Die Linzer Oberbank steigerte den Gewinn im ersten Halbjahr um elf Prozent auf knapp 200 Millionen Euro – und möchte künftig im Nachbarland Ungarn wachsen. Denn das sei aus mehreren Gründen ein „hochattraktiver Markt“.
„Ungarn ist für uns ein hochattraktiver Markt“, sagt Martin Seiter, designierter Generaldirektor der Oberbank. Und zwar nicht nur wegen des deutlich Europa-freundlicheren neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar: Der Hotel- und Tourismusmarkt boome, PV-Anlagen werden stark gefördert und die EU plane Investitionen. Aus diesen Gründen rechnet die Oberbank – ihr Hauptgeschäft sind Firmenkunden – mit Wachstumschancen in Ungarn. Schon bisher hat die Linzer Regionalbank 13 Standorte im Nachbarland, einzelne davon sollen personell aufgestockt werden.
Firmen investieren, um Kosten zu senken
Ein Plus steht auch vor dem Gewinn im ersten Halbjahr 2026: Diesen steigerte die Oberbank um elf Prozent auf 199 Millionen Euro. Hauptverantwortlich dafür ist das Provisionsergebnis (+13,4 Prozent), also die Einnahmen aus Gebühren für Wertpapiergeschäfte und Co. Auch die Unternehmensbeteiligungen – die Oberbank hält wesentliche Anteile an zwei Banken sowie an der Voestalpine – legten zu. Das Zinsergebnis hingegen ist um 0,5 Prozent auf 312 Millionen Euro gesunken.
Gestiegen sind die Firmenkredite, um knapp fünf Prozent auf 18,6 Milliarden Euro. Denn, so Seiter, viele Unternehmen würden in Automatisierung und Digitalisierung investieren, um ihre Kosten zu senken – und dafür brauchen sie eben Kredite. Die schlechte Nachricht für den Standort: „Kapazitätsausweitungen in Österreich finanzieren wir kaum“, sagt Seiter.
Vier Filialen zusammengelegt
Die Oberbank hat aktuell rund 2100 Mitarbeiter und 161 Filialen – um vier weniger als noch vor einem Jahr. Je zwei Standorte in Wien und Tschechien wurden durch Zusammenlegungen geschlossen. Einen Ausblick für das restliche Geschäftsjahr will Seiter nicht geben – die geopolitischen Verwerfungen seien zu unsicher.
Aufsicht der EZB steht bevor
Das Eigenkapital der Bank stieg zum Halbjahr um 7,6 Prozent auf 4,493 Milliarden Euro. „Wir sind auch bei der Bilanzsumme mit 29,8 Milliarden Euro ganz klar im Plan“, vermerkte der designierte CEO und verwies auf einen Zuwachs von 3,4 Prozent. „Ab 30 Milliarden sind wir auch EZB-beaufsichtigt und wir erwarten, dass dieser Prozess im nächsten Jahr startet.“ Die Bank bereitet sich bereits seit fünf Jahren darauf vor.
Seiter selbst wird mit Jahreswechsel offiziell den Posten als Generaldirektor der Oberbank übernehmen und damit seinen Vorgänger Franz Gasselsberger ablösen. Letzterer räumt medial bereits das Feld – und überließ seinem Nachfolger die Präsentation des Bankenergebnisses.
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