„Führt am Kern vorbei“

Ikone Kahn kritisiert Deutschlands Trainerdebatte

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Von Kärntner Krone

Die Kritik am deutschen Nationalteam ist nach dem WM-Aus im Elferschießen gegen Paraguay groß, vor allem an Trainer Julian Nagelsmann. Wiederholt wurde sein Rücktritt gefordert. Von Tormann-Legende Oliver Kahn gibt es Rückendeckung: „Die Debatte über den nächsten Bundestrainer führt am Kern vorbei!“ Der 57-Jährige ortet ein anderes Problem.

Der Schock nach dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay sitzt den Deutschen immer noch tief in den Knochen. Kaum jemand hätte mit dem überraschenden Aus im Elfmeterschießen nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit gerechnet – am Ende versagten Jonathan Tah am Elfmeterpunkt die Nerven, der Innenverteidiger schoss beim entscheidenden Versuch über das Gehäuse.

Für Oliver Kahn führt die Debatte um Bundestrainer Julian Nagelsmann am Kern vorbei.
Für Oliver Kahn führt die Debatte um Bundestrainer Julian Nagelsmann am Kern vorbei.(Bild: AFP/ALEXANDER HASSENSTEIN)

„Ursache liegt tiefer!“
Doch ausgerechnet Oliver Kahn nimmt jetzt Bundestrainer Julian Nagelsmann in Schutz und meint in einem Post auf „LinkedIn“: „Die Debatte über den nächsten Bundestrainer führt am Kern vorbei. Drei Bundestrainer sind am selben Punkt gescheitert: Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann. Drei unterschiedliche Spielideen. Drei unterschiedliche Führungsstile. Derselbe Ausgang: Bei der WM 2018 und 2022 in der Gruppenphase, jetzt im Sechzehntelfinale gegen Paraguay“ Und legt noch eines drauf: „Wenn drei Trainer mit unterschiedlichen Ansätzen immer am selben Punkt scheitern, liegt die Ursache tiefer.“

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Wenn mit Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Naglesmann drei Trainer mit unterschiedlichen Ansätzen immer am selben Punkt scheitern, liegt die Ursache tiefer.

DFB-Ikone Oliver KAHN

Bezeichnende Szene
Die Szenen vor dem Elfmeterschießen sind für Ex-Goalie-Star Oliver Kahn bezeichnend für die Probleme im deutschen Fußball. „Als das Elfmeterschießen in die Verlängerung ging, sah man, wie Joshua Kimmich nach Schützen suchte. Für mich war das der aufschlussreichste Moment dieses Ausscheidens. Eine Spitzenmannschaft sucht in diesem Augenblick keine Freiwilligen. Sie hat Spieler, die den Ball verlangen“, betont der Ex-Bayern-Tormann.

Keine kurzfristige Entwicklung
Laut Kahn sei das aber keine kurzfristige Entwicklung: „Die Fähigkeit, unter größtem Druck handlungsfähig zu bleiben, ist kein Zufall. Sie wird über Jahre entwickelt. Wer als junger Spieler immer wieder lernt, schwierige Entscheidungen zu treffen, Fehler auszuhalten und trotzdem den nächsten Ball zu fordern, entwickelt genau das, was große Turniere entscheidet. Wer das nie gelernt hat, wird es im Nationaltrikot nicht plötzlich beherrschen.“

„Kein Talentproblem“
Deutschland habe „kein Talentproblem“, es fehle „die Selbstverständlichkeit, im größten Moment Verantwortung zu übernehmen“, schreibt der 86-fache Teamspieler Deutschlands. Der entscheidende Moment beginne dabei nicht im Nationaltrikot. „Er beginnt viele Jahre früher, in dem Augenblick, in dem ein junger Spieler lernt, dass Verantwortung nichts ist, was man weitergibt, sondern etwas, das man übernimmt. Talent bringt dich zur Weltmeisterschaft. Verantwortung entscheidet, wie lange du dort bleibst.“

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