Ladenschluss für immer

Der letzte Arbeitstag nach 185 Jahren in Tracht

Steiermark
19.09.2026 19:00

Es stimmt viele traurig: Am Samstag sperrte in Graz mit Rollett wieder ein Traditionshaus zu – und das nach 185 Jahren. Die „Krone“ schaute zum Abschied vorbei. 

Der Samstag war der letzte Tag, an dem die Rollläden des bekannten Rollett-Trachtenhauses in der Grazer Innenstadt hochgezogen wurden. „Was soll ich Ihnen sagen?“, fragt die langjährige Verkaufsmitarbeiterin Rosi Roiko. „Natürlich ist man betrübt und traurig.“ Zumal sie „das schon zum zweiten Mal mitmacht“: „Ich war davor bei Brühl, der ja auch geschlossen hat. Ich kenne also den Ablauf – aber das macht es nicht gerade leichter.“

Am gestrigen Samstag hielt das bekannte Trachtenhaus Rollett in der Murgasse/Ecke Kaiser-Franz-Josef-Kai ein letztes Mal offen. Und viele Kunden kamen. Roiko: „Bunt gemischt. Vor allem Urlauber sind in Alltagskleidung gekommen, um sich dann einzukleiden und gleich stilecht ins Aufsteirern zu stürzen. Oder Stammgäste, die noch einmal einkaufen und uns besuchen wollten.“ Tenor: „Traurig ist das – eigentlich a Schand’“, sagen sie, „damit stirbt auch Geschichte.“

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Ein Urenkel von Richard Rollett war hier und hat nach dem Geschäft um den Schriftzug am Haus gefragt. Das war so intensiv, ich hab richtig Gänsehaut gekriegt.

Rosi Roiko

Parkplatzmisere, Frequenz und Nachfolge
185 Jahre lang hat Rollett, einst sogar K&K-Hoflieferant, überlebt, alle Epochen in Graz erlebt. Was ist passiert? Zu wenig Geschäft? „Das kann ich so nicht sagen“, so Roiko. „Sogar die Jugend hat ja Tracht wieder für sich entdeckt, vor allem, seit die Schnitte und Farben moderner geworden sind.“ Auch an der Saison liegt es nicht – denn die ist Hoch-Zeit für Tracht, eben mit Aufsteirern, so vielen Herbst- und Erntedankfesten. Aber die Parkplatzmisere hört man, war immer Thema. Und die Frequenz. Die Nachfolge.

Im Dezember hätte es das große Jubiläum für Rollett gegeben – doch das Aufsteirern schien ein würdiger Abschluss zu sein. Die schönen Dirndln, Janker, Lederhosen von hoher Qualität (war Merkmal für das Geschäft), die nach dem letzten Verkaufstag noch übrig blieben, würden auf andere Standorte aufgeteilt.

Eine Begegnung vor Kurzem hat Rosi Roiko noch sehr berührt. „Ein Urenkel von Richard Rollett war hier und hat nach dem Geschäft um den Schriftzug am Haus gefragt. Das war so intensiv, da hab ich richtig Gänsehaut gekriegt.“

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