Oper Graz

„Der Rosenkavalier“ im unendlichen Wirbel der Zeit

Steiermark
10.05.2026 15:30

Und ewig kreist die Drehbühne: Regisseur Philipp M. Krenn wirft an der Grazer Oper Richard Strauss‘ „Der Rosenkavalier“ in einen Strudel der Zeiten und schafft einen kurzweiligen Abend. Viel mehr noch beeindrucken jedoch das Orchester unter Vassilis Christopoulos und die drei Sängerinnen – Jubel und Standing Ovations!

Weniger ist mehr? Diesem Motto kann Regisseur Philipp M. Krenn wohl nicht sehr viel abgewinnen. Seine Inszenierung von „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss an der Oper Graz ist eine üppig-rasante Abfolge von kleinen bis mittelgroßen Regie-Ideen, die dem Publikum auf einer sich (fast) ständig kreisenden Drehbühne (Bühne: Momme Hinrichs) wie Häppchen auf einer Etagere dargeboten werden. Krenn wirft die Zeitebenen der aus dem Fin de Ciecle kommenden Handlung durcheinander, schickt die Figuren optisch vom Barock über die 1970er bis in die Gegenwart (Kostüme: Eva Maria Dessecker) und mischt in die nobel-dekadente Gesellschaft am Rande des Untergangs auch Burschenschafter, Lieferboten und Influencer. 

So werden sogar vier Stunden recht kurzweilig
Vor allem die Frauenfiguren erfahren durch diesen Eingriff eine Stärkung. Generell unterstreicht Krenn in seiner Inszenierung aber das Komödiantische, macht den doch mehr als vier Stunden langen Lauf durch den Wirbel der Zeiten damit sehr kurzweilig – auch wenn mitunter die Logik der Handlung seinem Ideenreichtum zum Opfer fällt. Denn das ohnehin recht konstruierte Spiel um Liebe, Macht und gesellschafltiche Normen, wird durch die flirrende Szenerie nicht unbedingt leichter lesbar. 

Anna Brul (Octavian) und Tetiana Miyus (Sophie)
Anna Brul (Octavian) und Tetiana Miyus (Sophie)(Bild: Herwig PRAMMER)

Der Musik kann all das jedoch nicht schaden – ganz im Gegenteil: Die Grazer Philharmoniker zeigen sich unter Vassilis Christopoulos einmal mehr in Höchstform. Der Chefdirigent zieht (mit Blick auf die Inszenierung) zwar hie und da ordentlich das Tempo an, verfällt aber niemals in Walzerseligkeit und findet mit dem Orchester vor allem in den (oft verzweifelt) romantischen Passagen eine klangliche Sinnlichkeit, die begeistert.

Drei tolle Sängerinnen
Daran hat natürlich auch das Damentrio an der Spitze des Ensembles ihren Anteil: Polina Pastirchak ist eine sanft-schwärmende Feldmarschallin, deren Güte auch in den verzweifeltsten Momenten durchklingt. Tetiana Miyus singt die Sophie mit silbern schillernder Klarheit und großer Intensität. Und Anna Brull setzt dem Abend stimmlich wie darstellerisch die Sahnehaube auf – sie verleiht dem Octavian jugendliche Kraft und Leidenschaft und erntete dafür vom Premierenpublikum vollig zurecht Standing Ovations.

Stimmlich im Vergleich eher schlank, dafür beweglich und auch darstellerisch mächtig ist Wilfried Zelinka als Baron Ochs. Markus Butter entlockt seinem Faninal überraschende Eleganz. Überzeugen können auch Iurie Ciobanu als Sänger und Corina Koller als Marianne.  

Das Resultat ist ein „Rosenkavalier“, der musikalisch über so gut wie jeden Zweifel erhoben ist und auch inszenatorisch viel Spaß (wenn auch nicht immer Sinn) macht. Bei der Premiere gab es viel Jubel und Standing Ovations.

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