Die steirische Landesregierung will ihr Konzept für die Versorgung von Long-Covid-Patienten noch heuer ausrollen. Der ehemalige Leiter des (geschlossenen) Corona-Spitals fordert mehr Fokus auf stationäre Therapie.
Mehr als 10.000 Steirer leiden an Folgeerkrankungen von Covid-19. Viele von ihnen fühlen sich vom Gesundheitssystem völlig alleingelassen. Für diese Menschen plant das Land nun Österreichs erstes Post-Covid-Zentrum.
Dabei hat es eine derartige Institution in der Steiermark ja bereits gegeben. Das ehemalige LKH Hörgas wurde während der Pandemie zum Long-Covid-Spital umfunktioniert – und war mehr als gut ausgelastet. Als die Landesregierung entschied, das Haus im Norden von Graz im Frühjahr 2022 zu schließen, war die Kritik groß. „Die Landesrätin weiß offenbar nicht, wie sehr Post-Covid-Patienten leiden“, hielt auch Florian Iberer damals mit seiner Meinung zur ehemaligen Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) nicht hinter dem Berg.
Der frühere Professor der Grazer Med Uni und Leiter der Transplantationschirurgie am LKH kehrte für die Leitung des Hauses in Hörgas aus seinem Ruhestand zurück und unterstrich von Anfang an dessen Bedeutung. Er begrüßt den Entschluss der Politik, sich nun doch diesem Thema anzunehmen: „Ich bin positiv überrascht, dass das nun in Planung genommen wird. Auch die ersten gesetzten Schritte halte ich für adäquat und gut.“
„Stationäre Versorgung unumgänglich“
Dass die Patienten aber primär durch ein Netzwerk an Hausärzten und eine Ambulanz versorgt werden sollen, kann Iberer nicht nachvollziehen: „Eine stationäre Versorgung ist unumgänglich. Aus meiner Erfahrung kommen schwere Fälle nicht in die Ordination, und sie profitieren auch kaum von einem kurzen Arztbesuch bei ihnen zu Hause.“
Patienten brauchen Physiotherapie und psychologische Begleitung
Vielmehr würden Long-Covid-Patienten eine tägliche Physiotherapie und Diätkost und dazu natürlich eine psychologische Begleitung benötigen. Dinge, die für Iberer nur ein stationärer Aufenthalt bieten kann. „Und in Hörgas war dies alles vorhanden. Man muss sich vorstellen, dass diese Menschen alleine in einem verdunkelten Zimmer liegen, meist auch noch mit Kopfhörer und Mundschutz – sie sind völlig abgeschottet von der Welt. Deshalb warne ich davor, auf die stationäre Therapie weitgehend zu verzichten.“
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