"Krone"-Kommentar

Auch ein Sieg für “So geht’s nicht weiter”-Partei

Österreich
11.10.2015 18:25
Wer hält bei dieser Wette dagegen: 80 Prozent jener Wiener, die an diesem Sonntag die Freiheitlichen gewählt haben, kennen sicher nicht deren Parteiprogramm. Die meisten FPÖ-Unterstützer (die von anderen Fraktionen stets als "Ewiggestrige" oder "Nazis" beschimpft werden) wählten nämlich einfach die Chance auf Veränderung: Sie machten ihr Kreuzerl bei der "So geht's bitte nicht weiter"-Partei.

Auch wenn die SPÖ jetzt nochmals mit einem starken Finish ihre Mehrheit retten konnte - der Frust über die rot-grüne Regierungszeit ist offenbar groß:

  • So fehlen den Menschen noch immer klare Ansagen aus dem Rathaus (und auch aus dem Kanzleramt), wie viele Flüchtlinge noch einreisen dürfen. Wirklich "alle"? Sorry, das war und wird nicht mehrheitsfähig.
  • Stadt- und Bundes-SPÖ wollten uns vor der Wahl auch nicht mitteilen, wer die Kosten der Flüchtlingskrise zu tragen hat. Wer zahlt die "450 Millionen bis eine Milliarde"? Wer kriegt deshalb weniger? Und: Zerbröselt dabei die Steuerreform und unsere Hoffnung auf einen Hunderter mehr im Monat?
  • Viele Wähler der "So geht's nicht weiter"-Fraktion vermissten auch die Demut der Stadtregenten vor dem Souverän, dem Wähler: Die "Mahü"-Volksbefragung wurde etwa für das "richtige" Ergebnis organisatorisch zurechtgezimmert (zum Glück schaut die neue Fuzo jetzt ganz nett aus).
  • Sachliche Kritik an den Franken-Milliardenkrediten oder an dem im Magistrat politisch befohlenen Gender-Extremismus wurde ebenso ignoriert wie der Ärger über teure Pannen bei Großbaustellen (Stadthalle, Krankenhaus-Nord). Da kam keine Entschuldigung, kein: "Sorry, wir machen das künftig besser."
  • Klarerweise hatten die grundvernünftigen Bürger dieser Stadt ohnehin wenig Hoffnung, dass FPÖ-Politiker als Stadträte weniger Skandale bauen - aber immerhin 31 Prozent meinten: "Die Blauen sollen's jetzt zumindest einmal probieren."

Und das sollte der Wiener SPÖ doch zu denken geben.

PS: Kommt jetzt wieder Rot-Grün und dazu eine Fortsetzung der FPÖ-Ausgrenzungspolitik, dann könnten die Blauen 2020 noch wesentlich besser abschneiden...

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