Appell vor EU-Wahl
Enkel von Auschwitz-Kommandant warnt vor Rechten
"Wir dürfen unsere Vergangenheit nicht vergessen, egal wie sehr es auch schmerzt. Denn wenn wir vergessen, wird sich die Geschichte wiederholen", warnt Höß in dem schwedischen Videospot für die EU-Wahl. Der Clip wird in Schweden im Kino und im TV gesendet - und ist mittlerweile auch auf YouTube zum Hit geworden ist. Knapp 200.000 Mal wurde das Video bis Donnerstag bereits angeklickt.
"Wenn wir nichts tun, dann haben wir nichts gelernt"
"Mein Name ist Rainer Höß", stellt sich der 48-Jährige in dem Video auf Englisch (Untertitel sind auf YouTube auch auf Deutsch zuschaltbar) vor. "Mein Großvater war Rudolf Höß: der Nazi-Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz." Und er warnt: "Wenn wir nichts tun, dann haben wir nichts gelernt".
Wahlempfehlung gibt Höß zwar keine ab, fordert aber den Zuschauer am Ende des Spots auf: "Vergiss nicht zu wählen." Der Clip ist jedenfalls eine eindringliche Botschaft der schwedischen Sozialdemokraten. Laut aktuellen Umfragen könnten die Rechtspopulisten am Sonntag insgesamt mehr als 80 der 751 Sitze gewinnen.
Rainer Höß hat seinen Großvater nie gesehen, schreibt der "Spiegel" in einem Bericht über den Wahlspot. Das Magazin beleuchtet zugleich auch die Geschichte der Familie Höß. Der Enkel fühle sich demnach schuldig für die Verbrechen des Großvaters. Rudolf Höß war Befehlshaber über die "größte Menschenvernichtungsanlage aller Zeiten", wie der SS-Obersturmbannführer selbst sein Lager titulierte. "Henker von Auschwitz" nannten sie ihn. Höß war es, der die Parole "Arbeit macht frei" über dem Eingang anbringen ließ.
Höß-Enkel wollte Erbstücke an Holocaust-Museum verkaufen
Der Enkel, der die längste Zeit ein unauffälliges Leben führte, war schließlich selbst in die Schlagzeilen geraten, als er 2009 der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem Erbstücke seines Großvaters anbot - gegen Geld. Durch Israel ging ein Aufschrei über den Mann, der Kapital aus dem Erbe seines verbrecherischen Ahnen schlagen wollte, heißt es dazu in dem "Spiegel"-Bericht. Höß selbst bezeichne die Aktion heute als "schlimmen Fehler", er habe daraufhin sein Leben komplett geändert.
Bereits wenige Monate nach der Empörung über das Erbstücke-Angebot besuchte er zum ersten Mal Auschwitz. Zudem stellte er sich für den Dokumentarfilm "Hitlers Kinder" zur Verfügung. Für den Streifen ließ sich Höß gemeinsam mit den Nichten von Heinrich Himmler und Hermann Göring, den Kindern des Generalgouverneurs im besetzten Polen, Hans Frank, und des KZ-Kommandanten Amon Göth ablichten. Außerdem veröffentlichte er seine Autobiografie "Das Erbe des Kommandanten". Heute trage er einen Davidstern um den Hals und halte Vorträge an Schulen.
Kritiker: Höß geht es nur um eigenen Ruhm - und Geld
Dennoch gelte er laut "Spiegel" als höchst umstrittene Person. So behauptet etwa der israelische Journalist, der ihn auf seiner Auschwitz-Reise begleitete, Höß gehe es nur um den eigenen Ruhm. "Für Rainer Höß ist sein Opa die neue Geschäftsgrundlage", kritisiert auch die Autorin Gerda-Marie Schönfeld, die ein Buch über ihn schreiben wollte, Höß' Beweggründe.
Der 48-Jährige selbst bestreitet das. Und die Schweden glauben ihm. "Er meint alles ehrlich, was er in unserem Spot sagt, das zählt für uns", erklärte der Kommunikationschef der SSU.







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