Fußball-WM-Aus, aber:

Warum Deutschland weiter vom Sommermärchen träumt

Sport-Mix
01.07.2026 21:21

Zwei Tage nach dem Aus der deutschen Fußball-Nationalelf leckt man in unserem Nachbarland noch seine Wunden. Doch es naht ein Silberstreif am Horizont. Denn ab Mitte August steigt in Aachen die Weltmeisterschaft des Reitsports – und wenn nichts schiefgeht, darf Deutschland hier durchaus von seinem Sommermärchen träumen. 

„Stopp! Packt eure Deutschland-Flaggen noch nicht weg, der Traum vom deutschen Sommermärchen ist noch nicht ausgeträumt!“, hieß es auf der offiziellen Facebook-Seite der Reit-WM. Denn der Katzenjammer nach dem Aus der DFB-Mannschaft gegen Paraguay war kaum zu überhören. 

„Im Reiten sind wir auch tausendmal besser als im Fußball“
Doch wie es ein User richtig ausdrückte: „Im Reiten sind wir auch tausendmal besser als im Fußball.“ Ein Blick auf die Statistik bestätigt dies. Seit den ersten Weltreiterspielen 1990 in Stockholm sind die Deutschen kaum zu schlagen, besonders das Mannschafts-Gold im Dressurreiten hat man mehr oder weniger gepachtet. Lediglich 2010 in Kentucky (USA) und 2022 im dänischen Herning gab es „nur“ Bronze für die Dressur-Equipe.

Legende Isabell Werth als Aushängeschild
Mit Isabell Werth hat Deutschland zudem eine wahre Legende des Sports am Start, die 56-Jährige hat nicht nur alleine 12 WM-Medaillen (davon neun in Gold), sondern zählt auch zu den erfolgreichsten Olympioniken der Sportgeschichte (14 Medaillen, acht in Gold). Mit ihrem aktuellen Top-Pferd „Wendy de Fontaine“ holte sie in Paris die Silbermedaille im Einzel und Gold mit der Mannschaft. Ob die Stute oder doch der Wallach „DSP Quantaz“ zum Einsatz kommen, wird noch entschieden. 

Vierfache Olympiasiegerin kommt nicht
Verzichten müssen die Deutschen allerdings auf die vierfache Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl. Nach der Pensionierung ihres Top-Pferdes, der Trakehnerstute „Dalera BB“, zog die Bayerin ihre Teilnahme an der WM-Sichtung zurück. Ihr aktuelles Pferd „Times Kismet“ sei noch nicht so weit, die Weltmeisterschaft komme für die erst elf Jahre alte Stute zu früh. 

Auch Springreiter mit guten Medaillenchancen
Gute Medaillenchancen haben heuer auch die deutschen Springreiter. Bundestrainer Otto Becker setzt mit Daniel Deußer und André Thieme auf championatserfahrene Reiter. Sophie Hinners braucht sich allerdings mit ihren 28 Jahren keinesfalls zu verstecken, neben einer Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Spanien im vergangenen Jahr hat sie schon bei großen Turnieren auf der ganzen Welt aufgezeigt. Hinners Lebensgefährte, Europameister Richard Vogel sitzt dafür auf „United Touch S“, der Hengst gilt für viele Beobachter als eines der aktuell besten Springpferde der Welt. 

Richard Vogel und „United Touch S“ holten bereits Gold bei der EM.
Richard Vogel und „United Touch S“ holten bereits Gold bei der EM.(Bild: AFP/APA/Pierre-Philippe MARCOU)

In der Vielseitigkeit gehen unsere Lieblingsnachbarn ebenfalls mit einem starken Team an den Start. Auf der Long List stehen Rekord-Sieger Michael Jung mit seinem Goldmedaillen-Partner von Paris, „Chipmunk“ ebenso wie die Tokio-Olympiasiegerin Julia Krajewski mit „Nickel“. Das Paar holte sich gerade erst die deutsche Meisterschaft in der Vielseitigkeit. 

Briten und Belgier stark
Also – Grund genug für die Deutschen, nicht ganz zu verzweifeln. Aber die Konkurrenz schläft freilich nicht. In der Dressur könnten Großbritannien, die Niederlande und neuerdings auch Belgien gefährlich werden. Letztere allerdings mehr in der Einzelwertung, denn der neue Stern am Dressurhimmel heißt aktuell „Zonik Plus“ und wird geritten von Justin Verboomen. Das Duo holte nicht nur Doppel-Gold bei der EM vergangenes Jahr, auch den großen Preis von Aachen gewannen die beiden schon. Die Briten haben mit Charlotte Fry ein heißes Eisen im Feuer, der schwarze Hengst „Glamourdale“ ist ein echter Hingucker. 

Isabell Werth: Hat eigentlich irgendjemand mehr Medaillen als sie?
Isabell Werth: Hat eigentlich irgendjemand mehr Medaillen als sie?(Bild: AFP/APA/PIERRE-PHILIPPE MARCOU)

Auch im Springen sind Briten und Belgier heiße Anwärter auf Medaillen, bei der EM in La Coruna 2025 gab es Silber und Gold. Der Brite Scott Brash hat mit „Hello Folie“ das weibliche Pendant zu Richard Vogels Hengst unterm Sattel, die Stute ist blitzschnell im Parcours. Aber auch das US-Team wird ein Wörtchen mitreden in Aachen. Kent Farrington führt aktuell die Weltrangliste der Springreiter an. 

In der Vielseitigkeit dürfte die britische Mannschaft als Team kaum zu schlagen sein. Top-Reiterin Rosalind Canter gewann mit ihrem „Lordships Graffalo“ gleich dreimal die schwerste Vielseitigkeitsprüfung der Welt in Badminton, holte Goldmedaillen bei Olympia, EM und WM und es ist zu erwarten, dass sie auch in Aachen wieder zuschlagen wird. Aber gerade in der Königsdisziplin des Reitsports, wo drei Prüfungen (Dressur, Geländeritt, Springen) zu absolvieren sind, kann immer einiges passieren. 

Rot-weiß-rote Reiter für Überraschungen gut
Und was ist eigentlich mit unseren heimischen Reitern? Verstecken brauchen die sich nicht. Die Vielseitigkeitsreiter holten erst vergangenes Wochenende Platz drei beim Nationenpreis im polnischen Strzegom. Und bei den Springreitern könnten Max Kühner oder auch Katharina Rhomberg dafür sorgen, dass das deutsche Sommermärchen zumindest einen rot-weiß-roten Farbtupfer abbekommt. Am 11. August geht’s los in Aachen, dann heißt es Daumen drücken!

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