Keine Abwehr mehr

Mitten im Sommer: Wälder werden herbstlich bunt

Steiermark
10.08.2026 17:00

Das gab es in dieser Ausprägung noch nie in der Steiermark: Viele Bäume sehen jetzt schon teils aus wie im Oktober, zahlreiche sind überhaupt vertrocknet. Umwelt-Experten sind alarmiert.

Johannes Gepp, Steiermarks oberster Naturschützer, hat in den Jahrzehnten seiner Tätigkeit schon fast alles gesehen. „Aber so war’s noch nie“, sagt er. „Nehmen wir die Birke: Dass einzelne, die exponiert auf Felsen stehen, vorzeitig gelbe Blätter bekommen, das war immer so.“ Aber: „Heuer sind es ganze Bereiche, die sich verfärbt haben. Oder abgestorben sind.“

Viele der neu gepflanzten Bäume auf Ausgleichsflächen zur S7 sind vertrocknet
Viele der neu gepflanzten Bäume auf Ausgleichsflächen zur S7 sind vertrocknet(Bild: Jürgen Fuchs)

Auch in steirischen Wäldern tun sich regional jetzt bereits farbige Flecken und Flächen auf, „viel zu früh natürlich, das sind kränkliche Verfärbungen“, urteilt Gepp. „Wir haben noch nicht einmal Mitte August, und da sehen Teilstücke aus wie im Oktober.“ Die Ebereschen wirkten dabei fast „fröhlich“ – sie sind oft geradezu übersät mit roten Früchten, tragen viel mehr davon als in einem Durchschnittsjahr. „Das nennt man dann Mastjahr“, klärt der Fachmann auf. „Aufgrund von Stress wird nachproduziert, was geht. Aber: So ein Mastjahr sollte es nur alle paar Jahre geben. Und jetzt ist bald jedes Jahr ein so üppiges.“

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Dieses Herbst im Sommer-Phänomen ist heuer neu, erstaunt die Wisschenschaft und verursacht auch hohe Schäden.

Johannes Gepp, Präsident Naturschutzbund

Auch die Kirschbaumblätter werden vielerorts gelb – kurz bevor sie ins Rot gehen und dann, ebenfalls viel zu früh, abfallen.

Was bei Föhren noch dazukommen kann: „Durch den patzigen Schnee spät im Winter sind viele schwere Äste abgebrochen – die jetzt braun am Stamm hängen.“

Auch die Wissenschaft stehe nun vor Herausforderungen: „Bei der Birke etwa, die jetzt alle Blätter verliert, ist die Frage: Treibt sie neu aus? Ruht sie bis zum nächsten Jahr? Oder stirbt sie?“

Tote Bäume an der S7 und in Graz

Auch der finanzielle Schaden ist hoch: „Allein in Graz wurden viele Bäume gepflanzt, auch zum Beispiel an der S 7 auf Ausgleichsflächen. Unzählige davon sind unrettbar vertrocknet, gerade bei neuen Bäumen, deren Wurzelwerk noch nicht so ausgeprägt ist. Das kostet richtig viel Geld.“

Gepps Resümee: „Die Bäume und Wälder waren sehr lange resilient gegenüber dem Klimawandel. Aber durch diese Verfärbungen und die erhöhte Waldbrandgefahr merkt man, dass diese Abwehr schwach wird.“

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