Hoffnungsrede in Emden

VW-Chef: „Wir sehen genau, was ihr hier leistet“

Wirtschaft
26.08.2026 15:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

VW-Chef Oliver Blume hat am Mittwoch das Werk in Emden besucht und mit der Belegschaft über den geplanten Sparkurs gesprochen. Manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter protestierten mit Schildern. „Blühende Zukunft oder lässt Blume uns hängen?“, war dort etwa zu lesen.

Die Arbeitskosten lägen in Emden mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europäischen Standorten, auch bei den Fabrikkosten seien andere Werke deutlich günstiger, sagte Blume in seiner Rede. Das Werk in Ostfriesland gilt als gefährdet, weil es noch keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gibt. Allerdings wiederholte Blume am Mittwoch ein weiteres Mal, Werksschließungen vermeiden zu wollen. Bisher gebe es keine Beschlüsse.

„Die Welt, auf deren Grundlage wir viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen haben, gibt es so nicht mehr“, sagte der Konzernchef. Es gebe Veränderungen und deshalb müsse die Lage neu bewertet werden. „(...) Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte. Mit Partnern. Mit Investoren. Mit neuen industriellen Lösungen“, sagte der 58-Jährige weiter. Laut „Bild“-Informationen könnte das Werk auf Rüstungsproduktion umgestellt werden und künftig etwa militärische Ausrüstung herstellen.

Volkswagen will künftig weniger Fahrzeuge produzieren und die Kosten senken.
Volkswagen will künftig weniger Fahrzeuge produzieren und die Kosten senken.(Bild: AFP/DAVID HECKER)
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Die Welt, auf deren Grundlage wir viele Entscheidungen der vergangenen Jahre getroffen haben, gibt es so nicht mehr. Die Lage muss neu bewertet werden.

VW-Chef Blume in Emden

„Ihr habt Kosten gesenkt, Abläufe verbessert und den vereinbarten Personalabbau planmäßig vorangebracht (...). Niemand stellt euren Einsatz infrage. Im Gegenteil: Wir sehen sehr genau, was ihr hier leistet“, richtete sich Blume zudem an die Beschäftigten. In dem Werk in Emden werden inzwischen ausschließlich E-Autos gebaut, ungefähr 7700 Menschen arbeiten dort. Der Standort gilt in Ostfriesland als der wichtigste industrielle Arbeitgeber.

Mit Flugzeug von Werk zu Werk
Insgesamt wird bei dem deutschen Autobauer derzeit um Zehntausende Jobs und vier Standorte gebangt. Zusätzlich zu Emden stehen auch Zwickau und Hannover sowie das Werk der Tochter Audi in Neckarsulm im Fokus. In Zwickau, wo aktuell etwa 8000 Menschen arbeiten, wird Blume ebenfalls noch am Mittwoch erwartet. Die Stimmung ist angespannt. In der Belegschaft sei die Verunsicherung groß, sagte Betriebsratschef Mario Albert. Die Menschen vor Ort bräuchten eine Perspektive.

Aufgrund des engen Terminplans haben Blume und seine Manager das Flugzeug genommen. Zwickau (Sachsen) ist ungefähr sechseinhalb Stunden vom norddeutschen Emden entfernt. In den kommenden Tagen wird der Vorstand auch planmäßig das Motorenwerk in Chemnitz und die Gläserne Manufaktur in Dresden besuchen. Das Vertrauen in Blume sei beschädigt, kritisierte Betriebsratschefin Daniela Cavallo beim Auftakt der Tour in Wolfsburg. „Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten.“

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