Petra Aigner, Mama der österreichischen Paraskistars Veronika und Johannes Aigner, war mit ihrem Assistenzhund Charly bei den Paralympics in Cortina. Der Labrador war der heimliche Star in Cortina. Im Vorfeld sorgte er aber auch für Wirbel, als ein Hotel trotz gesetzlicher Verpflichtung den Hund und dessen Frauerl ablehnte.
Die Rechtslage ist eindeutig. Laut§ 39a. (1) im BGStG müssen HotelsAssistenzhunden den Zugang zu Unterkunft, Restaurant, Wellness- oder Therapie-Bereichen gewähren (dies kann auch nicht wegen hygienischer Bedenken abgelehnt werden). Assistenzhunde gelten rechtlich als Hilfsmittel, nicht als Haustiere. Ein genereller Ausschluss in Hotel, Wellness oder Restaurant ist daher unzulässig. Gerichtliche Urteile stützen dieses Recht – ein generelles Zugangsverbot ist eine Diskriminierung aufgrund Behinderung.
Deswegen war Reiseorganisator Michael Knaus, der bei den Paralympics 1984 gestartet ist und 35 Jahre Paraski-Referent im österreichischen Skiverband war, sehr verwundert über die telefonische Antwort der Chefin eines Hotels in Sillian. Die Dame blieb auch nach dem Hinweis auf die Gesetzlage bei der Absage. Auch bei einem weiteren Telefonat und dem erneuten Hinweis auf den Paragrafen änderte sie ihre Meinung nicht.
Daher leider nein...
Also schrieb Knaus, der einst auch für das Internationale Paralympische Committee und die FIS arbeitete und heute Präsident des ÖZIV-Tirol – der Interessensvertretung für Menschen mit Behinderung – ist ein E-Mail an die Gemeinde Sillian und schilderte den Sachverhalt. Das E-Mail schlug Wellen, wurde an das Hotel weitergeleitet. Daraufhin rief die Hotelchefin zurück und erklärte, den Fall mit ihrem Mann zu besprechen.
Der schrieb dann ein E-Mail: „Leider sind die gehaltenen Optionen Fixbuchungen und deshalb haben wir keine Kapazitäten mehr.“ In einem weiteren E-Mailan Michael Knaus teilt der Hausherr mit, dass sie natürlich Gäste mit Assistenzhund nehmen würden, und dass er die Buchungswünsche anschaue, aber Vorausbuchungen als Optionen betrachtet habe und diese Fixbuchungen seien… daher leider nein!
Aber in einer anderen Unterkunft waren Charly und sein Frauchen herzlich willkommen. Und dann erlebten sie in Cortina unglaubliche Spiele. Österreich erlebte mit siebenmal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze die erfolgreichsten Winter-Paralympics seit der neuen Klasseneinteilung 2006. Herausragend waren Veronika (4 x Gold, 1 x Silber) und Johannes Aigner (3 x Gold, 1 x Bronze), die bei der Schlussfeier auch Österreichs Fahne trugen.
Die Aigners waren wieder eine Nation für sich
Damit belegten quasi Gloggnitz (Wohnort von „Vroni“) und Trattenbach (Wohnort von „Hansi“) im Medaillenspiegel Platz fünf. Die „New York Times“ schrieb schon nach den Paralympics in Peking: „Die Aigners sind eine Nation für sich.“ Sie selbst sehen das nicht so, leben den Teamgeist. Mit ihren Sprüchen und musikalischen Einlagen sorgten sie für Stimmung bei den Medaillenpartys. Veronika hielt fest: „Es wäre schön, wenn wir nicht nur alle vier Jahre im Rampenlicht stehen. Unser Sport hätte sich so eine Bühne viel öfter verdient.“
„Ich selbst bin noch versteckt worden“
Warum sie so gut sind, erklärte Johannes, der im gestrigen Slalom mit Guide Nico Haberl Vierter wurde, Freitag in der „ZIB 2“ so: „Wir sind schon früh gefördert worden.“ Mama Petra, die selbst sehbehindert ist, erzählt: „Ich selbst bin noch versteckt worden, durfte vieles nicht machen. Ich hörte immer, das sei zu gefährlich. Daher haben wir unseren Kindern alles erlaubt, was sie machen wollten. Skifahren hat ihnen am meisten Spaß gemacht.“
So wurde auch Elina Stary erzogen. Die 19-Jährige, die ebenfalls sehbeeinträchtigt ist, gewann Silber und zweimal Bronze: „Vor vier Jahren war ich schon froh, überhaupt dabei zu sein. Jetzt stehe ich mit drei Medaillen hier, das ist surreal.“
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