In seiner neuen Kolumne in der „Tiroler Krone“ spricht der Tiroler Lehrlingsexperte David Narr über die Bedeutung der Fachberufslehre und die Möglichkeit der Berufsorientierung.
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Flexible Arbeitszeiten, Digitalisierung, neue Technologien – vieles, was heute diskutiert wird, ist in der Fachberufslehre längst Realität. Genau deshalb ist die duale Ausbildung eine der besten Antworten auf diese neue Arbeitswelt. Sie wird nicht alle heiligen Zeiten einmal reformiert, sondern laufend weiterentwickelt. Während Schulpläne oftmals jahrelang unverändert bleiben, passt sich die Lehre tagtäglich an das an, was Betriebe und Arbeitsmarkt tatsächlich brauchen.
In den letzten Jahren ist die Fachberufslehre deutlich moderner geworden – fachlich wie organisatorisch. Hochvolt-Antriebe, Robotik, Automatisierungstechnik, Künstliche Intelligenz, Ökoenergietechnik, Biochemie oder Medizingerätetechnik sind heute fixer Bestandteil von Lehrberufen. Auch die Vermittlung hat sich verändert: Tablets und Smartphones im Unterricht, digitale Lernplattformen, Apps und Online-Tests gehören längst dazu. Dazu kommt die enorme Vielfalt an Ausbildungswegen: Lehre mit Matura, Lehre nach der Matura, Lehre und Sport, modulare Ausbildung. Die Fachberufslehre ist flexibel wie kaum ein anderer Bildungsweg.
Was allerdings noch nicht bei allen angekommen ist: wie modern die Lehre tatsächlich ist. Genau deshalb braucht es bessere Berufsorientierung.
Lehrlingsexperte David Narr
Diese Modernität zeigt sich auch bei neuen Berufsfeldern. Ein gutes Beispiel sind Green Jobs: Klimaschutz, Energiewende und Nachhaltigkeit brauchen gut ausgebildete Fachkräfte. Genau hier liefert die Lehre. Ganz neu sind Berufe wie Chocolatier, Klimagärtner oder Fachkraft für vegetarische Kulinarik. In Tirol gibt es hier noch keine Lehrverhältnisse – das ist nicht ungewöhnlich. Neue Berufe brauchen Zeit, um anzukommen.
Was allerdings noch nicht bei allen angekommen ist: wie modern die Lehre tatsächlich ist. Genau deshalb braucht es bessere Berufsorientierung. Während in den Mittelschulen Berufsorientierung ein eigenes Fach mit ausgebildeten Lehrpersonen ist, gibt es in den AHS-Unterstufen noch Luft nach oben. Dort wird Berufsorientierung „integrativ“ unterrichtet – quer über mehrere Fächer verteilt. Das führt dazu, dass dieses Ziel mitunter zu kurz kommt. Nicht in allen Fächern gibt es genügend Kapazitäten, um Berufsorientierung „auch noch“ zu vermitteln, und nicht alle Pädagogen verfügen in dieser Thematik über das nötige Fachwissen.
Daher meine klare Überzeugung: Berufsorientierung sollte auch in der AHS-Unterstufe als eigenes Fach verankert werden. Die vom Bildungsminister angekündigte Schulreform wäre eine gute Gelegenheit, diese Lücke zu schließen. Die Wirtschaftskammer steht bei dieser für die Jugendlichen so wichtigen Berufsorientierung als Partnerin bereit – mit pädagogischen Angeboten, Fortbildungen für Lehrkräfte, IT-Plattformen und Unterstützung bei der Finanzierung.
Die Lehre ist moderner denn je. Sie ist flexibel, praxisnah, am Puls der Zeit.
Lehrlingsexperte David Narr
Ein gutes Instrument am Weg zum passenden Beruf ist die TalentCard. Berufsorientierung und persönliche Beratung sind für alle wichtig – etwa im Hinblick auf Lehre mit Matura oder berufliche Perspektiven.
Die gute Nachricht zum Schluss: Die Lehre ist moderner denn je. Sie ist flexibel, praxisnah, am Puls der Zeit. Wer heute eine Fachberufslehre beginnt, entscheidet sich nicht für gestern, sondern für morgen.
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