Do, 19. Juli 2018

Russen ratlos

16.12.2014 18:52

Währungskollaps: Der Rubel stürzt ins Bodenlose

Für die Russen war der Dienstag ein schwarzer Tag, denn der Rubel ist wie in den 1990er-Jahren ins Bodenlose gefallen. Der Preis für einen Euro stieg an der Moskauer Börse zeitweilig über die psychologisch wichtige Marke von 100 Rubel. Die Führung in Moskau ist angesichts des drohenden Währungskollapses völlig ratlos, das Vertrauen der Bevölkerung in das System von Kremlchef Wladimir Putin ist erschüttert.

Der Rubel rollt trotz massiver Rettungsversuche der russischen Zentralbank in den Abgrund. Zahlreiche russische Wechselstuben orderten bereits neue Anzeigentableaus, weil ihre vierstelligen Tafeln die neuen Kurse bald nicht mehr anzeigen können.

Die Währung, die Mitte Jänner noch bei etwa 45 Rubel je Euro lag, hat rund 60 Prozent ihres Wertes verloren - so etwas hat es in Russland seit den 1990er-Jahren nicht mehr gegeben. "Die Lage ist kritisch", meint der Vizechef der Zentralbank, Sergej Schwezow. Die Rubelkrise spreche für einen enormen Vertrauensverlust der Investoren in die Wirtschaftspolitik der Regierung, klagt der frühere Finanzminister Alexej Kudrin.

Vergebliche Notmaßnahmen
Zweimal hat die Zentralbank in Moskau binnen einer Woche die Leitzinsen angehoben - zuletzt nach einer überraschenden Nachtsitzung zum Dienstag auf 17 Prozent. Es sollte ein neuer Versuch sein, die Rubel-Talfahrt zu stoppen. Zuvor hatte die Notenbank sechs Milliarden Dollar auf den Markt geschüttet, um die russische Währung vor dem Verfall zu retten, was aber nichts half.

In vielen Moskauer Geschäften etwa für Technik und Möbel gehen Händler wie in den 1990er-Jahren dazu über, die Preise in "y.e." - einer an den Euro oder Dollar angelehnten Währungseinheit - anzugeben. Das ist per Gesetz eigentlich verboten. Es verhindert allerdings das ständig neue Auspreisen von Waren, die Händler für harte Währung im Ausland eingekauft haben. Die Preise steigen inzwischen täglich.

Seit der Annexion der Krim geht es bergab
Vor allem Kremlchef Putin verdankt seine Popularität der vergangenen Jahre einem wachsenden Wohlstand. Doch seit der Annexion der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeerhalbinsel Krim im März geht es bergab mit der Rohstoffmacht. Erst drückten die Sanktionen des Westens auf die ohnehin in Teilen noch sowjetisch rückständige und von Korruption geprägte Wirtschaft. Die Strafmaßnahmen verhindern auch den Zufluss frischen Kapitals. Dann setzte der fallende Ölpreis der Energiegroßmacht zu, deren Haushalt sich traditionell zum Großteil aus den Petrodollars speist.

Und nun kommen noch Währungsspekulanten ins Spiel. Putin, der vor Panik warnt und sich sonst auffallend zurückhält, hat ein hartes Vorgehen gegen die Spekulanten angedroht. Doch auch diese Drohungen helfen dem Rubel nicht. Der neue Leitzins? Kein Kommentar, meint Putins Sprecher Dmitri Peskow distanziert.

Sonst eher zahme Opposition ungewöhnlich deutlich
Die sonst eher zahme Opposition im russischen Parlament wird dagegen ungewöhnlich deutlich: Der Ultranationalist Wladimir Schirinowski von der Liberaldemokratischen Partei Russlands wettert, Zentralbankchefin Elvira Nabiullina gehe den völlig falschen Weg mit ihrer Geldpolitik. Die Abgeordneten kritisieren, dass die Leute zu Panik getrieben würden, an den Wechselstuben ihr Geld gegen ausländische Währung zu tauschen. Wer gern ins Ausland reist, versucht, Angespartes noch in Devisen umzutauschen. Aber für russisches Geld gibt es täglich immer weniger Euro und Dollar.

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