Eine Katze ist aus dem vierten Stock gefallen und hat lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Der Halter versichert, das Tier zu lieben, es nicht sterben lassen zu wollen – und bittet unsere „Krone“-Tierecke um Hilfe. Ein Drama! Für die Katze. Denn Liebe, die nicht schützt, ist keine. Katzenhaltung bedeutet Verantwortung. Und Verantwortung bedeutet gesicherte Fenster.
Seit etwa zwei Wochen erreichen unsere „Krone“-Tierecke wieder vermehrt Hilferufe von Tierhaltern aus ganz Österreich. Ihre Katzen sind von ungesicherten Fensterbänken, Balkonen oder Loggien gefallen. Manche Tiere überlebten, andere nicht. Was all diese Fälle verbindet, ist eine beschämende Gemeinsamkeit: Sie hätten verhindert werden können.
Seit 2005 schreibt das österreichische Bundestierschutzgesetz unmissverständlich vor, dass Fenster und Balkone ab dem ersten Stock für Katzen gesichert sein müssen. Mehr als zwanzig Jahre später erreichen uns dennoch immer wieder dieselben Hilferufe.
Jahr für Jahr keine Überraschung
Mit den ersten warmen Tagen wird jedes ungesicherte Fenster zur potenziellen Gefahrenquelle. Was von innen nach Freiheit riecht, ist von außen ein Abgrund. Für Wohnungskatzen, deren Jagdinstinkt in Sekundenbruchteilen anspringt, existiert dieser Unterschied nicht. Ein Vogel, eine Fliege, eine Bewegung in der Tiefe – und das Tier springt. Ohne Zögern.
Der hartnäckigste aller Irrtümer
Besonders folgenschwer ist ein Mythos, der sich unter Katzenhaltern mit störrischer Beharrlichkeit hält: dass Katzen immer auf ihren Pfoten landen. Diese Annahme ist falsch. Der Stellreflex, der Katzen im freien Fall dreht und ausrichtet, braucht Zeit und Raum. Beides fehlt bei einem Sturz aus dem zweiten oder dritten Stockwerk. Was folgt, ist ein Aufprall auf hartem Untergrund mit voller Wucht.
Zwischen zweitem und sechstem Stock
Was dabei paradox klingt, ist veterinärmedizinisch belegt: Stürze aus dem zweiten bis sechsten Stockwerk – also genau jener Höhe, in der die meisten österreichischen Wohnungen liegen – sind statistisch am gefährlichsten. Die Fallhöhe reicht aus, um beim Aufprall schwere Verletzungen zu verursachen, nicht aber, um jenen Punkt zu erreichen, an dem sich der Körper reflexartig entspannt und stabilisiert. Weicher Untergrund ist die Ausnahme, Asphalt und Beton die Regel. Die Schwere der Verletzungen bleibt in jedem Fall erschreckend.
Zertrümmerte Kiefer, gebrochene Pfoten, Lungenquetschungen, innere Blutungen, schwere Augenverletzungen – die Liste dessen, was Tierärzte nach solchen Stürzen vorfinden, ist lang. Selbst wenn die Katze auf den Pfoten landet, schlägt der Kopf nach, mit Folgen wie Gehirnerschütterung oder Verletzungen der Zunge. Dazu kommt, dass viele Tiere nach außen unverletzt wirken. Innere Blutungen verlaufen still und können ohne tierärztliche Behandlung ebenfalls tödlich enden.
Problem besteht österreichweit
Aus Wiens Tierkliniken und dem TierQuarTier Wien kennt man diese Schicksale nur zu gut: Katzen, die blutüberströmt mit mehrfach gebrochenem Kiefer auf der Straße gefunden wurden. Nach wochenlanger Behandlung und Operation gerettet, können sie nicht mehr zu ihren Besitzern zurückkehren, weil diese kein Interesse daran zeigten, ihre Fenster zu sichern.
Alltagsfalle: gekippte Fenster
Eine weitere, oft unterschätzte Gefahr geht von gekippten Fenstern aus. Katzen versuchen instinktiv, durch den schmalen Spalt zu schlüpfen, rutschen ab und sinken durch ihr eigenes Gewicht immer tiefer hinein. Sie können sich nicht selbst befreien. Ist niemand zur Stelle, endet ihr Überlebenskampf tödlich.
Sollte selbstverständlich sein
Wer noch keine Sicherung angebracht hat, sollte dies unverzüglich nachholen. Wer bereits eine hat, sollte sie nach dem Winter auf ihren Zustand prüfen, denn Netze und Gitter können durch Witterung und Materialermüdung ihre Wirkung verlieren. Ein fachgerecht montiertes Netz, ein stabiles Gitter oder ein Fensterkeil kostet wenig. Was es verhindert, ist ungleich mehr wert. Es ist eine Frage der Eigenverantwortung – aber auch des Gesetzes.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.