„Krone“-Protokoll

„Tatort“ aus Zürich: Ein Krimi wie eine Anklage

Unterhaltung
03.05.2026 16:23

Der Züricher „Tatort“ (20.15 Uhr, ORF 2) will in einem einzigen Fall gleich auf eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Missständen aufmerksam machen und wirkt daher überladen. Lesen Sie hier das ganze „Krone“-„Tatort“-Protokoll.

Nach einer rauschenden Party mit Drogen und Alkohol wird in Zürich eine nackte Leiche am nächsten Tag im Wasser gefunden. Das Ermittlerteam Isabelle Grandjean und Tessa Ott wird damit betraut. Schon zu Beginn des neuen Falls „Könige der Nacht“ (20.15 Uhr, ORF 2) zeigt das Drehbuch leider schon herbe Schwächen – bei der Besprechung im Team erklärt etwa eine Polizistin, bei dem Opfer habe es sich um einen Sexarbeiter gehandelt. Staatsanwältin Anita Wegenast analysiert messerscharf: „Aha, es handelt sich also um einen Mord im Rotlichtmilieu!“

Die Ermittlerinnen sollen den Mord an Sexarbeiter Ruven aufklären. Fahrradkurierin Moya (Bild) ...
Die Ermittlerinnen sollen den Mord an Sexarbeiter Ruven aufklären. Fahrradkurierin Moya (Bild) scheint etwas zu wissen.(Bild: SRF/Sava Hlavacek)
Ermitteln in der Schweiz: Anna Pieri Zuercher spielt Kommissarin Isabelle Grandjean, Carol ...
Ermitteln in der Schweiz: Anna Pieri Zuercher spielt Kommissarin Isabelle Grandjean, Carol Schuler ist in ihrer Rolle als Fallanalytikerin Tessa Ott zu sehen.(Bild: SRF/Sava Hlavacek)

In dieser Art geht es weiter, wird ständig über-erklärt und kommen Geistesblitze aus dem Nichts, von denen man offenbar nicht gewusst hat, wie die Ermittlerinnen logisch hingeführt werden könnten. Das ist kein Wunder, schließlich will der eine Krimi offenbar alle Probleme der Welt verhandeln und gerät zu einer Art Anklage – von der Prostitution geht es über zu Einwanderung und Menschenhandel, danach wird uns die Ungleichheit zwischen Reich und Arm vor Augen geführt, aber nicht, ohne Work-Life-Balance zu thematisieren. Dazwischen muss der gelernte Action-Regisseur Claudio Fäh noch den einen oder anderen Kampf auf Leben und Tod reinquetschen. Klar, dass die Kommissarinnen am Ende völlig fertig sind.

Selbst sitzt man dann etwas verwirrt vor der Lösung des Falls und der Täterin oder dem Täter und versucht, das Gesehene auf einen Nenner zu bringen. Positiv anzumerken sind jedenfalls die Schauspielleistungen von Gaststars wie Basil Eidenbenz oder Nambitha Ben-Mazwi, auch das Zürich-Duo Carol Schuler und Anna Pieri-Zuercher wirkt immer besser eingespielt. Trotzdem ein mäßiger Abschied in die „Tatort“-Sommerpause – ja, richtig gelesen. Wegen der Fußball-WM geht die Krimireihe heuer in die längste Pause ihrer Geschichte und kommt erst im September mit neuen Fällen zurück.

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