01.09.2006 16:22 |

Werde Imperator!

CivCity: Rom

Aufbaustrategiespiele gibt es eine ganze Menge, viele drehen sich um vergangene Zivilisationen - ebenso "CivCity: Rom". Dem Namen folgend darf sich der Spieler in die Welt des Weins, der Togen und römischen Gottheiten einleben und soll dabei möglichst alle Bürger zufrieden stellen. Es ist ein weiter Weg vom Provinznest zur Weltstadt...

Gleich vorweg: Das freie Spiel bietet schier unüberblickbare Möglichkeiten, passend dazu bietet "CivCity: Rom" einen komfortablen Editor, mit dessen Hilfe Gelände nach Wunsch angefertigt werden kann.

Der Kampagnenmodus starten genreüblich: Als Stadthalter soll ein anfangs kleines Dorf Ruhm erlangen. Um die massenweise einstürmenden Bürger bei Laune zu halten, sind diese natürlich zu allererst mit Häusern, Wasser und Verpflegung zu versorgen.

Miesepetrige Bewohner
Schon nach wenigen Minuten ist allerdings klar: Volle Zufriedenheit unter den Einwohnern zu schaffen ist kaum möglich. Zwar gibt es eine Menge Einstellungsmöglichkeiten - die Anzahl der Rationen, wie viel gearbeitet wird oder wie viel Lohn die Arbeiter erhalten - sie dienen jedoch nur einem Zweck: Die Zufriedenheit der Bevölkerung zu erhöhen. Dazu hätte auch ein Schieberegler genügt, unterscheiden sich doch die Anzeigen nicht in ihrer Wirkung: Kürzere Arbeitszeiten sorgen genauso für steigende Zufriedenheit wie höhere Löhne.

Mit der Stimmung der Bürger ist das sowieso so eine Sache - viel zu viele Einwanderer wollen ihren Platz an der römischen Sonne. Für die gibt es meist nach einer halben Stunde weit nicht mehr genug Arbeit, dafür sind viele Karten schlicht zu klein geraten, und die Wartenden werden unzufrieden. Zu deichseln ist das nur mit besagten Schiebereglern.

Krieg? Nicht nötig!
Erfreulich einfach ist die Möglichkeit geraten, mit anderen Städten Handel zu treiben. Einfach ein entsprechendes Gebäude aufgebaut, nach einem Blick auf die Weltkarte sind mögliche Partnerstädte ausgemacht und das fröhliche Tauschgeschäft kann beginnen. Kämpfe mit einem Heer sind möglich, aber nicht zwingend notwendig, was Freunden des friedlichen Vor-sich-hin-Siedelns freuen wird.

Schön anzusehen ist die "CivCity: Rom"-Welt allemal, vor allem wegen der detailreich dargestellten Tätigkeiten der Bewohner: Die sind fleißig bei der Arbeit, sie sägen und hämmern, pflanzen, pressen und vieles mehr. Der Spieler darf sogar in die Wohnungen spähen - hübsch aufgereiht stehen dort, genau wie in den Wirtschaftsbetrieben und Lagern, alle Waren, die auf dem Markt gekauft wurden.

Faule Luxusluder
Die zoom- und schwenkbare 3D-Umgebung erleichtert das Platzieren von Gebäuden, besonders dankbar ist der Spieler dafür, dass Gebäude an andere Stellen versetzt werden können. Diese Möglichkeit erleichtert das Spiel, wenn immer mehr Waren in Wohngebieten benötigt werden. Die Häuser werden mit denen zwar größer und schöner ausgebaut und die Siedler zahlen mehr Steuern, sie bewegen sich deshalb aber keinen Schritt weiter als zuvor.

Oft bleibt nichts anderes übrig, als halbe Siedlungen an anderer Stelle mühselig neu aufzubauen, um Stände von Händlern in Wohngebieten zu ermöglichen. Immerhin entfällt so aber der Frust, wenn in einer Stadt wegen beengten Platzangebotes gar nichts mehr geht und Häuser von frustriert Ausziehenden in sich zusammenfallen - wie bei anderen Games des Genres oft erlebt.

Schmucklos sind leider die Zwischensequenzen geraten - in einem unschönen Textfeld werden die Kampagnenziele erläutert. Auf den Straßen der Stadt könnte auch mehr Leben herrschen - die Römer scheinen zu versessen auf Arbeit und Einkauf, für Spaß und Feiern ist offenbar zu wenig Zeit.

Fazit:
"CivCity: Rom" ist als namentliche Mischung aus "Sim City" und "Civilisation" zwar nicht besonders innovativ, bereitet aber trotzdem viel Freude. Friedliches Siedeln ohne militärische Konfrontationen ist möglich - eine oft übersehene, rücksichtsvolle Geste an all jene, die lieber Aufbauen als Zerstören. Das Spiel ist auch für Genreneulinge bestens geeignet und selbsterklärend. Doch leider haben einige Features keine nennenswerten spielerischen Auswirkungen, insgesamt fehlt dem Spiel das gewisse Extra, eine außergewöhnliche Hintergrundidee und vor allem: der Spaßfaktor...

Plattform: PC (getestet)
Publisher: 2K Games
Krone.at-Wertung: 78 %

Von Bernadette Geißler

Donnerstag, 13. Mai 2021
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