Während Teile der SPÖ begannen, Gerhard Zeiler als möglichen Parteichef in Position zu bringen, hielt die mächtige Gewerkschaft bisher immer offen zu Andreas Babler. In der „ORF-Pressestunde“ klingt die Unterstützung von Boss Wolfgang Katzian bei Weitem nicht mehr so deutlich: Man dürfe über alles diskutieren, nur wolle er das „im Wohnzimmer, nicht am Balkon“ tun ...
ÖGB-Chef Wolfgang Katzian vermied auf mehrfache Nachfrage zwar eine offene Kampfansage an SPÖ-Chef Andreas Babler, seine Unterstützung klang aber deutlich weniger vorbehaltlos als noch in der Vergangenheit. Die anhaltend schlechten Umfragewerte der SPÖ dürften mittlerweile wohl auch in der Gewerkschaft für genug Unmut sorgen, um sich an parteiinternen Debatten über mögliche Alternativen an der Parteispitze zu beteiligen.
So räumte auch Katzian offen ein, dass die Sozialdemokratie „viel zu diskutieren“ habe und niemand innerhalb der Bewegung mit den aktuellen Umfragewerten zufrieden sein könne. Die notwendige Debatte wolle er jedoch nicht öffentlich austragen. Sein Credo: Solche Gespräche gehörten in die Parteigremien, also „ins Wohnzimmer und nicht auf den Balkon“. Auf eben jenen „Balkon“ verwies er im Lauf des Interviews mehrfach – immer dann, wenn der Name seines Noch-Parteichefs viel.
Nicht nur Babler schuld ...
Auf die Frage, ob Andreas Babler weiterhin der richtige Mann an der Spitze der SPÖ sei, vermied Katzian eine starke Vertrauensbekundung: Mehr als: „Er ist unser Parteivorsitzender“, war dem mächtigen SPÖ-Funktionär nicht zu entlocken. Dennoch ist die ausgesprochen knappe Formulierung als weiteres Zeichen zu deuten, dass auch innerhalb der Gewerkschaft die Diskussion über die Zukunft der Partei längst angekommen ist.
Deutlicher war das zuletzt bei Josef Muchitsch, wie die „Krone“ berichtete: Bei einer internen Präsentation hob er hervor, dass SPÖ-Chef Andreas Babler „für viele nicht wählbar“ sei und forderte beim Punkt „Was ist zu tun?“ eine „personelle Neuausrichtung“.
Katzian hingegen hielt deutlich fest, dass er die Probleme der SPÖ nicht allein an der Person Babler festmache. Ein bloßer Austausch des Parteivorsitzenden würde die strukturellen Schwierigkeiten der Partei nicht automatisch lösen. Entscheidend sei vielmehr, verlorenes Vertrauen bei den Wählern zurückzugewinnen und politische Ergebnisse zu liefern ...
Personaldebatten nutzen nur FPÖ
Nur so könne man auch den Höhenflug der FPÖ stoppen. An deren Kurs übte der ÖGB-Chef naturgemäß scharfe Kritik. Die Freiheitlichen würden vor allem von der Unzufriedenheit vieler Menschen profitieren, ohne selbst tragfähige Lösungen anzubieten. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sei es Aufgabe der Politik, Sicherheit und Perspektiven zu schaffen.
Die SPÖ müsse daher verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen und konkrete Ergebnisse liefern, anstatt sich ausschließlich mit Personaldebatten zu beschäftigen. Nur so könne man dem Höhenflug der FPÖ nachhaltig etwas entgegensetzen.
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