Eine seltsam altmodische Krimiserie ist „Scarpetta“ auf Amazon Prime Video geworden. Einige Stars sind an Bord, doch über weite Strecken erinnern die Folgen an die 90er-Jahre, was aber auch ein Nostalgie-Pluspunkt sein kann.
Die Nachricht, dass Superstar Nicole Kidman die Hauptrolle von Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta in der Verfilmung der weltweit erfolgreichen Krimis von Patricia Cornwell spielen würde, begeisterte Leser wie Streaming-Fans. Jetzt starteten die Folgen auf Amazon Prime Video – und lassen einen etwas „unterwältigt“ zurück. Kidman präsentiert die Aufschneiderin seriös, nüchtern und clever – doch es ist ihre junge Kollegin Rosy McEwen, die der Figur in ihrer jüngeren Version Leben und Emotionen einhaucht.
Der Fall ist spannend genug – ein Serienmörder kehrt nach Jahrzehnten zurück und zwingt Scarpetta zur Konfrontation mit ihrer Vergangenheit. Letztere erleben wir in ausladenden Rückblicken, die absolut nichts der Kombinationsgabe der Zuschauer überlassen. Die Bildsprache und Inszenierung der Serie erinnert jedoch frappant an Krimi-Produktionen der 90er- und 00er-Jahre.
Der Eindruck wird noch verstärkt, wenn erstmals der frühere „Mentalist“-Star Simon Baker keck um die Ecke schaut und sein berühmtes einnehmendes Lächeln zeigt. Immer noch voller Charisma, spielt er Scarpettas Ehemann und einen FBI-Agenten. Manche mögen diese Reise in die TV-Vergangenheit ganz gemütlich finden, aber die meisten haben sich von der Prestige-Produktion wohl etwas Innovativeres erwartet als eine Vierecksbeziehung im Ermittlermilieu.
Denn Scarpettas Ermittlungspartner Pete (Bobby Cannavale) ist der Ehemann ihrer Schwester Dorothy, und von Anfang an riecht man Eifersucht und alte Gefühle. Hollywoodstar Jamie Lee Curtis ist leider eine herbe Enttäuschung als Dorothy, sie soll eine komplexe, extrovertierte Figur spielen, weiß sich aber nur damit zu helfen, jeden zweiten Satz zu schreien und sich in absurden Verrenkungen zu üben. Binnen kürzester Zeit fürchtet man sich regelrecht vor ihren Auftritten. Da hat sich wohl jemand zu sehr in die „The Bear“-Rolle verliebt, an die man unweigerlich denken muss.
Den Trailer zu „Scarpetta“ finden Sie hier:
„Scarpetta“ ist solide Unterhaltung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer früher gern „CSI“ oder „The Mentalist“ schaute, wird auch mit der sezierenden Nicole Kidman gerne ein paar Streaming-Stunden verbringen.
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