Die gebürtige Telferin Alexandra Hilkenmeier sprach mit der „Tiroler Krone“ über ihr neues Buch, über gesellschaftlichen Druck und Verantwortung.
„Krone“: Als langjährige Ehrenamtliche und studierte Afrikawissenschaftlerin haben Sie sich intensiv mit dem Thema Ehrenamt beschäftigt. Was hat ursprünglich Ihr Interesse daran geweckt?
Alexandra Hilkenmeier: Ehrenamtliches Engagement wird oft innerhalb der Familie an die nächste Generation weitergegeben. So war es auch bei mir. Ehrenamtlich tätig zu sein, gehörte schon von meiner Kindheit an zu meinem Leben. Unter anderem bei der Katholischen Jungschar, beim Alpenverein, beim Österreichischen Jugendrotkreuz, bei der Bundesjugendvertretung und auch bei einem Freiwilligendienst in Ghana.
Sie sind gebürtige Tirolerin und studieren derzeit in Wien. Besuchen Sie Ihre Heimat noch oft?
Tirol ist für mich nach wie vor sehr wichtig. Durch meine ehrenamtlichen Verwurzelungen bin ich auch immer noch, wenn es sich ausgeht, bei Einsätzen in Tirol dabei. Es wird zwar immer schwieriger, aber ich nehme jede Möglichkeit gerne wahr.
Es zeigt, was uns wichtig ist, wo wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, und wo unser System ohne freiwilliges Engagement ins Wanken geraten könnte.
Alexandra Hilkenmeier
Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Werte oder Themen, die durch ehrenamtliches Engagement reflektiert werden?
Ehrenamt ist, wie so vieles, ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es zeigt, was uns wichtig ist, wo wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, und wo unser System ohne freiwilliges Engagement ins Wanken geraten könnte.
Welche Herausforderungen sehen Sie für Ehrenamtliche heutzutage?
Was man ganz stark erkennen kann, ist, dass sich das Ehrenamt verändert. Heutzutage sind die Leute weniger bereit, sich langfristig zu verpflichten. Daher muss man auch als anbietende Organisation des Ehrenamtes viel flexibler sein und beispielsweise Kurzzeiteinsätze anbieten. Denn es gibt auch Menschen, die sich zwar gerne einbringen würden, es aber nicht können, weil die Rahmenbedingungen dafür nicht passen.
Wie sehen Sie die Balance zwischen freiwilligem Engagement und gesellschaftlichem Druck?
Wir sprechen über das Ehrenamt oft so, als wäre es selbstverständlich und immer freiwillig. Doch die Realität ist komplexer. Manche Menschen fühlen sich verpflichtet – nicht, weil sie unbedingt wollen, sondern weil es erwartet wird. Andere füllen Lücken, die der Staat offenlässt – sei es in der Pflege, in der Kinderbetreuung oder in der Sozialarbeit.
Wie schätzen Sie die Rolle des Ehrenamtes in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern ein?
In Österreich hat Ehrenamt einen sehr hohen Stellenwert – in manchen Bereichen verlassen wir uns regelrecht darauf. International wird Freiwilligkeit ganz unterschiedlich geregelt. In Skandinavien oder Großbritannien beispielsweise sind viele Bereiche, die in Österreich stark auf freiwilliger Arbeit beruhen, staatlich organisiert und bezahlt. Und in Ghana zieht es die Leute zum Ehrenamt, um in erster Linie ihr eigenes Glück weiterzugeben.
Gibt es etwas, das Sie den Lesern Ihres Buches mit auf den Weg geben möchten?
Wenn die Leser durch das Buch die Vielseitigkeit und Bedeutung des Ehrenamtes mit all seinen Widersprüchen erkennen, verstehen, wie es funktioniert und was es für unsere gesellschaftliche Zukunft bedeutet, dann ist das ein guter Ansatz.
Interview: Recka Hammann, Kronen Zeitung
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