Bereits um 11 Uhr versammelten sich am Donnerstag zahlreiche Anhänger auf dem Vorplatz der Halle (siehe kleine Bilder). Alle warteten auf die Rede des türkischen Premiers. Mit Erdogan-Liedern in türkischem Popmusik-Stil und einem Lied, dessen Refrain "Recep Tayyip Erdogan" lautete, wurden die Massen bei Laune gehalten.
Die Halle selbst füllte sich nach dem Einlass um 12 Uhr nur langsam, die Security hatte alle Hände voll zu tun, die Menschen an den Absperrungen zurückzuhalten. Selbst für VIPs war es schwer, hineinzukommen. In der Halle waren laut Polizeisprecher Roman Hahslinger schließlich 7.000 Menschen, beim Public Viewing vor der Halle rund 6.000.
"Niemand muss sich vor uns fürchten"
Als Erdogan gegen 16 Uhr vor die Massen trat und zu seinen Anhängern sprach, wurde er mit tosendem Applaus begrüßt. "Ich habe Grüße von 77 Millionen Bürgern der Türkei im Gepäck", so Erdogan zum Auftakt. Die Türken in Europa seien gekommen, um die Herzen der Wiener zu gewinnen. "Niemand muss sich vor uns fürchten", so Erdogan.
Die Türkei sei in ihrer Geschichte immer nach Westen ausgerichtet gewesen, betonte Erdogan. "Europa endet nicht dort, wo die Donau ins Schwarze Meer fließt, sondern beginnt, wo Euphrat und Tigris ihre Quellen haben." Für Europa sei die Türkei "die einzige solide Pforte nach Osten". Die Türkei mische sich auch niemals in die Innenpolitik anderer Länder ein. Nur wenn Rassismus oder Islamophobie aufkommen, dann schütze man die Rechte seiner Bürger. "Die Türkei ist nicht die alte Türkei", versicherte Erdogan.
Den Austro-Türken in Wien, potenzielle Wähler bei der Präsidentschaftswahl im August, bei der Erdogan voraussichtlich antreten wird, gab Erdogan mit: "Ihr könnt auf diese Türkei stolz sein." Sie sollten sich in die Gesellschaft integrieren, gut Deutsch lernen, aber sich nicht assimilieren, sagte Erdogan, ähnlich wie schon bei seiner Rede in Köln.
Reizgas-Einsatz bei Gegendemo
Ab Mittag formierten sich auch zwei Demonstrationen gegen den Wien-Besuch des türkischen Premiers. Eine Gruppe Erdogan-Kritiker versammelte sich rund fünf Kilometer entfernt am Praterstern in der Leopoldstadt. Etwa 30 linksgerichtete Organisationen hatten zur Protestaktion aufgerufen, die am Nachmittag bis zum Donauzentrum nahe der Albert-Schultz-Eishalle zog.
Dabei kam es in der Lassallestraße zu Tumulten. Auslöser des "kurzen Gerangels" war laut Hahslinger eine Flasche, die aus einem Lokal auf den Demonstrationszug geworfen worden war. Laut Polizeisprecher war die Sondereinheit WEGA im Einsatz. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um Zusammenstöße zwischen den Protestierenden zu beenden. Am späten Nachmittag habe sich die Situation wieder beruhigt, so Hahslinger. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 6.000 Menschen an dem Protest. Veranstalter sprachen auf Twitter von 10.000 Teilnehmern.
Zweite Gegendemo ohne Zwischenfälle
Ohne Zwischenfälle ist die kleinere der beiden Gegendemonstrationen in der Wiener Innenstadt verlaufen. In der Operngasse versammelten sich kurz vor 14 Uhr laut Polizei rund 400 Personen. Hier hatte der Verein zur Förderung des Gedankenguts von Kemal Atatürk zum Protest aufgerufen. Man könne sich nicht mit allen Gruppierungen der Kundgebung am Praterstern identifizieren, sagte Vereinsobmann Murat Barlan. Es würden etwa Anhänger "terroristischer Gruppen" wie etwa der Kurdischen Arbeiterpartei PKK und "kommunistische Gruppen" teilnehmen.
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