Mit Oktober wird es langsam wieder ruhig in den Bergen. Die „Bergkrone“ besuchte Silvia und Alexander Schrempf auf der Gamskarkogelhütte und schaute ihnen über die Schulter, wie sie die Schutzhütte auf 2467 Metern Seehöhe winterfest machen – von Vorräten und Getränken bis zu 4000 leeren Dosen. Denn was im Tal einfach klingt, wird am höchsten Grasberg Europas zur logistischen Herausforderung.
Wo vor wenigen Wochen noch Wanderer einkehrten, herrscht jetzt völlige Stille. Der Bergsommer am Gamskarkogel hoch über dem Salzburger Gasteinertal ist vorbei. Nur nicht für das Hüttenwirte-Paar Silvia und Alexander Schrempf, denn eine Schutzhütte auf 2467 Metern Seehöhe sperrt man nicht einfach so zu.
„Vier Tage brauchen wir, um die Hütte winterfest zu machen“, erzählt Alexander. Vier Tage putzen, sortieren, zählen, verstauen und sichern. Vorräte werden kontrolliert, Lebensmittel inventarisiert, Getränke durchgesehen. Alles, was bei tiefen Temperaturen frieren und dadurch Schaden anrichten könnte, muss vom Berg. Alexander: „Alkoholische Getränke sind weniger problematisch, alkoholfreie Flaschen und Dosen dagegen können im Hochgebirgswinter nicht im Lager verbringen.“
Denn was im Tal selbstverständlich ist, wird auf einer Berghütte zur logistischen Herausforderung. Lebensmittel, Getränke, Gas, Holz, Toilettenpapier – alles muss während der Saison rechtzeitig vorhanden sein.
An Spitzentagen kommen laut dem Hüttenwirt bis zu 150 Gäste, manchmal noch mehr. Im Durchschnitt sind es rund 25 bis 30 pro Tag. Planbar ist das nur bedingt. „Du kannst bei schönstem Wetter drei Leute haben – und wenn du glaubst, heute kommt sicher niemand, ist die Hütte voll“, erzählt der Wirt der Alpenvereinshütte.
Genau diese Unberechenbarkeit ist eine der größten Herausforderungen. Denn Nachschub kann nicht einfach geholt werden. Und so kommen über die Sommersaison per Hubschrauber-Transport große Mengen Material auf den Berg. Und im Herbst muss vieles wieder hinunter.
4000 Dosen, 1000 Euro Pfand
Besonders kurios wird es bei einem neuen Kapitel österreichischer Alltagsbürokratie: dem Dosenpfand. Rund 4000 leere Getränkedosen warten auf 2500 Metern Höhe auf ihre Rückkehr ins Tal. Früher wurden die Dosen am Berg einfach zusammengedrückt – und damit war das Platz- und Transportproblem erledigt. Heute ist die Sache deutlich komplizierter: Weil es keine Straße oder Seilbahn zur Gamskarkogelhütte gibt, müssen die leeren Aludosen mit dem Hubschrauber ins Tal geflogen werden.
„Das wird unsere Winter-Challenge“, sagt Alexander und lacht. Seine Strategie klingt simpel: „Ich werde in den nächsten Wochen immer wieder einen Sack voll Dosen nehmen und sie einzeln beim Automaten im Supermarkt.“
Auch das gehört zur Hüttenromantik
Und dann gibt es Arbeiten, die auf keinem Hochglanzfoto einer Berghütte auftauchen. Denn auch die Trockentoilette muss vor dem Winter händisch mit der Schaufel geleert und gereinigt werden. Mehrere Hundert Kilogramm können dabei zusammenkommen. Das Material wird in einem Container gesammelt, ebenfalls ausgeflogen und entsorgt.
Silvia und Alexander führen die Gamskarkogelhütte übrigens seit vier Sommern. „Als uns die Alpenvereinssektion Bad Gastein fragte, ob wir die Hütte übernehmen möchten, dauerte unsere Entscheidung nur zwei Minuten“, so Alexander, obwohl er eigentlich aus einer anderen Welt kommt: Bank, Marketing, Bergbahnen.
Heute besteht der Arbeitsplatz von Alexander und Silvia aus wenigen Quadratmetern Bewegungsradius. „Auf meine 10.000 Schritte am Tag komm’ ich trotzdem“, sagt Silvia, die mit Alexander im heurigen Bergsommer 110 Tage durchgehend auf der Hütte verbrachten.
Bald 200 Jahre auf dem Gipfel
Die Gamskarkogelhütte auf dem höchsten Grasberg Europas ist dabei keine gewöhnliche Bergunterkunft, denn die Hütte gilt als eine der ältesten, rein zu bergsteigerischen Zwecken errichteten Schutzhütten Europas. Der Bau wurde 1828 von Erzherzog Johann initiiert.
Und seither wiederholt sich jedes Jahr dasselbe Ritual. Im Frühsommer kommt das Leben auf den Gipfel und im Herbst verschwindet eben alles wieder Stück für Stück.
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