Es ist eine Weile her, dass ich beim Bundesheer war. Beim Einrücken war ich 19. In dem Alter glaubt man, alle Zeit der Welt zu haben.
Beim Heer war es nett, die Versorgung reichlich. Die vielen Semmerln und Fleischdosen mit dem Wissen von heute ernährungsmäßig nicht ideal, aber kaum böser als ein Big Mac.
Die Vorgesetzten: bierselig gemütliche Leute, die auch nur ihre Ruhe wollten.
Die Unterkünfte: alte Baracken, in denen nichts kaputt werden konnte oder richtig sauber sein musste.
Die Ausbildung: Schuhe putzen und Bett machen konnte ich schon. Für das Zerlegen und Reinigen des Sturmgewehrs fand sich im Leben danach keine passende Gelegenheit mehr.
Die ausgedehnten Wanderungen in frischer Luft waren lustig, wenngleich die Umgebung der Kaserne im Osten Österreichs einigermaßen trostlos war.
Es gab ein wenig militärische Theorie, bei der irgendwie unklar blieb, ob die Russen oder die NATO die Bösen sind. Das war letztlich egal. Wir sollten „den Feind“ ohnehin nur einige Tage abschrecken oder ihm auf den Wecker gehen.
Es gab also wenig zu tun, das Handy war noch nicht erfunden, und ich konnte in Ruhe die Klassiker der Weltliteratur lesen: „Moby Dick“, „Die Brüder Karamasow“, „Die Blechtrommel“.
Ein bisschen gescheiter geworden, verstand ich so am Ende meiner Zeit beim Bundesheer, was es bedeutet, jetzt Kanonenfutter zu sein. Neun Monate hätte ich dazu nicht gebraucht.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.