Reaktorunglück

Tschernobyl: 1000 Strahlentote auch in Österreich

Österreich
26.04.2016 06:00

Viele wissen es nicht, einige haben es verdrängt: Nach der Ukraine und Weißrussland ist Österreich das von den Tschernobyl-Strahlen weltweit am stärksten betroffene Land. Die Bilanz nach 30 Jahren: 1000 Österreicher starben an den Folgen des Unglücks, in den kommenden 20 Jahren werden es weitere 600 Tote sein.

Nach der Reaktorkatastrophe wurden ganze Landstriche in Österreich kontaminiert. Insgesamt waren 13 Prozent des Landes einer hohen Belastung durch Cäsium und radioaktives Jod ausgesetzt. Der renommierte britische Strahlenforscher Ian Fairlie kam nun in einer von der Wiener Umweltanwaltschaft beauftragten Studie zu einem erschütternden Ergebnis.

(Bild: Krone KREATIV)

Besonders stark betroffen waren laut dieser aktuellen wissenschaftlichen Untersuchung das Salzkammergut, die Welser Heide in Oberösterreich, die Hohen und Niederen Tauern (Salzburg, Kärnten, Tirol und Steiermark) sowie die Koralpen-Region in Kärnten und der Steiermark. Weniger stark betroffen waren Vorarlberg und Tirol sowie die nordöstlichen Regionen Niederösterreichs.

Nach Tschernobyl stieg in Österreich vor allem die Zahl der an Schilddrüsenkrebs Erkrankten deutlich an. Die aktuelle Studie kommt zum erschütternden Ergebnis, "dass nach dem Jahr 1990 bis zu 40 Prozent dieser Krebsfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit durch den Reaktorunfall in der Ukraine ausgelöst worden sind". Damit sind in Österreich rund 1000 Tschernobyl-Tote zu beklagen.

Experten rechnen mit weiteren 600 Toten
Doch die Experten schätzen, dass die Folgen noch weit schlimmer sein werden: Die Forscher gehen davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren noch weitere 600 Österreicher an diesem "Tschernobyl-Krebs" sterben werden.

Während Deutschland bis zum Jahr 2022 aus der Atomkraft aussteigen will, bleiben viele andere europäische Länder bei ihrem Ja zu AKWs und planen sogar weitere Reaktoren. Auch österreichische Umweltschutzorganisationen kämpfen spätestens seit Tschernobyl dagegen an. Aber es ist ein mühsamer Kampf gegen eine mächtige Atomlobby und verbohrte EU-Bürokraten, die Atomkraft in großem Ausmaß fördern.

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