Lokalaugenschein

Wo der Wein von morgen im weiten Land wächst

Niederösterreich
20.09.2026 13:00

Zwischen jungen Trieben und Hightech-Laboren wird in Klosterneuburg (NÖ) an Reben geforscht, die der Klimakrise standhalten sollen. Die „Krone“ bietet Einblicke in dieses interessante Forschungsgebiet.

Ein zarter grüner Trieb schiebt sich aus der Erde. Noch unscheinbar, kaum mehr als ein paar Blätter. Doch in Klosterneuburg kann in solchen kleinen Pflänzchen bereits die Zukunft des österreichischen Weinbaus stecken.

Es riecht nach Erde, jungen Reben – und natürlich ein wenig nach Wein. Im neuen „Zentrum für Wein und Obst“, kurz ZWO, wird hinter Glas und im Labor an der Rebe von morgen gearbeitet. Nicht mit Kristallkugel, sondern mit Wissenschaft: Auf 440 Quadratmetern stehen sechs Klimabereiche bereit, in denen unterschiedliche Bedingungen simuliert werden können.

Die Rebe muss mit dem neuen Klima leben
Hitze, Trockenheit, neue Krankheitserreger – der Klimawandel stellt auch den Weinbau vor immer größere Herausforderungen. Was jahrzehntelang funktioniert hat, könnte unter veränderten Bedingungen schwieriger werden. Deshalb wird in Klosterneuburg schon heute getestet, welche Pflanzen mit den Bedingungen von morgen besser zurechtkommen.

Rund 3000 Sämlinge werden derzeit behutsam gezogen. Jeder einzelne ist dabei ein kleines Experiment der Natur. Gesucht werden robuste Eigenschaften: Reben, die Hitze und Trockenstress besser verkraften und gleichzeitig hochwertige Trauben liefern.

In den Labors in Klosterneburg wird geforscht, ertüftelt und verkostet.
In den Labors in Klosterneburg wird geforscht, ertüftelt und verkostet.(Bild: Gretsch)

Besonders spannend sind die PIWI-Sorten. Die pilzwiderstandsfähigen Reben können gegen bestimmte Pilzkrankheiten deutlich robuster sein und dadurch den Pflanzenschutzaufwand reduzieren. Für Klosterneuburg ist das keine neue Idee. Hier hat die Züchtung widerstandsfähiger Reben bereits Tradition. Mit dem Donauriesling wurde eine der frühen robusten heimischen Sorten zugelassen.

Hoffnung zwischen Glas und Rebzeilen
Für Direktor Reinhard Eder ist das neue Forschungszentrum deshalb weit mehr als ein moderner Holzbau. Es soll ein Ort sein, an dem Antworten auf die großen Fragen des Weinbaus gesucht werden.

„Die Sorge um die goldenen Tröpferl ist in Zeiten der Erderwärmung groß. Aber es gibt auch Hoffnung“, sagt Eder. Und fügt selbstbewusst hinzu: „Mit diesem Gebäude zeigen wir: Ja, Wein hat Zukunft! Ja, Obst hat Zukunft!“

Diese Zukunft beginnt allerdings nicht erst draußen im Weingarten. Sie beginnt hier - bei kleinen Pflanzen, die unter genau beobachteten Bedingungen wachsen und zeigen müssen, was in ihnen steckt.

Denn wenn draußen die Sommer heißer und die Böden trockener werden, kann die richtige Rebe den entscheidenden Unterschied machen.

Ein Tropfen Zukunft im Weinglas
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf sieht deshalb in der Forschung einen wichtigen Baustein für den Weinbau der kommenden Jahrzehnte: „Was heute im Labor beginnt, wird morgen zwischen den Rebzeilen wachsen. In einem Glas Wein steckt dann nicht nur die Tradition der weltweit ältesten Weinbauschule, sondern auch ein kleiner Tropfen Zukunft!“

Noch stehen die jungen Pflanzen geschützt im Forschungszentrum. Noch ist nicht entschieden, welche von ihnen einmal große Weinstöcke werden. Doch genau darin liegt die Spannung: Vielleicht wächst zwischen den 3000 Sämlingen bereits jene Rebe, die später einmal mit einem Klima zurechtkommt, das heute noch niemand genau kennt.

Der Wein von morgen wird also nicht erst morgen erfunden. Ein Teil davon wächst schon heute – und zwar in Klosterneuburg.

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