Sieglos und als in zweiten Läufen oft gescheiterte Läuferin war Julia Scheib in den Olympia-Winter gestartet, als Triumphatorin geht sie daraus hervor. Innerhalb weniger Monate stieg die Steirerin von einer inkonstanten Skifahrerin im Riesentorlauf zur Besten auf. Fünf Weltcupsiege stehen für sie schon vor dem Weltcup-Finale in Hafjell auf der Habenseite, zudem als Krönung der Gewinn der Disziplinkugel. Bei ihrem Erfolg am Samstag in Åre zeigte sie, wie sehr sie gereift ist.
„Unglaublich schön, dass es funktioniert hat. Das Ziel war, das Rennen zu gewinnen. Ich habe alles reingelegt“, verriet das ÖSV-Ass nach dem Rennen, dass es ihr an diesem Tag in Schweden nicht nur um den Gewinn der Disziplinwertung ging. „Es waren Rennen dabei, in denen ein Druck da war. Den braucht es auch, um die beste Leistung zu zeigen. Das war auch heute so.“ Um als Gewinnerin der Wertung dazustehen, gehöre viel dazu. „Es hat immer verschiedene Verhältnisse gehabt“, erklärte Scheib nicht ohne Stolz.
Scheib bei allen Bedingungen schnell
Nun kam eine Facette dazu. „Die Spring Condition, das Weichere, habe ich nicht ganz so gerne, das ist mir nie so gelegen. Jetzt kann ich auch da einen Check machen.“ Auch deswegen bezeichnete sie den Gewinn der kleinen Kugel als „natürlich das Allergrößte. Da gehört so viel dazu, eine Saison so konstant zu fahren. Auch die anderen fahren so gut Ski. Es gibt auch noch den Gesamtweltcup, aber es ist etwas Großes.“ Es sei etwas Schönes auch fürs Team, hob sie die Arbeit von Coaches, Servicemann und Physiotherapeut hervor. „Sie haben alle so einen guten Job gemacht.“
Für Scheib sei das ein großer Faktor, um sich wohlzufühlen und in Ruhe arbeiten zu können. Mit diesem Rückhalt geht es für sie zunächst einmal entspannt zum Finalevent nach Norwegen. „Der Druck ist einmal weg.“ Aber die Siegerin von Sölden, Mont Tremblant, Semmering, Kronplatz und Åre blickt auch schon auf die nächste Saison, will sich dafür im finalen Super-G Selbstvertrauen holen. „Da geht es um das Lernen für die nächste Saison. Es ist nach wie vor so, dass sehr viel mehr drinnen ist. Das motiviert mich, weil da ist immer noch Luft nach oben. Das möchte ich ausreizen.“
In den Augenblicken des Triumphes, als die Schweizer Konkurrentin Camille Rast ausgeschieden ist und so Sieg und Kugelgewinn feststand, sei ihr sehr viel durch den Kopf gegangen. „Die guten und die schlechten Zeiten. Es war ein emotionaler Moment für mich.“ Zwei Kreuzbandrisse und das Pfeiffer‘sche Drüsenfieber brachte sie hinter sich, blieb trotzdem immer eine ruhige Arbeiterin für die großen Ziele. „Das hat mir heuer so geholfen, dass ich halbwegs auf einem Level geblieben bin. Auch wenn ein Rennen danebengegangen ist, habe ich es schnell abhaken können.“
Brunner: „Sie ist eine geile Saison gefahren“
Dafür bekam sie u.a von ihrer routinierten Teamkollegin Stephanie Brunner, am Samstag als Zwölfte mit ihrem zweitbesten Saisonergebnis, anerkennende Worte. „Seit Julie von ihrem (zweiten) Kreuzbandriss zurückgekommen ist, ist es immer steil bergauf gegangen. Sie hat gleich gute Ergebnisse gehabt und sich stetig verbessert. Letzte Saison hat sie schon im Training gezeigt, dass sie um den Sieg mitfahren kann. Heuer hat sie es in jedem Rennen gezeigt. Man kann nur den Hut ziehen. Sie ist einfach eine geile Saison gefahren.“
Für ÖSV-Frauen-Chefcoach Roland Assinger ist Scheib „vom Kopf her brutal stark. Sie weiß, was sie sich zutrauen kann und darf. Sie hat so viel Selbstvertrauen getankt und mit den Coaches, mit dem Servicemann am Material gefeilt. Es ist etwas Schönes entstanden.“ Auch der Kärntner meint, dass die Reise noch weitergehen könne, wenn Scheib das Mindset behält. „Man muss immer nach Neuem streben. Gewisse Sachen kann man noch verbessern. Vielleicht ein bisschen mehr Super-G fahren, gesund bleiben. Es ist wichtig, dass man sich nicht auf den Lorbeeren ausruht.“
Die Feier des Erfolgs sollte nicht zu klein ausfallen, Assinger selbst wollte aber ob des Slaloms am Sonntag rechtzeitig ins Bett gehen. „Wir schielen da noch auf das Podium mit Kathi Truppe“, wies Assinger indirekt darauf hin, dass die Kärntnerin in der Disziplinwertung da als Vierte nur 17 Zähler hinter dem dritten Rang liegt. Zudem gehe es noch um Ränge in den Top 25 bzw. um Tickets für den letzten Saison-Torlauf. Leonie Raich werde nach ihrem Gewinn von Junioren-WM-Silber eingeflogen. Auch Nathalie Falch habe im Slalom einen guten Schritt gemacht.
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