Streaming-Kritik

Netflix-Doku „Poldi“: „Bekloppt“ und bejubelt

Unterhaltung
04.06.2026 05:00

Zu seinem 41. Geburtstag erscheint heute auf Netflix Lukas Podolskis Doku „Poldi“. Wer auf tiefe Einblicke in das wahre Leben des Kultstürmers hofft, wird aber enttäuscht werden.

Recht früh macht das ehemalige deutsche Stürmer-Ass Lukas Podolski in seiner eigenen Doku „Poldi“ (ab heute auf Netflix) fest: „Die meisten Dokus zeigen zu 80 Prozent den Fußballer und zu 20 Prozent Privates – ich würde das genau umdrehen.“ Spoiler-Alarm: Daran scheitert das ambitionierte Vorhaben.

Podolski ist untrennbar mit dem „deutschen WM-Sommermärchen“ 2006 verbunden und krönte sich am Gipfel seiner Karriere 2014 zum Weltmeister. Seinem Heimatverein, dem 1. FC Köln, blieb er als Top-Profi sogar nach einem Abstieg treu, Ausflüge zu Bayern München, Arsenal FC oder Inter Mailand beweisen, dass er zu den Größten der deutschen Fußballhistorie gehört. Nicht so bekannt ist aber der Lukas Podolski aus dem Privaten. In der 90-minütigen Lebensrückschau sieht man ihn mit seiner geliebten Oma Scherzen, mit den Kindern spielen und alte Familienfotos durchblättern, doch wirklich näher kommt man ihm dabei nicht. „Lukas öffnet sich anderen nicht schnell“, erläutert seine langjährige Ehefrau Monika, die für die Doku erstmals überhaupt bereit ist, in der Öffentlichkeit zu sprechen.

Mit Ehefrau Monika und den später geborenen gemeinsamen Kinder fand Lukas Podolski auch sein ...
Mit Ehefrau Monika und den später geborenen gemeinsamen Kinder fand Lukas Podolski auch sein privates Glück.(Bild: Netflix)

In „Poldi“ sind die Macher bemüht, hinter die rustikale Fassade des Arbeiterkindes zu blicken. Sie zeigen den unermüdlichen Entrepreneur, der frei nach dem Motto „wer schläft, verliert“ mit dem Privatjet von Businessgespräch zu Businessgespräch jettet. Sie zeigen den Fußballer, der in seiner zweiten Heimat Polen bei Gornik Zabrze einen x-ten Frühling erlebt und auch mit 40 nicht aufhören möchte. Sie zeigen den Ehemann und Vater, der seine Familie liebt, aber ständig damit hadert, nicht genug Zeit mit ihr zu verbringen, weil er zu getrieben ist. „Wir sind alle bekloppt“, soll eine Tante über die Familie sagen und es kommt sympathisch rüber. Was man aber nicht sieht, ist, wie es wirklich in Poldis Herzen ausschaut, denn die gewünschte Nähe stellt sich nicht ein.

„Ich hab’ mit dem Fußball geschlafen, weil er so geil war“, erzählt er über seine Kindheit, wo er ohne Ball noch nicht einmal Familieneinkäufe erledigte. Das sagt viel über den genialen Fußballer Lukas Podolski aus, aber relativ wenig über den wahren Menschen dahinter.

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