15.03.2016 17:06 |

Anschlag in Ankara

"Beinahe sichere Hinweise" auf PKK-Hintergrund

Die türkische Regierung will "beinahe sichere Hinweise" haben, dass die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hinter dem blutigen Anschlag in Ankara steckt. Elf Menschen seien im Zusammenhang mit dem Anschlag, bei dem 37 Menschen getötet und mehr als 120 weitere Peronen verletzt worden waren, festgenommen worden, gab Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Montagabend bekannt. Noch in der Nacht auf Montag flog die Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak.

Am Dienstag machte die türkische Regierung offiziell die PKK für die Anschläge verantwortlich. Das Innenministerium teilte mit, die "separatistische Terrororganisation" habe den "abscheulichen Anschlag" vom Sonntag in der türkischen Hauptstadt verübt. Die Selbstmordattentäterin sei identifiziert worden.

Bombe mit Nägeln und Schrotkugeln gespickt
Laut Medienberichten war die Attentäterin eine 24-jährige Studentin, die in einem Prozess wegen PKK-Mitgliedschaft angeklagt war, sich aber für die Dauer des Verfahrens auf freiem Fuß befand. Laut Sicherheitskreisen wurde die Täterin 1992 geboren und stammt aus der Stadt Kars in der Osttürkei. Bei dem Anschlag in der Innenstadt von Ankara wurde ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug gezündet. Es soll sich um den gleichen Sprengstoff gehandelt haben wie bei dem Anschlag vom 17. Februar, bei dem 29 Menschen starben. Die Bombe war Polizeikreisen zufolge mit Schrotkugeln und Nägeln gespickt, um die Wirkung zu maximieren.

Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei Anti-Terror-Operationen gegen die PKK in Istanbul und weiteren türkischen Städten seien am Montag mindestens 79 Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien neun Minderjährige. 15 der Festgenommenen würden beschuldigt, Propaganda für die PKK betrieben und Staatsbedienstete beleidigt zu haben. Bei den Razzien seien auch Waffen beschlagnahmt worden.

Erdogan will PKK militärisch besiegen
Präsident Recep Tayyip Erdogan ließ als erste Reaktion auf den Bombenanschlag die Angriffe der Luftwaffe auf PKK-Einrichtungen im nordirakischen Kandil-Gebirge intensivieren. Dort hat die PKK ihr Hauptquartier. Die PKK-nahe Agentur Firat berichtete, bei den zwei Stunden andauernden Luftangriffen in der Nacht auf Montag sei niemand getötet worden.

Nach zwei Jahren relativer Ruhe war der Kurdenkonflikt in der Türkei im vergangenen Sommer wieder eskaliert. Die türkische Armee geht seit Dezember im Südosten des Landes mit aller Härte gegen mutmaßliche PKK-Rebellen vor. Erdogan ist entschlossen, die kurdischen Rebellen militärisch zu besiegen - obwohl diese Strategie seit Monaten vor allem dazu führt, dass der Konflikt immer weiter eskaliert. Dennoch hält Erdogan an seinem Kurs fest. In den Kurdengebieten im Südosten des Landes trifft die Armee bereits wieder Vorbereitungen für neue massive Einsätze, wieder werden ganze Städte unter Ausgangssperre gestellt.

EU schweigt zu Gewalteskalation
Der EU kann die alarmierende Lage in der Türkei eigentlich nicht gleichgültig sein, schließlich will sie die Beitrittsverhandlungen mit dem zunehmend instabilen Land sogar beschleunigen. Dennoch schweigt Europa zur Eskalation der Gewalt. Der Grund: Die EU will Erdogan nicht verärgern, der sich Einmischungen von außen verbittet - und den sie braucht, um der Flüchtlingskrise Herr zu werden.

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