13.02.2006 16:58 |

Essstörungen

Besessen vom (nicht) Essen

Essen bedeutet im Idealfall die Sättigung von Hungergefühlen durch eine wertvolle, schmackhafte, abwechslungsreiche Kost. In unserer Gesellschaft und bei dem großen Angebot an Nahrung isst man aber nur mehr selten tatsächlich aus Hunger, sondern meist aus Appetit. Oder man lässt es ganz bleiben. Essstörungen sind vielfältig.

Unsere gegenwärtige Situation lässt einen durchaus paradoxen Charakter erkennen. Es besteht ein normatives Schönheitsideal im Bereich des beginnenden Untergewichtes, das vor allem Frauen zu einer freiwillig verknappten Nahrungsaufnahme motiviert. Schlankheit steht heute für Leistungsfähigkeit, Attraktivität, Glück und Disziplin. Viele Menschen empfinden sich als zu dick, obwohl sie normalgewichtig sind und viele Menschen wollen aus rein ästhetischen Gründen Gewicht abnehmen. Andere sind schon viel zu dünn und finden sich immer noch zu dick.

Dabei bestehen große Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. Frauen eifern in höherem Ausmaß Schönheitsidealen nach. Sie sind unzufriedener mit ihrem Gewicht und schätzen es auch immer höher ein, als es tatsächlich ist. Diese Unzufriedenheit, die Überbetonung von Schlankheit und die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft sind Risikofaktoren für die Entstehung von Essstörungen. 

Wenn Essen zum Problem wird
Die Unzufriedenheit mit dem Körpergewicht beginnt bereits im Jugendalter. Obwohl Gewicht und Aussehen unterschiedliche Dinge sind, werden diese Begriffe von Mädchen und Frauen fast synonym verwendet.

Da es sich beim Essen und Nichtessen nur um Ersatzlösungen oder Ersatzbefriedigungen handelt, kommt der Betroffene auch nicht zur Ruhe. Mit Fortdauer der Störung wird es immer schwieriger, den einmal eingeschlagenen Weg wieder zu verlassen. Viele der Verhaltensweisen Essgestörter könnte man als „Anleitung zum Unglücklichsein“ verstehen.

Was heißt gestörtes Essverhalten?
Erste Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten liegen vor, wenn eine übertriebene Beschäftigung mit der Nahrung und ständige Gedanken an das Essen bzw. Nichtessen bestehen. Weiters wird Nahrung oder der Verzicht auf Nahrung dazu benutzt, Gefühle zu unterdrücken oder Konflikte zu vermeiden. Essstörungen können aber auch eine Antwort auf Überforderung, Leere, Angst vor Nähe oder sogar Ärger sein. 

Als Ursache für die Zunahme von Essstörungen spielen vermutlich mehrere Faktoren eine Rolle. Neben biologischen Veränderungen und psychischen Aspekten kommt dem Wandel der Stellung der Frau in der Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Phänomene wie das Hungern in einer Umgebung des Überflusses oder das Essen bis zum Erbrechen können nur in einer Wohlstandsgesellschaft entstehen, als Ausdruck individueller und interpersoneller Probleme – als Symbol eines Protestes gegenüber den gesellschaftlichen Bedingungen. 

Angst vor dem Essen schadet
Gesundheitsschäden, die aus Diätwahn und Verboten resultieren, sind wahrscheinlich größer als die, die durch Essen nach Lust und Laune entstehen. Warum soll ein Mensch, der sich mit seinem Gewicht wohl fühlt, einen normalen Cholesterinspiegel und auch sonst normale Werte aufweist, auf Schmalzbrot, Eier, Sachertorte und Salz verzichten? Zu viel ist ungesund, das steht fest, aber das gilt genauso für die übertriebene Angst vorm Essen.

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Niemand
- denkt so viel an Essen, wie der, der hungert;
- klagt so viel über Essprobleme, wie der, der Diät hält;
- hat so viel Angst vor Gewichtszunahme, wie der, der Gewicht     abgenommen hat;
- ist mehr gefährdet, die Kontrolle über das Essverhalten zu verlieren, wie der, der fastet.

 

Sonntag, 20. Juni 2021
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