Die Titanen haben ihr ewiges Gefängnis verlassen und bringen nun Tod und Verderben über die Erde. Nur ein einsamer, wortkarger griechischer Held kann diesem Treiben Einhalt bieten. So weit die eher dürftige (böse Titanen, guter Held, Welt retten), aber in einem sehr ansehnlichen Intro verpackte Geschichte von „Titan Quest“.
Im Hauptmenü angekommen muss der Spieler zu seiner Überraschung feststellen, dass nur ein Charakter zur Auswahl steht. Lediglich Geschlecht und Tunika-Farbe lassen sich ändern, bevor es in die Schlacht geht. Nach den ersten Erfahrungspunkten dann die Beruhigung: In so genannten „Meisterschaften“, insgesamt stehen acht zur Wahl, kann der Spieler seinen Charakter weiter ausbauen. Während Fertigkeiten wie Kriegsführung oder Jagd den Umgang mit Waffen schulen, verbessern Natur- oder Erdzauber die magischen Fähigkeiten des Helden. Bei erlangen der achten Stufe darf der Spieler erneut wählen und aus seinem bisherigen Krieger vielleicht einen Magierkämpfer machen. Außerdem können durch die im Kampf gewonnene Erfahrung die Attribute Intelligenz, Geschicklichkeit, Stärke, Energie und Gesundheit verbessert werden.
Danach gibt es typische, aber süchtig machende „Hack & Slay“-Kost: Der Spieler metzelt sich auf seinem Weg zum finalen Endkampf durch Horden von Monstern – seien es Zentauren, Skelette, Echsen, Spinnen, Schildkröten, Aasgeier oder Zombies. Anstatt ausgefeilter Angriffstaktiken setzen die Monster lieber auf ihre zahlenmäßige Überlegenheit, der der Spieler durch ein paar Tränke allerdings recht gut beikommen kann. Für jeden getöteten Gegner gibt es dann nicht nur Erfahrung, sondern auch Gold oder wertvolle Items. Sehr praktisch: Per Tastendruck lassen sich alle im Gelände verstreuten Gegenstände auf einen Blick anzeigen. Im Inventar werden zudem abgelegte Items mit ausgerüsteten verglichen. Der Spieler kann so blitzschnell entscheiden, welcher Gegenstand der bessere ist.
Was der Held nicht selber braucht, verkauft er beim Händler seines Vertrauens in der nächsten Stadt. Da das Inventar prinzipiell immer voll ist und sich zudem auch leider nicht automatisch sortiert, kehrt der zu Beginn von Geldnöten geplagte Spieler daher recht häufig in die Zivilisation zurück. Teure Schriftrollen, wie man sie von „Diablo“ kennt, sind dafür allerdings nicht notwendig. Mit einem Klick kann der Spieler stattdessen beliebig oft ein Portal öffnen, um in die nächste Stadt zu reisen. Hier trifft man auch auf regungslos in der Landschaft herumstehende NPCs, die mit einigen Aufträgen auf uns warten. Diese optionalen Nebenquests beschränken sich zumeist auf das Befreien oder Zurückbringen von Menschen oder Gegenständen und bringen nur bedingt Abwechslung in die Monster-Metzelei.
Während das Gameplay nur wenige Neuerungen zu bieten hat, punktet die Grafik in jederlei Hinsicht. Die wunderschön gestalteten Ort- und Landschaften – saftige Wiesen, sandige Küstenabschnitte oder dunkle Dungeons - glänzen durch hochauflösende Texturen, tolle Licht- und Schatteneffekte, Wasserspiegelungen und die absolut realistische Physik-Engine. Wer bis an seinen Helden heranzoomt, erkennt zudem jedes noch so kleine Detail seiner Ausrüstung. Hier haben die Macher ganze Arbeit geleistet. Auch die akustische Darbietung kann überzeugen, wenngleich die Musik eher im Hintergrund gehalten ist. Dafür sorgen die Umgebungsgeräusche für eine ungemein dichte Atmosphäre. Die englische, deutsch untertitelte Sprachausgabe kann sich ebenso hören lassen.
Fazit: „Titan Quest“ hat keine besonders gute Story, kein wirklich innovatives Gameplay, und keine ausgefeilte KI. Und trotzdem macht „Titan Quest“ einen Heidenspaß. Die Jagd nach neuen Items – und davon gibt es Tausende - sowie das Ausbauen des Charakters machen schlichtweg süchtig und fesseln stundenlang vor den Monitor. Nur noch dieser Dungeon, noch schnell diese Gruppe Zombies und ehe man sich versieht ist der halbe Tag verzockt. Der Spaß geht sogar noch weiter, wenn man im Multiplayer-Modus gemeinsam mit Freunden metzelt oder mit dem Level-Editor eigene Welten bastelt. Hinzu kommen die beeindruckende Grafik, die einfache und bequeme Steuerung sowie die Tatsache, dass das Spiel gänzlich ohne Ladezeiten auskommt. Kurzum: Trotz einiger Schwächen ist „Titan Quest“ das derzeit beste Hack & Slay am Markt. Diablo-Fans haben endlich eine neue Freizeitbeschäftigung gefunden.
Plattform: PC
Publisher: THQ
Krone.at-Wertung: 88%
von Sebastian Räuchle
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