05.06.2015 14:05 |

Nach Rot-Blau

Androsch: "In Wien droht der SPÖ ein Waterloo"

Bei der "Führungslosigkeit und Hilflosigkeit" des Kanzlers und der Bundesregierung "kriegen die Leute einen Zorn": Mit noch nie zuvor gehörter Härte kritisiert SPÖ-Ex-Finanzminister Hannes Androsch nach Rot-Blau im Burgenland SPÖ-Chef Werner Faymann. Und Androsch meint: In Wien drohe der SPÖ "ein Waterloo". Bei den Roten reagierte man am Freitag mit Unverständnis auf die Kritik. Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos bezeichnete die Zurufe des Ex-Ministers als "mehr als entbehrlich".

Die Kritik treffe vor allem Bundeskanzler Werner Faymann, sagte Hannes Androsch (77) in einem aktuellen Interview im "Standard": "Wenn der Dirigent nicht dirigiert, macht jede Gruppe im Orchester, was sie will, dann kommt keine Sinfonie zustande, sondern eine Kakofonie." In der SPÖ - siehe Burgenlands neue rot-blaue Koalition - mache jeder, was er will.

Faymann sei "jedenfalls nicht gestärkt aus diesen Wahlen hervorgegangen", kritisiert Androsch: "Er soll endlich aufhören mit dem Schönreden, Beschwichtigen, Gesundbeten, und anfangen zu regieren. Regieren ist mehr als Administrieren des Stillstands."

Zu den aktuellen Wahlniederlagen der SPÖ in der Steiermark und im Burgenland sagt der Ex-Finanzminister der Regierung Kreisky: "Bei beiden Landtagswahlen wurde am wenigsten über die Landespolitik abgestimmt, sondern gegen den Stillstand, die Stagnation und Perspektivlosigkeit der Bundesregierung. Die Leute sind verunsichert und werden abgespeist mit Beschwichtigungsformeln - dann kriegen's einen Zorn."

Die größte Gruppe der Österreicher gehe "ohnehin nicht mehr wählen, die anderen wählen Protest", analysiert Androsch. Und er warnt: "Da droht in Wien ein Waterloo."

Darabos kritisiert Androsch
Androschs Vorwurf gegen Faymann, seine Partei nicht im Griff zu haben, quittierte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos mit dem Hinweis auf die "neun Landesorganisationen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen. Wir sind eine demokratische Partei." Auf Bundesebene habe Faymann "die SPÖ-Linie bekräftigt und unmissverständlich klargemacht, dass eine Koalition mit der FPÖ nicht infrage kommt".

Im Übrigen sei Androsch in der Vergangenheit auch nicht immer als Verfechter der "Grundsätze und Kernanliegen der Sozialdemokratie" aufgefallen, habe er sich doch etwa für Studiengebühren und Uni-Zugangsbeschränkungen ebenso ausgesprochen wie für die Anhebung von Massensteuern, so Darabos.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Sonntag, 28. Februar 2021
Wetter Symbol