„Neue Wege“ möglich?

US-Vermittler Witkoff und Kushner erstmals in Kiew

Außenpolitik
06.09.2026 18:55
Porträt von krone.at
Von krone.at

Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner erstmals Kiew besucht. Witkoff bezeichnete die Gespräche mit der ukrainischen Seite als „substanziell“. Er versprach die Gespräche „so lange fortzusetzen, wie es nötig ist“. 

Nach dem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj fügte Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, hinzu, er hoffe, dass die Gespräche „neue Wege“ zum Voranbringen eines Friedens eröffnen würden.

Witkoff und Kushner waren am Sonntag zum ersten Mal seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit nach Kiew gereist. Zuvor hatten sie in der russischen Hauptstadt Moskau Kreml-Chef Wladimir Putin getroffen. Dort waren die beiden Geschäftsleute bereits mehrfach zu Gesprächen über ein Ende des 2022 von Russland begonnenen Krieges.

(Bild: AP)

Selenskyj: Mehrere Gesprächsrunden
Selenskyj erklärte: „Wir sind daran interessiert, ein Ende des Krieges näherzubringen.“ Die Ukraine brauche Sicherheitsgarantien und eine würdige Nachkriegsordnung. Insgesamt waren die Erwartungen in Kiew wie in Moskau an die neuen Vermittlungsbemühungen der USA aber gering. Zu dem Treffen in Kiew reisten nach Angaben von Selenskyjs Stabschef Kyrylo Budanow auch die Sicherheitsberater der Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien an. „Wir erwarten eine Gesprächsrunde (mit den US-Gesandten) und dann wird eine weitere mit den europäischen nationalen Sicherheitsberatern folgen“, sagte Selenskyj am Sonntag in Kiew.

Witkoff und Kushner haben seit der Rückkehr von Trump ins Weiße Haus 2025 mehrmals Moskau besucht, waren für ihre Vermittlungsbemühungen aber noch nie in Kiew. Damit hatten sie bei Selenskyj für Unmut gesorgt. Im April kritisierte er, es sei respektlos, nach Moskau zu reisen und nicht nach Kiew zu kommen.

Trotzdem dürften auch die jüngsten Aufnahmen aus Moskau in Kiew nicht gut angekommen sein. Putin erklärte, dass Witkoff und Kushner inzwischen das Vertrauen der russischen Seite hätten. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit ihnen komfortabel“, sagte der Präsident. Witkoff sagte, die Treffen mit Putin gehörten für ihn zu den erinnerungswürdigsten überhaupt.

Wochenlange Vorbereitungen
Putin habe seine Einschätzung der Lage abgegeben, berichtete dessen außenpolitischer Berater Juri Uschakow. „Insbesondere wurden die tatsächlichen Erfolge der russischen Armee beim Vormarsch im Einsatzgebiet hervorgehoben“, sagte er. Allerdings geben Experten über die vermeintlichen und realen Fortschritte der Kriegsparteien im Frontgebiet unterschiedliche Einschätzungen ab. Immer wieder gibt es Zweifel, ob Putin von seinem Generalstab wahrheitsgemäß über die Lage informiert wird.

Zuvor waren Trumps Gesandte bei einem Treffen mit Putin in Moskau gewesen.
Zuvor waren Trumps Gesandte bei einem Treffen mit Putin in Moskau gewesen.(Bild: EPA/MIKHAIL METZEL / SPUTNIK / KREMLIN / POOL)

Anreise mit der Bahn aus Polen
Nach dem Treffen in Moskau flogen die US-Unterhändler zurück auf EU-Gebiet und landeten in Rzeszow in Ostpolen. Von dort nahmen sie wie andere ausländische Politiker den Zug für den Besuch in Kiew. Vorher hatte es Überlegungen über eine Anreise mit dem Flugzeug gegeben. Allerdings ruht der zivile Flugverkehr über der Ukraine seit Kriegsbeginn 2022. Selenskyj warf Russland vor, vor dem Besuch gezielt die Kiewer Flughäfen Schuljany und Boryspil beschossen zu haben, um die US-Vermittler abzuschrecken.

Trotzdem galten für die Dauer der Vermittlungsmission Zusagen beider Seiten, die Hauptstädte Moskau und Kiew nicht anzugreifen. In Kiew freuten sich viele Menschen, nach Tagen mit Luftalarm fast rund um die Uhr in der Nacht auf Sonntag wieder einmal durchzuschlafen.

An anderen Orten gab es indes Luftangriffe. In der frontnahen südukrainischen Großstadt Saporischschja wurden zwei Frauen durch russische Drohnen verletzt. Am Abend vorher hatte es drei Tote in der Stadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw gegeben. Ukrainische Drohnen verursachten einen Brand in der Raffinerie der russischen Stadt Rjasan südöstlich von Moskau. Auch das Gebiet Rostow im Süden wurde angegriffen.

Zeichen stehen auf Eskalation
In dem seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stehen die Zeichen derzeit auf Eskalation. An der Front gibt es kaum Bewegung, gleichzeitig haben beide Seiten ihren Luft- und Seekrieg intensiviert. Moskau setzt vermehrt auf Angriffe mit den besonders schwer abzuwehrenden ballistischen Raketen – auch in dem Wissen, dass es Kiew an Abwehrraketen mangelt. Die Ukraine hat ihre Angriffe vor allem mit Drohnen ins russische Hinterland stark ausgeweitet. Regelmäßig nimmt sie Raffinerien und Logistikzentren von Online-Versandhändlern ins Visier. Im Juli sind Beobachtern der Vereinten Nationen zufolge so viele Zivilisten ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht mehr in einem Monat.

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