Früh übt sich! Insgesamt 21 Mädchen und Burschen tauchten in Söll eine Woche lang in die Welt des Handwerks ein. Gemeinsam mit regionalen Betrieben setzten sie dabei ein außergewöhnliches Projekt um.
Was auf dem Gelände der Volksschule Söll entstand, ist weit mehr als ein Holzturm. Mit großer Begeisterung bauten neun junge Mädchen und zwölf junge Burschen gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben an einem Bauwerk mit gleich mehreren Ebenen, einer kleinen Wasserinstallation und einem Sonnensegel.
Die Projektleiterin Andrea Achrainer vom Verein Netzwerk Handwerk beschreibt begeistert, wie engagiert und motiviert die Kinder und Jugendlichen waren. „Selbst die Mittagspause ist ihnen schwergefallen. Sie wollten am liebsten gleich weiterarbeiten.“
Täglich um 9.15 Uhr begann für die jungen Handwerker der Arbeitstag. Begleitet wurden die Kinder vom Architekten Christian Dummer samt Architekturstudierenden. Sie achteten darauf, dass das Bauprojekt fachgerecht umgesetzt und alle Sicherheitsvorgaben eingehalten wurden.
Viele Fachbetriebe haben das Projekt unterstützt
Doch ohne Material und das Fachwissen regionaler Betriebe wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Wie schon bei zahlreichen Workshops des Vereins Netzwerk Handwerk zuvor wurde auch dieser von einer Vielzahl an Fachbetrieben aus dem Tiroler Unterland unterstützt. Von der Zimmerei und dem Installateur über die Raumausstattung bis hin zur Vergolderin lernten die Kinder unterschiedlichste Handwerksberufe aus erster Hand kennen.
Wenn Kinder früh das Handwerk kennenlernen, kann das Interesse an einer späteren Lehre im Holzbau geweckt werden.
Christian Koller, GF Holzbau-Koller
Hinter diesem Bauprojekt steckt allerdings weit mehr als nur die Errichtung eines Holzturms. Der Verein Netzwerk Handwerk hat sich seit dem Jahr 2017 das Ziel gesetzt, traditionelles und lokales Handwerk zu bewahren, es weiterzuentwickeln und zu vermitteln.
„Dieser Austausch reichte bis zu den Eltern!“
Dazu gehört auch, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. „Einfach dieses ausüben und mit den Händen fördern“, beschreibt Andrea Achrainer die Idee der Initiative. Ein gemeinsames Bauprojekt wie dieses ermögliche einen Austausch, erklärt sie. Die Kinder und Jugendlichen konnten direkt mit den Fachleuten ins Gespräch kommen und erfuhren von ihnen mehr über die Ausbildung, den Berufsalltag sowie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Berufe.
Die Kinder und Jugendlichen haben erlebt, wie unterschiedliche Gewerbe zusammenspielen müssen, damit am Ende etwas entstehen kann.
Andrea Achrainer, Projektleiterin
„Dieser Austausch reichte bis zu den Eltern. Eine Mutter hat mir beispielsweise erzählt, dass sie gar nicht wusste, dass Raumausstatter und Vergolderin eigene Berufe seien“, berichtet Andrea Achrainer. Durch diesen direkten Kontakt bekommen die jungen Menschen ein Gefühl dafür, wie wichtig Handwerk im Alltag sei.
Das zeigte sich auch am Bauprojekt selbst: Für den Entwurf braucht es einen Planer, für die Konstruktion den Zimmerer, für das Sonnensegel den Raumausstatter und für die Wasserleitungen einen Installateur.
„Nicht anders ist es beispielsweise beim Hausbau“, erklärt Achrainer, „die Kinder und Jugendlichen haben erlebt, wie unterschiedliche Gewerbe zusammenspielen müssen, damit am Ende etwas entstehen kann“. Gleichzeitig entwickelten sie dadurch auch ein besseres Verständnis für die Bedeutung des Handwerks.
Dass den Kindern und Jugendlichen frühzeitig die Vielfalt an Berufen gezeigt und Handwerk vermittelt werden muss, sieht auch die Zimmerei Koller aus Söll so. Geschäftsführer Christian Koller betont im Gespräch mit der „Tiroler Krone“: „Es ist wichtig, den Kindern den Werkstoff Holz näherzubringen und ihnen das Handwerk zu zeigen. Immerhin sind sie unsere zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch Kunden“.
Gleichzeitig sieht Koller darin die Chance, junge Menschen für eine spätere Ausbildung im Holzbau begeistern zu können. „Wenn man bereits Kindern und Jugendlichen die Arbeit näherbringt, kann daraus vielleicht auch eine Lehre im Holzbau entstehen“, erklärt er „darüber hinaus ist es selbstverständlich auch sehr schön zu sehen, wie die Kinder Spaß am Arbeiten haben“.
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