Mi, 22. August 2018

Smarter Franzose

18.09.2014 15:50

Renault Twingo: Spaß drin, Antrieb hinten

Als der Renault Twingo 1992 herauskam, war er anders als die anderen. Lustig-freches Frosch-Gschau, zur Liegewiese umklappbares Gestühl und jede Menge Farbe. Nach einem Identitätsdurchhänger mit Generation 2 ist der neue Twingo der 3. Generation endlich wieder anders, allerdings anders. Also anders als der Stammvater anders war.

Vor allem das Grundlayout ist bemerkenswert: Motor und Antrieb befinden sich an der Hinterachse, wie weiland beim VW Käfer (und heute noch beim Porsche 911), obwohl der Twingo eher in der Ahnenfolge von R4 und R5 steht. An diesen erinnert er in der Seitenansicht etwas, dank des schräg abfallenden Hecks, und die V6-Version fällt einem wegen der Lüftungsgitter ein. Die Sitzposition ist leicht erhöht.

Der Ansatz ist prinzipiell sportlich, was schon länger Gerüchte nährt, dass Renault eine R.S.-Version bringen könnte. Das haben die Franzosen nun auch endlich bestätigt, verheimlichen allerdings vorerst Einführungszeitpunkt und Motorleistung. Versprochen ist aber, dass beim Sportler das ESP abschaltbar sein wird, man wird den Hecktriebler also wohl seiner Bestimmung als Driftfahrzeug zuführen können.

Sein Revier ist die Stadt – und das Möbelhaus
Vorerst ist nicht der Driftkurs, sondern die Stadt die Heimat des Renault Twingo. Es geht nicht um Zeiten und Platzierungen, sondern ums Durchwuseln im Stau und das blitzschnelle Parklückenfinden samt Hineinrangieren. Sein Konzept macht den Kleinen zum idealen Stadtwiesel, weil es den sensationellen Wendekreis von 8,60 m ermöglicht. Gefühlt kann man auf einem Bierdeckel umdrehen. Wenn man glaubt, es geht sich nicht aus – einfach weiter einschlagen und weiterfahren. In der Regel kommt man rum. Unbezahlbar, man muss das erlebt haben.

"Schicker, smarter, besser" war das Ziel, nicht nur weil der Twingo der französische Entwicklungsbruder von Daimlers Smart Forfour ist (der Smart Fortwo bleibt übrigens exklusiv bei Daimler). Sondern weil der Renault Twingo in jeder Hinsicht intelligent werden sollte.

Auf den ersten Blick kostet es Platz, dass der Motor hinten sitzt, bei genauerem Hinsehen zeigt sich aber das Gegenteil: Dieser Twingo ist um zehn Zentimeter kürzer als sein Vorgänger, bietet aber einen um 33 Zentimeter längeren Innenraum. Vorne sitzt man großzügig und bequem, auch hinten ist mehr Platz als anderswo in der Klasse. In den recht hoch liegenden Kofferraum passen 188 bis 219 Liter Gepäck oder Einkäufe, nach dem Umklappen der Rücksitzlehnen lassen sich 980 Liter auf der ebene Ladefläche stapeln. Der Clou ist aber der serienmäßig umlegbare Beifahrersitz, der das Verladen von bis zu 2,31 Meter langen Möbelpaketen ermöglicht.

Vorne befindet sich übrigens weder Motor noch Stauraum. Unter der sich durch Weggleiten öffnenden Fronthaube liegt der Service-Bereich für Wischwaschwasser, Kühlwasser etc., außerdem Crashelemente und Platz, der für den Fußgängerschutz benötigt wird.

Zwei Dreizylinder zur Wahl
Unter der verschraubten Metallplatte im Heck arbeitet auf jeden Fall einer von zwei Dreizylindern, geschaltet wird manuell per Fünfganggetriebe (Sechsgang-Doppelkupplung kommt im Frühjahr). Der 898 cm³ große leistet mit seinem Turbolader 90 PS und pusht die 943 kg (ohne Fahrer) in 10,8 Sekunden von 0 auf 100. Er passt ideal zum Twingo, auch weil das Fahrwerk in dem Fall ein wenig schärfer ist. Der Franzose liegt damit verhältnismäßig präzise und lädt zum Kurvenräubern ein.

Wer nur in der Stadt unterwegs ist und es gern komfortabler hat, kommt auch mit den 70 PS des 999-cm³-Saugmotors aus. Ein Freudenspender ist der aber nicht. Da der Turbo aber nur mit Topausstattung ausgeliefert wird, kann die Motorwahl auch zur Preisfrage werden. Immerhin liegt der Einstiegspreis für den Renault Twingo bei 9.990 Euro, mit der starken Maschine werden (wegen der Intens-Ausstattung) mindestens 13.290 Euro fällig. Der tatsächliche Preisunterschied zwischen 70 und 90 PS beträgt akzeptable 900 Euro.

Die Basis zu wählen ist aber nicht nur wegen des etwas zähen Motors nur der halbe Spaß, denn eine Klimaanlage ist erst ab dem mittleren Ausstattungsniveau "Zen" Serie. Außerdem ist immerhin das Infotainment-System R & GO dabei: Das 2x25-Watt-System hat eine zentrale Klemmhalterung fürs Smartphone und macht daraus Soundsystem, Navi, Drehzahlmesser etc. Eine wirklich gute Navigationslösung kostet aber generell extra. Für das Techno-Paket mit "R-Link" und Rückfahrkamera werden knapp 1.000 Euro fällig.

Natürlich lässt sich der Twingo mit allerlei Farben und nie dagewesenem Schnickschnack aufdonnern. Sehr empfehlenswert: das Faltschiebedach. Ein Berganfahrassistent ist immer an Bord, die Topversion hat auch einen akustischen Spurverlassenswarner. Ein City-Notbremssystem gibt es vorerst nicht.

Unterm Strich
Anders, nicht nur um des Andersseins willen, sondern kreativ und durchdacht – der Renault Twingo ist smart, ohne Smart zu heißen. Und die Franzosen beteuern, sie haben in Sachen Qualität viel vom Kooperationspartner Daimler gelernt. Der Kleine macht Spaß und dank farbenfreudigen Gestaltungsmöglichkeiten innen und außen auch gute Laune. Nur als Notschlafplatz war der allererste Twingo besser geeignet.

Warum?

  • Für die Größe sehr geräumig
  • Mit Topmotor in Maßen sportlich

Warum nicht?

  • Introvertierte Typen werden sich nicht sehr wohl fühlen

Oder vielleicht …

… auf den Konstruktionsbruder Smart warten – oder auf die Sport-Version

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