Endlich soll das veraltete EU-Tiertransportrecht reformiert werden. Doch die Hoffnung auf echte Verbesserungen für Millionen Tiere droht zu zerplatzen. Denn selbst die ohnehin schwachen Vorschläge der EU-Kommission werden nun weiter aufgeweicht. Tierschützer schlagen Alarm.
Es wäre eine historische Chance. Nach mehr als 20 Jahren soll die EU-Tiertransportverordnung endlich überarbeitet werden. Eine Verordnung, die darüber entscheidet, wie lange Rinder, Schweine, Kälber und andere Nutztiere quer durch Europa transportiert werden dürfen.
Nach 20 Jahren Stillstand
Oft zusammengepfercht auf engstem Raum, bei brütender Hitze oder eisiger Kälte, unter enormem Stress und nicht selten bis zur völligen Erschöpfung oder gar zum Tod. Doch anstatt dieser einmaligen Gelegenheit zu nutzen, um das Leid von Millionen Tieren endlich deutlich zu verringern, droht die Reform zu einer bitteren Enttäuschung zu werden.
31 statt neun Stunden
Bereits die Vorschläge der EU-Kommission waren aus Sicht von Tierschützern viel zu zaghaft. Nun sollen selbst diese bescheidenen Verbesserungen im EU-Rat noch weiter verwässert werden. Während die Kommission etwa für Schlachttiere eine maximale Transportdauer von neun Stunden vorgeschlagen hatte, sieht ein Entwurf der Ratspräsidentschaft weiterhin deutlich längere Transporte von 31 Stunden vor.
Dabei liegen auch wissenschaftliche Erkenntnisse längst auf dem Tisch: Tiere brauchen mehr Platz, kürzere Transportzeiten und bessere Versorgung. Doch die berechtigten Erwartungen an eine grundlegende Reform drohen erneut hinter wirtschaftlichen Interessen einiger weniger zurückzubleiben – und das zum Leidwesen von Millionen Tieren, die sich nicht wehren können.
Forderung an die Politik
Für den Verein „Freunde der Tierecke“ der „Krone“, VIER PFOTEN und den Verein gegen Tierfabriken (VGT) ist das nicht hinnehmbar. Gemeinsam appellieren sie in einem offenen Brief an die österreichische Bundesregierung, sich auf EU-Ebene entschieden für wirksame Verbesserungen einzusetzen. Gefordert sind Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Ministerin Korinna Schumann und Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig, im EU-Rat ein massives Veto einzulegen.
Was EU-Bürger wollen
Denn eines ist klar: Niemand kann behaupten, wir wüssten heute nicht, welches Leid lange Tiertransporte verursachen. Die Bilder erschöpfter, durstiger, verletzter und verendeter Tiere auf Europas Straßen sprechen seit Jahrzehnten eine deutliche Sprache.
20 Jahre auf eine Reform zu warten, nur um am Ende die bestehenden Missstände weitgehend zuzulassen, wäre eine vertane historische Chance. Nicht nur Millionen Tiere hätten Besseres verdient, sondern auch knapp 80 Prozent der EU-Bürger, die Tiertransporte als unnötiges Tierleid sehen.
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