Mo, 24. September 2018

Fords Top-Ansage

05.06.2016 15:04

Ford Mondeo Vignale: Ist das jetzt echt Premium?

Man könnte fast glauben, der Ford Mondeo Vignale würde auf einem italienischen Weingut handgefertigt, schließlich heißt "vigna" zu Deutsch Weinberg, vignale ist dann also ein großer Weinberg. Ganz so weit geht der neue Luxus bei Ford zwar nicht, aber das Flaggschiff der Marke tritt deutlich eleganter auf als seine bürgerlichen Brüder.

Der mit poliertem Aluminium umrandete Kühlergrill zeigt mit den Vignale-Sechsecken Zähne, rund um die Nebelscheinwerfer blitzt glänzendes Chrom, eine Chromleiste verbindet die beiden Einfassungen wie eine Klinge. Das passt wie aus einem Guss zu den glänzenden, serienmäßigen 18-Zoll-Alus (19 Zoll optional). Adaptive LED-Scheinwerfer vollenden die Front zum Prunkstück des Fahrzeugs. Eine Chromlinie umfasst den ganzen Wagen, sie wird ergänzt durch angedeutet trapezförmige Auspuffblenden.

Schon die Farbe des Testwagens ist exklusiv: Vignale-Nocciola, ein samtig braun schimmernder Metallic-Ton, ist dieser Top-Variante vorbehalten. Daneben stehen noch Schwarz, Grau und Weiß zur Wahl - Bordeauxrot (obwohl naheliegend) gibt es nicht.

Also, warum Vignale?
Schluss mit den Wein-Anspielungen, denn in Wahrheit stammt der Name Vignale von einer altehrwürdigen italienischen Karosserieschmiede, der "Carozzeria Vignale", welche von 1946 bis 1974 existierte und zuletzt zur "Carozzeria Ghia" gehörte. Und genau hier schließt sich der Kreis. Im Unterschied zu den früheren Ford-Ghia-Modellen ist bei den Vignale-Fords aber nicht nur die Ausstattung besonders edel, sondern es gibt rundherum auch noch besonderen Service für den Kunden, wie etwa einen persönlichen Betreuer, die Abholung des Wagens zum Service (kostet aber extra), Gratis-Autowäsche oder auch eine 24/7-Hotline, die sich um alles rund ums Auto kümmern soll. Nicht zu vergessen die Vignale-Lounge beim Ford-Händler.

Lederopulenz im Innenraum
Sie haben den Mondeo natürlich nicht neu erfunden, wie an der Karosserie bleiben auch im Innenraum alle Ford-Formen erhalten. Die Materialien spielen aber zumindest teilweise in einer anderen Liga. Leder, so weit das Auge reicht, von den hervorragenden Sitzen bis zur Armaturenkonsole. Besonders auffällig sind die "Handkanten-Nähte" des Leders. "Wir haben die aktuellsten Trends der Architektur- und Modewelt zusammengeführt, um eine Umgebung zu schaffen, die einen Hauch von Luxus und ein Gefühl zeitloser Eleganz ausstrahlt", schwärmt Design-Direktor Chris Bird. Auf Wunsch können die Sitze nicht nur heizen, sondern auch kühlen und massieren.

Dass man sich trotzdem nicht fühlt wie in einem Mercedes oder so, liegt nur an einem: Man sitzt nicht in einem Mercedes oder so. Aber das will vielleicht auch nicht jeder, abgesehen davon, dass wir uns dann angesichts der Ausstattung in ganz anderen Regionen bewegen würden. Jedenfalls handelt es sich hier nicht um einen Allerweltsford, wobei ich gestehen muss, mir ist nicht aufgefallen, dass jeder "Vignale" von einem "ausgewiesenen Meister seines Fachs per Hand den letzten Feinschliff erhält".

Noise Cancelling wie ein Bose-Kopfhörer
Das Fahrerlebnis ist ein sehr komfortables. Das liegt einerseits am sehr geschmeidigen, aber dennoch präzisen Fahrwerk samt aufwendiger Integrallenker-Hinterachse, andererseits an der "Active Noise Control", die im Ford Mondeo Vignale durch "Gegenschall" Geräusche neutralisiert. Auch dämpfendes Akustikglas trägt dazu bei. Nach dem durchaus vernehmlichen Start des Zweiliter-Diesels würde man nicht erwarten, wie leise es unterwegs zugeht.

Bei aller Ruhe und Gemütlichkeit lässt es sich im Mondeo Vignale auch wie bei den Kölnern gewohnt ums Eck pfeifen, nicht zuletzt weil er für einen Allrad-Kombi dieser Größenordnung mit 1527 kg ohne Fahrer durchaus als Leichtgewicht zu bezeichnen ist. Der 180-PS-Turbodiesel geht kräftig zu Werke, gönnt sich nur ein kurzes Durchatmen, bis er bei 2000/min. sein maximales Drehmoment von 400 Nm erreicht hat und ermöglicht einen Standardsprint in 8,7 Sekunden. Der Testverbrauch pendelte sich bei 7,6 l/100 km ein. Alternativ stehen zwei Zweiliter-Biturbos zur Wahl: ein Diesel mit 210 PS sowie ein Benziner mit 240 PS. Außerdem ein 187-PS-Hybrid. Unter 180 PS macht man's also bei einem Vignale nicht.

Topausstattung an Bord
Ab 44.750 Euro ist der Ford Mondeo Vignale Traveller zu haben (Viertürer 1200 Euro billiger), der getestete Allradler mit 180-PS-Diesel und Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe kommt auf mindestens 50.300 Euro, der Testwagen inklusive Sonderausstattung kostet 58.000 Euro. Serienmäßig dabei sind u.a. das Konnektivitätssystem Sync 2 samt Sprachsteuerung, ein fettes Sony-Soundsystem mit 20,3-Zentimeter-Touchscreen, Rückfahrkamera, Zugang und Starten schlüssellos, Parksensoren rundum, 2-Zonen-Klima oder auch der Spurhalteassistent. Sicherheits-Highlights wie Active City Stop oder Totwinkelwarner kosten extra. Ebenfalls gegen Aufpreis sind Airbag-Sicherheitsgurte für die Rücksitze erhältlich, die es sonst nur bei Daimler gibt. Wer häufig groß gewachsene Menschen auf der Rückbank mitnimmt, sollte auf die Option Glaspanoramadach verzichten - es schränkt die Kopffreiheit ein.

Wer was Exklusives kauft, hat hohe Ansprüche auch im Detail. Da passt es nicht ganz dazu, dass man die Rücksitzlehnen nicht per Hebelzug vom Kofferraum umklappen kann und zudem beim Wiederaufstellen die Gurte drohen eingeklemmt zu werden. Apropos Kofferraum: Mit 525/1630 Liter ist er groß genug, die Ladekante ist aber nicht sehr intelligent gelöst: Man muss ein breites Stück lackierte Stoßstange überwinden, das dadurch schnell Kratzer einfangen wird.

Unterm Strich
Ford hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um dem Mondeo einen Premium-Anstrich zu verpassen. Atmosphärisch ist das noch immer ein Ford, wenn auch ein besonderer. Herausgekommen ist wohl das Maximum, was im Nicht-Premium-Bereich machbar ist. Nicht Premium, aber nahe dran. Aber der Genuss fängt ja auch beim Wein nicht erst bei den teuersten Weingütern an.

Warum?

  • Im Detail sehr elegantisiert
  • Spannender Zugang, die angestammte Klasse zu verlassen

Warum nicht?

  • Wer wirklich Premium will, muss weiterhin bei einer Premiummarke kaufen.

Oder vielleicht …

… Ford Edge - den gibt es auch in Vignale-Ausführung, mit nochmals verbesserter Active Noise Control

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.