Wo Wachs zu Licht und Handwerk zu Herzenssache wird: Im kleinen Waldviertler Mittelbergeramt haben Nathan und Lisa Streibl geheiratet – und führen gemeinsam eine der letzten Kerzenmanufakturen Österreichs!
,Möge die Flamme der Liebe bis dass der Tod euch scheidet in euren Herzen flackern und verzehrend brennen.“ Schöner hätte der Wunsch für Nathan und Lisa Streibl kaum passen können. Denn ihr gemeinsames Leben ist im wahrsten Sinne des Wortes in sanftes Licht getaucht. In Mittelbergeramt bei Gföhl, tief im Waldviertel, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und der Duft von Tannennadeln und jener von Wachs in der Luft liegt, haben sich die beiden vor kurzem das Jawort gegeben. Dort, wo sie seit Jahren Kerzen rollen, Dochte setzen und aus echtem Wachs kleine Lichtkunstwerke entstehen lassen.
Ein Leben am Docht
Nathan wuchs in diesem ganz besonderen „Kerzenhausen“ auf. Und wie viele junge Menschen wollte auch er hinaus, die Welt sehen, anderes kennenlernen. Doch je weiter er kam, desto stärker wurde die Sehnsucht nach dem vertrauten Licht. Mit 25 Jahren kehrte er zurück und übernahm den Familienbetrieb. Heute führt er ihn mit seiner Lisa weiter – mit einem klaren Bekenntnis zu Qualität, Zeitlosigkeit und dem persönlichen Kontakt zu den Menschen. „Wir ziehen alle hier an einem Docht“, sagt der Familienchef. Ein Satz, der mehr ist als ein Wortspiel. Denn in der kleinen Manufaktur hält eine Familie zusammen, was anderswo längst verloren gegangen ist: echtes Handwerk, Geduld und die Liebe zum Produkt.
Das Urlicht und die Zündkerze
Auch Vater Franz wacht weiter über das Lebenswerk. Er hat den Betrieb über Jahrzehnte durch Höhen und Tiefen begleitet, internationalen Handel aufgebaut, Veranstaltungen organisiert und aus „koch-kerzen“ eine österreichweit einzigartige Institution gemacht. Heute ist er weiterhin mit seiner Erfahrung zur Stelle. Und dann ist da Lisa – die liebevolle „Zündkerze“ der Familie. Seit 2023 bringt sie frischen Wind in die Manufaktur, kümmert sich um Marketing, Social Media, Kooperationen und vieles, was hinter den Kulissen notwendig ist. Mit Charme, Ehrgeiz und neuen Ideen sorgt sie dafür, dass das alte Handwerk nicht nur bewahrt, sondern auch in die Zukunft getragen wird.
Licht, das bleibt
Vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis dieser besonderen Kerzen: Sie werden nicht einfach hergestellt. Sie werden mit Zeit, Handarbeit und einem Stück Familiengeschichte geschaffen. Und während heute in vielen Kirchen und auf vielen Altären eine Kerze aus der Manufaktur Streibl flackert, erzählt jede kleine Flamme auch von einem alten Handwerk, das sich gegen das Vergessen stemmt. Von Nathan und Lisa. Von Franz und Mama Rita, einem besonderen Schutzengel! Von einem einsamen Gehöft mitten in der Waldidylle. Und von einer Liebe, die – wie eine gute Kerze – nur eines braucht, um weiterzubrennen: einen kleinen Funken, der niemals erlischt.
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