Es sind keine einfachen Zeiten auch für steirische Start-up-Szene: Die Finanzierung wurde zuletzt immer schwieriger. So kann es dennoch gelingen, Investoren zu überzeugen.
Als Markus Kümmel im Jahr 1999 Bergfex gründete, stand der Hype um das Digitale vor dem ersten Höhepunkt. Ein Jahr später „platzte die Dotcom-Blase und mit ihr die Begeisterung vieler Kapitalgeber für Geschäftsmodelle im Internet“, erinnert sich Kümmel. Er und seine Partner finanzierten das Unternehmen daher weitgehend aus eigener Kraft und wuchsen Schritt für Schritt. Längst ist die Grazer Tourismus- und Outdoorplattform Bergfex mit gut 30 Mitarbeitern sehr erfolgreich und in 18 Sprachen verfügbar.
Bergfex würde man heute als Start-up bezeichnen: ein junges und innovatives Unternehmen, das rasch wachsen möchte. Das Aufstellen von Kapital ist derzeit wieder schwierig, das zeigte im Vorjahr der Grazer Start-up-Monitor. Die Finanzierungssituation wurde mit nur 3,47 von sieben Punkten bewertet – der niedrigste Wert seit 2016. Große Investments sind eher die Ausnahme geworden, die Gründer müssen verstärkt auf eigene Ersparnisse zurückgreifen. Auch der Standort wurde schlechter als in den Jahren zuvor bewertet.
Die Märkte sind heute dichter geworden, die Konkurrenz schneller, und in vielen Bereichen läuft man gegen die Zeit.

Markus Kümmel (Bergfex)
Bild: BergFex
„Das Umfeld bleibt anspruchsvoll“
„Das Umfeld bleibt anspruchsvoll. Zugang zu Kapital ist komplexer geworden – und eine überzeugende Technologie reicht längst nicht aus, um ein Unternehmen aufzubauen“, sagt Martin Mössler, Geschäftsführer des Science Parks Graz. Dort werden aktuell mehr als 25 technologieorientierte Start-ups, von künstlicher Intelligenz über Energietechnologien bis zur Raumfahrt, betreut – ein Bereich, in dem die Steiermark traditionell sehr stark ist.
Eine Chance, Investoren in gerade einmal drei Minuten von ihrer Idee zu überzeugen, hatten kürzlich elf Start-ups bei der Veranstaltung „Idea meets money“, initiiert von Oliver Kröpfl, Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse. Unter den Kapitalgebern war diesmal auch Bergfex-Gründer Markus Kümmel.
Welche Start-ups überzeugen wollten
Teilgenommen hat etwa Indigo Water: Die Software soll Lecks in Wasserleitungen frühzeitig erkennen. Dahinter stehen David Steffelbauer und die aus der Grazer Lokalpolitik bekannte Anna Robosch. Die Plattform MRsafe von Stefanie Pirzl wiederum prüft, ob medizinische Implantate mit einer MRT-Untersuchung kompatibel sind. Das Grazer Start-up MotionSynq von Silvio Prskalo nutzt tragbare Bewegungssensorik, um Gelenkgesundheit messbar zu machen. Und Christoph und Ralph Stöckl von SimplyAI navigieren Unternehmen durch unzählige KI-Angebote.
„Am wichtigsten sind zahlende Kunden“
Aber selbst wenn Gelder von Investoren gewonnen werden, ist für Science-Park-Chef Mössler klar: „Am wichtigsten sind zahlende Kunden!“ Aus der Technologie muss sich ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln, um international zu bestehen. „Wir müssen den Anspruch haben, aus unserer starken Forschung auch international erfolgreiche Unternehmen zu formen.“
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