Lange Bauverfahren und immer restriktivere Baunormen tragen zur Preisexplosion am Wohnungsmarkt bei. In Niederösterreich packen die Gemeinnützigen Bauvereinigungen das Problem an einer der Wurzeln an. Landesobmann Christian Rädler: „Wir wollen zeigen, dass man auch mit weniger Normen ein gutes Haus bauen kann.“
Der Wohnbau in Niederösterreich kommt nicht so recht in Schwung. Schuld sind nicht nur die vielfältigen Krisen der letzten Jahre von Corona und überbordender Inflation bis hin zu Kriegen samt dadurch verursachten Preisexplosionen. Die wirtschaftliche Bremswirkung ist – vor allem beim großvolumigen Wohnbau – mitunter hausgemacht.
Bauordnung als Meilenstein
Dabei wären die Vorzeichen gar nicht schlecht. „Die Reform der Bauordnung in Niederösterreich mit vielen Vereinfachungen ist ein Meilenstein“, bestätigt Christian Rädler. Doch der Landesobmann der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) kennt auch die Hemmschuhe, die trotzdem noch zuhauf auf dem Weg vom Bauplan bis zur fertigen Wohnhausanlage liegen.
Bezahlen müssen die Mieter
So ziehen sich Bauverfahren oft jahrelang hin. „Die durchschnittliche Dauer liegt bei rund zwei Jahren“, spricht Rädler aus Erfahrung: „Immerhin hat man es als Bauherr in Niederösterreich mit 573 Bauämtern zu tun.“ Vor allem in kleineren Landgemeinden mache sich oft die fehlende Routine bei der Abwicklung größerer Bauverfahren bemerkbar. Für noch mehr Verzögerungen sorgen Einsprüche – und die sind im weiten Land regional höchst unterschiedlich verteilt. Rädler: „Im Wiener Umland gehen mehr als die Hälfte aller Bauverfahren den Instanzenweg. Das geht sich dann mit zwei Jahren kaum mehr aus.“ Und am Bau gilt: Zeit ist Geld. Bezahlen müssen die Verzögerungen die späteren Mieter.
Die Vereinfachung der Bauordnung wird durch immer mehr Normen konterkariert.

Christian Rädler, Landesobmann GBV
Bild: Andreas-Hofer-Photography.at
Normen, Normen, Normen
Bremse Nummer 2 sind die vielen Normen. „Allein rund 5000 betreffen die Bauwirtschaft. Das reicht von der Kühlung über die Sicherheit bis zum Lärmschutz“, erklärt Rädler: „Die Vereinfachung der Bauordnung wird durch immer mehr Normen konterkariert.“ Und das Prinzip der ständigen Verbesserung führe auch zu ständiger Verteuerung. „Aber muss es gerade im sozialen Wohnbau immer der Mercedes sein?“, fragt der Wohnbauexperte.
Musterhaus konzipieren
Beim GBV in Niederösterreich will man jetzt ein Exempel statuieren, das bundesweit ausstrahlen soll. „Wir konzipieren bis Ende des Jahres ein Musterhaus, bei dem Normen, die nicht sicherheitsrelevant sind, bewusst unterschritten werden“, kündigt Rädler an. So könne etwa beim Lärmschutz gespart werden. „Wir wollen zeigen, dass man auch mit weniger Normen ein gutes Haus bauen kann.“ Einen Namen gibt es schon für das Low-Budget-Haus: Typ Niederösterreich.
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