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02.06.2016 08:17

"Overwatch": Wie gut ist Blizzards erster Shooter?

Mit Strategie- und Rollenspielen wie "Warcraft" und "Diablo" hat das kalifornische Spielestudio Blizzard Kultstatus erreicht. Jetzt wagt es sich auf frisches Terrain und bietet mit "Overwatch" seinen ersten Online-Shooter an. Im bunten Ballerspaß schlüpft der Spieler in die Haut von 21 Helden und stürzt sich in flotte Team-Gefechte. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

Blizzard-Fans sind bereits seit Monaten - dem Release vor einigen Tagen ging eine ausgiebige Beta-Phase voran - im "Overwatch"-Fieber. Jetzt ist der neue Team-Shooter endlich da. Und er ist für ein Shooter-Erstlingswerk verblüffend gut geworden. Blizzard ist das Kunststück geglückt, schnelles und forderndes Shooter-Gameplay mit der taktischen Tiefe von Online-Games à la "DOTA 2" oder "League of Legends" zu kombinieren, ohne zu viel Shooter-Flair zu opfern.

Keine Handlung, trotzdem reichlich Tiefe
Aber der Reihe nach: Eine Einzelspieler-Handlung im klassischen Sinn gibt es bei "Overwatch" nicht, es handelt sich um ein reinrassiges Multiplayer-Spiel. Darin kämpfen 21 abwechslungsreiche Comic-Helden mit jeweils ganz eigenen Stärken und Schwächen in kurzen Matches auf Schlachtfeldern auf der ganzen Welt um die Vorherrschaft. Es gilt, mit anderen Online-Spielern Kontrollpunkte einzunehmen und Transporte zu beschützen - oder dies als Verteidiger zu verhindern.

Tiefe ins Spiel kommt durch Elemente, die man so eher aus sogenannten MOBAs kennt. Statt einen anonymen Kämpfer mit verschiedenen Waffen auszustatten, gibt es bei "Overwatch" 21 völlig unterschiedliche Helden, die ihre eigenen Stärken und Schwächen haben. Das erinnert fast ein wenig an Charakterklassen in Rollenspielen, die eigene Spielweise sollte man entsprechend anpassen.

Für jeden Spielertyp der richtige Held
Konkret gibt es in "Overwatch" offensive und defensive Kämpfer, schwer gepanzerte Recken mit vielen Lebenspunkten und mit mächtigen Heil- und Schildfähigkeiten ausgestattete Unterstützer.

Vom superschlauen Gorilla-Wissenschaftler mit Sprungdüsen und Teslakanone über den Seelen erntenden Attentäter mit Schrotflinten und Teleporter bis hin zum hinterhältig Bärenfallen und Sprengsätze legenden Granatwerfer-Psychopathen ist alles dabei, für so gut wie jede spielerische Vorliebe gibt es einen passenden Helden mit typischer Bewaffnung und eigenen Spezialangriffen und mächtigen Ultimates, die man nur alle paar Minuten zünden kann.

Die einzelnen Helden präsentiert Blizzard in Online-Renderfilmen wie diesen hier:

Teamplayer werden belohnt, die Balace stimmt
Der Erfolg in der Schlacht steht und fällt in "Overwatch" mit dem Zusammenspiel der einzelnen Spieler. Es gilt, auf eine ausgewogene Zusammenstellung der eigenen Mannschaft zu achten, die Stärken der Charaktere richtig auszuspielen und das gegnerische Team zu übertrumpfen - ganz ähnlich, wie man das auch auf Schlachtfeldern in Blizzards MMO-Hit "World of Warcraft" getan hat, nur mit vorgefertigten statt selbst konfigurierten Helden und als Shooter statt als MMO.

Angesichts der Fülle verfügbarer Helden, Waffen und Fähigkeiten ist es umso beeindruckender, dass "Overwatch" kaum Balanceprobleme hat. Jeder Held kann in der Schlacht Erfolg haben, wenn man ihn richtig spielt. Wirklich übermächtige Kämpfer gibt es nicht, auch wenn natürlich nicht jeder Recke gegen jede Art von Gegner gleich effektiv ist. Ein in den Nahkampf gezwungener Scharfschütze wird ebenso Probleme haben wie ein auf sich gestellter Heiler, der nicht viel austeilt.

Generell hat uns an "Overwatch" der hohe Grad an Feinschliff gefallen, den die Entwickler hier erzielt haben. Nirgends haben wir Bugs entdeckt, dafür jede Menge liebevolle Details.

Motivierende Freischaltungen, kein Pay-to-Win
Befürchtungen, Blizzard könnte "Overwatch" mit ausufernden Mikrotransaktionen zum Pay-to-Win-Titel machen, haben sich im Test zerstreut. Zwar gibt es für Stufenaufstiege durch gewonnene Spiele Schatztruhen, die man auf Wunsch auch gegen Echtgeld kaufen kann, die bringen aber nur kosmetische Veränderungen ins Spiel. Ein anderer Spieler-Skin hier, ein neuer Waffen-Skin da, ein seltenes Emote dort: Nichts gravierendes und aus unserer Sicht trotz Vollpreis zumutbar.

Motivierend sind die Freischaltungen trotzdem. Den Lieblingscharakter anzupassen, im Level zu steigen und immer mehr Errungenschaften freizuschalten, bietet reichlich Suchtpotenzial und fesselt auch länger an "Overwatch". Zudem spielt sich durch die Vielzahl an Möglichkeiten bei der Team-Zusammenstellung und daraus resultierenden taktischen Finessen jedes Match anders.

Das Shooter-Gameplay bleibt dabei dominant: Während man in Konkurrenztiteln oftmals lang auf Gegner ballert und Zahlen über diesem aufpoppen lässt, hat man auf derlei Mechaniken bei "Overwatch" verzichtet. Ein Headshot ist hier immer noch ein meist tödlicher Headshot, nicht einfach nur eine große Zahl. Damit fühlt sich "Overwatch" in erster Linie als Shooter mit MOBA-Mechaniken an. Der Rivale "Battleborn" geht in die andere Richtung: Darin sehen wir eher ein MOBA, das man als Shooter spielt.

Übersichtliche Optik mit eigenem Charakter
Bei der Optik von "Overwatch" hat Blizzard eine weise Design-Entscheidung getroffen: Die Spielfiguren und Levels kommen zwar im bunten Comic-Look daher, der Detailreichtum ist im Gegensatz zu manch anderem aktuellen Shooter jedoch nicht so überbordend, dass man in der Hitze des Gefechts die Übersicht verlieren würde. Spieler, Gegenstände und Level-Inventar sind klar unterscheidbar, man kann sich voll auf die Mehrspieler-Herausforderung konzentrieren.

Klar könnte man argumentieren, dass "Overwatch" optisch nicht auf dem gleichen Niveau wie manch aktueller Hochglanz-Shooter spielt, gestört hat uns das im Test aber nicht. Im Gegenteil: "Overwatch" schont so nicht nur die Hardware und läuft auch auf etwas älteren PCs flüssig, sondern kommt insgesamt als äußerst stimmiges und abwechslungsreiches Gesamtpaket daher, die Schauplätze in Ländern wie Ägypten, Russland, China oder den USA haben alle ihren eigenen Charme und einen gewissen Wiedererkennungswert.

Auch hier drängt sich uns der Vergleich mit "World of Warcraft" auf: Blizzards MMO ist ebenfalls kein Grafikmonster, fesselt mit seinem stimmigen Comic-Look aber trotzdem seit Jahren Millionen Spieler.

Toller (Raum)klang, stabiler Netzwerkcode
Akustisch gibt es an "Overwatch" ebenfalls nichts auszusetzen. Der pathetische Soundtrack fügt sich bestens ins Helden-Setting ein, die einzelnen Kämpfer sind gut eingesprochen und mit charakteristischen Soundeffekten ausgestattet. Lobenswert, weil für einen Mehrspieler-Shooter durchaus von Belang: "Overwatch" gibt am Kopfhörer dank Dolby Atmos gut lokalisierbaren Raumklang aus, man kann also akustisch darauf schließen, wo sich ein Gegner befindet.

Der Netzwerk-Code erwies sich als belastbar, Verbindungsabbrüche oder Lags haben wir keine erlebt. Die automatische Spielersuche funktioniert zuverlässig und stellt schnell ein Match mit in puncto Level zueinander passenden Kontrahenten zusammen. Wer mag, kann auch ein eigenes Spiel erstellen - etwa, um mit einer Freundesgruppe zu trainieren oder gegen einen gegnerischen C einen exzellenten Mehrspieler-Shooter veröffentlicht, der mit seinen coolen Helden taktische Tiefe ins Spiel bringt, ohne Genre-Tugenden über Bord zu werfen. Das Game ist schnell, taktisch fordernd, bietet durch die Helden reichlich Abwechslung und ist optisch stimmig gemacht, ohne unübersichtlich zu sein. Die Mikrotransaktionen sind so unaufdringlich, wie es sich für einen Vollpreistitel gehört, trotzdem gibt es durch die Freischaltungen viel Langzeitmotivation. Wir glauben: "Overwatch" könnte sich als fröhlich-bunter und doch fordernder Mehrspieler-Shooter langfristig halten.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Blizzard
krone.at-Wertung: 9/10

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