Nachdem die Foo Fighters mehrere große und weniger große Krisen durchschreiten mussten, ist ihr brandneues Studioalbum „Your Favorite Toy“ ein gitarrenlastiger Befreiungsschlag und eine Rückbesinnung auf alte Tage. Vor dem „Krone“-Stadionkonzert am 3. Juli im Wiener Happel-Stadion haben wir bei Gitarrist Pat Smear nachgefragt, wie es zu diesem rauschenden Werk kam.
Von einem Tief kann man gar nicht mehr sprechen, es war eine Ansammlung von persönlichen und beruflichen Rückschlägen, die manch andere Band längst ausgeknockt hätten und wohl auch die Foo Fighters kurz ins Wanken brachten. Mit dem tragischen Ableben von Drummer und Dave Grohl-Intimus Taylor Hawkins im März 2022 in einem kolumbianischen Hotelzimmer begann die Negativspirale Fahrt aufzunehmen. Nur vier Monate später verstarb Grohls Mutter, 2024 wurde seine außereheliche Affäre im Boulevard ausgeschlachtet und rüttelte kräftig am lebenslangen Saubermann-Image des einstigen Nirvana-Schlagzeugers. Apropos Schlagzeuger - dort gab es im Foo Fighters-Camp einen Kurzauftritt von Nine Inch Nails-Schlagwerker Josh Freese, der aber 2025 wieder zu seiner Ex-Band ging um Platz zu machen für Ilan Rubin, der, richtig geraten, 2009 bei Nine Inch Nails ebenjenen Freese ersetzte.
Auf Messers Schneide
Wirr, schräg und schwierig. Das waren die Voraussetzungen für das neue Album der vielleicht letzten großen Rockband auf diesem Planeten. Der Vorgänger „But Here We Are“ (2023) war geprägt von den beiden Todesfällen und eine in sich geschlossene, ungewohnt dystopische Platte, die nicht nur Grohl selbst, sondern auch seinen getreuen Mitstreitern als Trauerarbeit und Entkoppelung von negativen Gefühlen diente. Nach Hawkins Tod war die Band für eine Weile auf Messers Schneide, aber nun läuft das Werk wieder rund. Grohl hat mehr als 400 Therapiesitzungen hinter sich und tut alles, um seine Ehe zu retten, während er sich bei Interviews mittlerweile zurückstellt und nur noch ausgewählt für die wichtigen Musikkernländer zur Verfügung stellt – ergo nicht für Österreich. So klingeln wir bei Jugendfreund und Gitarrist Pat Smear durch, der, es passt zur jüngeren Historie der Band, erst mal einen komplizierten Beinbruch überstehen musste.
„Ich kann mittlerweile wieder gehen, das passt schon“, schmunzelt der gutgelaunte Musiker, „aber es war lustig. Wenn du mit einem gebrochenen Bein in die Öffentlichkeit gehst, bleiben plötzlich die Hälfte aller Fremden vor dir stehen und haben irgendeine wilde Unfall- und Beinbruchgeschichte auf Lager.“ Dabei erinnert man sich auch an Dave Grohls Beinbruch, als er die restliche Tournee auf einem eigens angefertigten Thron fertigspielte, den später Guns N‘ Roses-Frontmann Axl Rose verwendete. „Ich würde sagen, die Rhythmusgitarrensektion in dieser Band ist jedenfalls schwer gefährdet“, lacht er laut, sich und Grohl meinend, „ansonsten hoffe ich nicht, dass es mit der Pechsträhne nun so weitergeht. Wir freuen uns auf die große Tour im Sommer und ich bin gespannt, wie die neuen Songs ankommen.“
Rückkehr zur musikalischen Basis
Die neuen Songs bündeln sich im Studioalbum „Your Favorite Toy“ und gaben mit den Singles „Asking For A Friend“ und dem Titeltrack schon früh im Jahr erste Geschmacksproben. Das Urteil von damals kann mühelos auf das gesamte, mit 36 Minuten Spielzeit extrem knackig ausgefallene Album umgemünzt werden. Um den positiven Veränderungen und der wiedergewonnenen Leichtigkeit Tribut zu zollen, hat sich Haupt-Songwriter Grohl offenbar in die Nostalgie-Trickkiste gegriffen und die guten alten Zeiten heraufbeschworen. Musikalisch bedeutet das, nach Jahren voller Mid-Tempo-Songs, Stadionhymnen und klanglichen Experimenten erfolgt die Rückkehr zur gesicherten Basis – Punk-Rock ist angesagt. Kurz, markant, ohne große Umschweife, aber dafür mit maximaler Energie. So könnte man das Credo von „Your Favorite Toy“ zusammenfassen, auf dem dafür aber auch die mitsingtauglichen großen Hits fehlen, die die Foo Fighters schon vor Jahren ins Stadion brachten.
Smear gibt sich betont diplomatisch. „Wenn mich die Leute nach meinem Lieblingsalbum der Foo Fighters fragen, dann sage ich immer, es wäre das neue. Das kann in einem Jahr wieder anders ausschauen, gilt aber für den Moment. Wir alle sind schon voller Vorfreude bezüglich der Veröffentlichung des Albums. Das Album schreit vor allem danach, live zu einem echten Kracher zu werden. Jede Nummer wird sich in den europäischen Stadien sehr gut machen. Wir haben alles auf die Karte der Energie gesetzt und hoffen, dass dieser Plan jetzt aufgeht.“ Gerade nach den schweren Emotionen auf dem Vorgänger war die komplette Verkehrung ins Gegenteil wohl notwendig und auch unausweichlich. „Dave schrieb irgendwann in die Band-Gruppe, er hätte ein paar Demos eingespielt und ob er sie rüberschicken könne. Im Endeffekt waren das zwölf Songs, an denen es nicht mehr viel zu tun gab.“ Das Post-Hawkins-Album hat die Foo Fighters aus der Norm geworfen, hier kehrt man wieder auf altbekannte Wege zurück. „Wir sind immer noch beste Freunde, die gerne zusammen abhängen und Musik machen. Das war am letzten Werk so nicht möglich, hier aber wieder stärker der Fall.“
Sich mit Dingen abfinden
Songs wie „Spit Shine“, „Unconditional“ oder „Amen, Caveman“ gehen in die Vollen, dass mit dem Opener „Caught In The Echo“ oder „Asking For A Friend“ auch ein paar mediokre Lieder zu vermerken sind, war nach mehr als 30 Jahren Bandhistorie wohl nicht ganz zu vermeiden. Inhaltlich kann Smear dazu wenig beisteuern. „Über die Songs müsstest du mit Dave reden. Die entstehen alle bei ihm und wir steigen dann ein.“ Dass der Sound mit seiner Mischung aus Mittfünfziger-Midlife-Crisis und ehrlicher Liebe zur eigenen Jugendzeit vor allem bandintern überzeugt hat, überrascht nicht. Smear hat noch eine sehr überraschende Erkenntnis: „Ich vermisse Taylor jeden Tag, aber dass er nicht mehr für uns spielt, ist für die Bühne tatsächlich weniger schlimm als befürchtet. Gewisse Dinge im Leben kann man nicht ändern. So ist es mit dem Tod. Also schauen wir weiter nach vorne.“
Drummer Rubin war eine willkommene Frischzellenkur. „Wenn wir mit ihm abhängen, gibt es keinen Unterschied zu früher. Manchmal merkst du, dass er jung ist, weil er Insiderschmähs von alten Filmen nicht versteht.“ Das Bandgefüge ist auch nach den diversen Krisen stabil. „Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, aber es bleibt alles im Rahmen“, bekräftigt der Gitarrist, „wir haben eigene Ideen, aber das demokratische Prinzip der Mehrheit gewinnt.“ So wie auch live nach wie vor auf alle Hits gesetzt wird, die sich mit den flotten neuen Songs vermischen werden. „Als ich bei Nirvana war, hatte Kurt Cobain die Schnauze voll von ,Smells Like Teen Spirit‘“, erinnert sich Smear, „wir ließen den Song einmal aus und das Publikum hat uns ausgebuht. Kurt war das egal, aber wir sind die Foo Fighters. Das ist nicht unser Stil.“ Das hohe Energielevel von „Your Favorite Toy“ wird sich jedenfalls auch in den Liveshows niederschlagen. Auf Wien freut sich Smear sich schon sehr. „Das letzte Mal war ich in der Oper. Vielleicht probiere ich das wieder.“
Live im Happel-Stadion
Im Zuge ihrer großen Stadiontour kommen die Foo Fighters für ein „Krone“-Konzert endlich wieder nach Wien. Am 3. Juli werden sie ihre Top-Hits und das neue Album im Wiener Ernst-Happel-Stadion vorstellen. Unter www.oeticket.com gibt es hier und da noch vereinzelte Tickets für das an und für sich ausverkaufte Konzert. Reinschauen kann sich lohnen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.