Nach anonymen Missbrauchsvorwürfen, Polizeiermittlungen und einer Visitation durch den Vatikan soll im Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich endlich Ruhe einkehren. Pater Simeon Wester übernimmt als Administrator die Führung. Abt Maximilian Heim zog sich nach 16 Jahren an der Spitze zurück.
Hinter den dicken Klostermauern des weltberühmten Zisterzienserstifts im Wienerwald waren die vergangenen Monate alles andere als beschaulich. Anonyme Briefe, schwere Anschuldigungen, Ermittlungen der Kriminalpolizei und schließlich sogar eine Untersuchung im Auftrag des Vatikans sorgten für Unruhe. Nun soll ein neuer Mann an der Spitze die Wogen glätten.
Die 84 wahlberechtigten Mönche entschieden sich am Donnerstag für Pater Simeon Wester (61) an ihrer Spitze. Streng genommen wird Wester allerdings nicht Abt, sondern zunächst Administrator des Stifts für drei Jahre. Der Heilige Stuhl hatte diese Übergangslösung gewünscht.
Wester ist im Kloster kein Unbekannter. Der gebürtige Deutsche war bereits Subprior und Prior in Heiligenkreuz, leitete später als Gründungsprior das Zisterzienserpriorat Neuzelle in Brandenburg und machte sich zudem als Kirchenmusiker einen Namen. Er war an der international erfolgreichen Gregorianik-CD „Chant – Music for Paradise“ beteiligt. Nun soll ausgerechnet der Chorleiter dafür sorgen, dass im Stift wieder alle Stimmen zusammenfinden.
Schwere Vorwürfe erschütterten das Stift
Denn zuletzt herrschte, wie berichtet, alles andere als Harmonie: Im Frühjahr 2025 tauchten anonyme Schreiben auf, die an mehrere Institutionen verschickt worden waren. Darin wurden gegen einen namentlich genannten Pater unter anderem Vorwürfe des Missbrauchs und einer Verletzung des Beichtgeheimnisses erhoben.
In weiteren Berichten war auch von Nötigung und Auseinandersetzungen rund um Postenbesetzungen die Rede. Das Stift wies die Anschuldigungen stets zurück und erstattete selbst Anzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung. Die Posse gipfelte in einer Visitation des Vatikans und dem Rücktritt von Heim.
Der Neue setzt auf Zusammenhalt
Pater Simeon Wester schlägt zum Amtsantritt versöhnliche Töne an. Als Musiker wisse er, dass die Stärke eines Orchesters im guten Miteinander liege, erklärte der neue Administrator nach seiner Wahl.
Das Bild könnte für Heiligenkreuz kaum passender sein. Nach anonymen Briefen, schweren Vorwürfen, Ermittlungen und dem Besuch der vatikanischen Kontrolleure muss der neue Klosterchef nun versuchen, aus vielen unterschiedlichen Stimmen wieder einen gemeinsamen Klang zu formen. Gläubige aus aller Welt hoffen darauf ...
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