und sich dabei die Birne wegsaufen.
Einen richtigen „Brüller“ wie „Da Hofa“ oder wenigstens das etwas jüngere „Verwahrlost aber frei“ sucht man auf „Steh grod“ aber vergeblich, obwohl Ambros' kongenialer Schreibepartner Joesi Prokopetz mit an Bord ist. „Steh grod“ ist viel eher eine musikalische Dokumentation des Älterwerdens. Obwohl Ambros an manchen Stellen („Lügner“) seine polit-kritische Stimme, mit der er als junger Musik-Rebell so bekannt wurde, erhebt, so hat „Steh grod“ trotzdem immer ein leicht schalen Dinosaurier-Beigeschmack. Das ist stellenweise zwar recht amüsant, aber letztendlich entsteht dadurch der Eindruck, dass der große Liedermacher noch vor seinen Fans alt geworden ist. Und das ist eigentlich schade.
5 von 10 Austropop-Urgesteinen
Christoph Andert
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