Ein „Krone“-Redakteur war in Kroatien unterwegs und hat das Land von seiner aktivsten Seite erlebt – zwischen Skywalk, Wasserfällen und Inselabenteuern. Er schildert seine Eindrücke von den Gipfeln des Biokovo-Gebirges bis zu den Inseln der Kornaten.
Der Tag beginnt früh. Die Luft ist kühl, als wir die Serpentinen hinauffahren. Mit jeder Kurve wird der Blick weiter, das Meer kleiner, der Himmel größer. Dann stehen wir plötzlich auf einer gläsernen Plattform – unter uns die Makarska Riviera, vor uns nichts als Weite: Willkommen im Biokovo-Gebirge!
So fühlt sich Kroatien an, wenn man es aktiv entdeckt. In Zeiten, in denen Landschaften oft perfektioniert, gefiltert oder künstlich inszeniert werden, wirkt dieser Moment fast ungewohnt authentisch. Nichts muss hier neu gestaltet oder verschönert werden – in Kroatien ist alles bereits vorhanden.
Morgens über den Wolken
Der Biokovo Skywalk ist kein Ort, an dem man lange spricht. Man schaut. Atmet. Und staunt. Die vorgelagerten Inseln wirken von hier oben fast wie Spielzeuge, das Meer schimmert silbrig im Morgenlicht.
Nur wenige Kilometer entfernt liegen die Imotski-Seen – der Rote und der Blaue See, eingesunken in gewaltigen Karsttrichter. Es ist still hier. Man lauscht dem Wind und den eigenen Schritten auf dem Kies. Die Landschaft wirkt rau und zugleich faszinierend geordnet – geformt über Jahrtausende.
Kroatien hat in den vergangenen Jahren sein Netz an geschützten Naturgebieten weiter ausgebaut. Heute stehen rund zehn Prozent des Landes unter Schutz. Das wird sofort deutlich. Wege sind durchdacht angelegt, aber nie überinszeniert. Natur bleibt eben Natur.
Mittags im Nationalpark – Wasser in allen Farben
Ein paar Stunden Fahrt und das Bild verändert sich komplett. Statt Felsen und Höhlen dominieren nun Wasser und Grün.
Im Nationalpark Plitvicer Seen führt ein Holzsteg direkt über das türkisfarbene Wasser. Unter den Füßen ziehen Fische vorbei, nebenan stürzt ein Wasserfall in die Tiefe. Es ist einer dieser Orte, an denen man automatisch langsamer geht – nicht, weil man muss, sondern weil man nichts verpassen möchte.
16 Seen, verbunden durch Kaskaden und kleine Wasserfälle, bilden hier Kroatiens einzigartiges UNESCO-Weltnaturerbe. Wer früh kommt, erlebt die Magie besonders intensiv: Nebelschwaden steigen auf, Sonnenstrahlen brechen im Wasser, es riecht nach Wald und feuchtem Holz. Kein Bildschirm kann das Rauschen ersetzen und kein Filter den Geruch von Moos und Wasser.
Alternativ lohnt sich auch ein Abstecher in den Nationalpark Krka. Die Wege führen entlang des Flusses, immer wieder öffnen sich Ausblicke auf breite Wasserfälle. Es ist ein Spaziergang, der eher einem Naturkino gleicht, nur ohne Pause-Taste.
Nachmittags zwischen Inseln
Nachmittags werden Wander- gegen Badeschuhe getauscht. Vor der Küste von Zadar wartet der Nationalpark Kornati – ein Archipel aus fast 90 Inseln und Felsen.
Vom Wasser aus wirkt die Landschaft karg, beinahe mondartig. Und doch offenbart sich beim Schnorcheln eine komplett gegensätzliche Welt: Felsen, Seegras und Schwärme kleiner Fische im klaren Adriatischen Meer.
Wer es lieber aktiver angehen möchte, erkundet die Inseln mit dem Kajak oder Segelboot. Es gibt kaum schönere Erlebnisse, als zwischen zwei unbewohnten Inseln zu ankern und einfach ins Wasser zu springen – ganz ohne WLAN und Push-Nachrichten. Nur der Wind und das Rauschen der Wellen.
Wandern im Velebit – Kroatiens wilde Seite
Zurück auf dem Festland offenbart Kroatien eine weitere Seite: seine gebirgige Landschaft. Der Nationalpark Paklenica ist besonders bei Kletterern beliebt, doch auch Wanderer finden hier eindrucksvolle Routen durch tiefe Schluchten und vorbei an steilen Kalkwänden.
Im nördlichen Velebit verläuft der Premužić-Weg – ein Panoramaweg, der auch für weniger erfahrene Wanderer gut schaffbar ist. Er schlängelt sich durch eine karge, fast alpine Landschaft. Mit etwas Glück zieht ein Adler seine Bahnen am Himmel, während im Verborgenen Luchs und Wolf ihre Zeichen hinterlassen. Hier geht es nicht um das perfekte Motiv. Hier geht es um das Gefühl, selbst unterwegs zu sein.
Naturparks: Die ruhigeren Alternativen
Wer es weniger spektakulär, dafür umso ursprünglicher mag, ist in einem der zwölf kroatischen Naturparks richtig.
Im Naturpark Kopački Rit im Osten des Landes gleitet man per Boot durch ein weitläufiges Feuchtgebiet – ein Paradies für Vogelbeobachter.
Am Vransko-See führen Radwege entlang des Wassers, während im Hintergrund die Küste wartet.
Und im Naturpark Lonjsko Polje scheinen die Uhren langsamer zu ticken: Holzhäuser, weite Auenlandschaften, Störche auf den Dächern.
Kroatien zeigt hier eine andere, oft weniger bekannte Seite: kontinental, ländlich, ruhig. Gerade diese Vielfalt zwischen Küste, Inseln, Gebirge und Binnenland macht den Reiz aus und lädt dazu ein, Kroatien auch jenseits der klassischen Routen zu entdecken.
Warum jetzt Kroatien?
Vielleicht, weil sich Kroatien immer wieder neu entdecken lässt – nicht bloß als Kulisse, sondern als lebendige, natürliche Landschaft. Abseits der bekannten Badeorte öffnet sich ein Land, das Bewegung, Natur und Weite miteinander verbindet. Nichts wirkt hier künstlich oder inszeniert, vielmehr zeigt sich die Landschaft in ihrer gewachsenen, ursprünglichen Form.
Wer bereit ist, früh aufzustehen, ein paar Höhenmeter zurückzulegen oder ins kühle Wasser zu springen, wird mit bleibenden Eindrücken, Ausblicken und Düften belohnt. Momente, die lange in Erinnerung bleiben.
Die volle Schönheit Kroatiens lässt sich nicht auf bloß eine Perspektive reduzieren. Man muss es erklimmen, erschwimmen und erfahren. Genau darin liegt sein besonderer Reiz – ganz uninszeniert.