Nur Mittelmaß

“Bound by Flame”: Das Feuerdämonen-RPG im Test

Spiele
22.05.2014 14:53
Im Action-Rollenspiel "Bound by Flame" der französischen Spieleschmiede Spiders wird dem Spieler Endzeitstimmung in einem düsteren Fantasy-Universum aufgetischt. Bösartige Untote überrennen die Welt und die letzten verbliebenen Widerständler - Elfen und Menschen - kämpfen gegen die endgültige Auslöschung allen Lebens. Ob es dem Game mit diesem Setting gelingt, einen Platz im Olymp der Rollenspiele zu ergattern, klärt unser Test.

Die Ausgangslage in "Bound by Flame" ist eine denkbar ungünstige. Die Fantasy-Welt Vertiel steht am Rande der völligen Vernichtung, sie wird von den bösen Eisfürsten und ihrer Armee der Totwandler bedroht. Das Untoten-Pack hat beinahe die gesamte Menschheit vernichtet, aber ein paar magisch versierte Widerstandskämpfer sind übrig - und versuchen, mit einem Zauberritual doch noch alles zum Positiven zu wenden.

Und hier kommt der Protagonist ins Spiel. Als Vulcan, Mitglied einer zwielichtigen Söldnerbande, welche die Magier beim Vollführen ihres Rituals schützen soll, stellt er sich den untoten Horden entgegen - und wird gleich zu Beginn des Spiels mit einem fiesen Feuerdämon konfrontiert, der nichts Besseres mit seiner Zeit anzufangen weiß, als in Vulcans Haut zu fahren.

Protagonist kämpft gegen Feuerdämon an
Was folgt, ist ein bemüht düsteres Abenteuer rund um die Rettung Vertiels, bei dem der Protagonist immer wieder gegen den zunehmend an Macht gewinnenden Dämon in seinem Inneren ankämpfen muss. Die Kreatur verleiht Vulcan zwar Stärke in Form verheerender Feuermagie, nimmt ihm allerdings auch bei jedem Magieeinsatz ein klein wenig von seiner Menschlichkeit.

Ob Vulcan am Ende der mit eher wenig unerwarteten Wendungen auskommenden Handlung als gehörnter Dämon oder edler Recke dasteht, entscheidet sich durch die Spielweise. Genretypisch arbeitet sich der Spieler mit seinem selbst designten Helden durch Gespräche, Kämpfe und schwerwiegende Entscheidungen – und wird wiederholt vor die Wahl zwischen Gut und Böse gestellt. Das erzeugt das Gefühl, dass das Handeln des Protagonisten bedeutungsvoll ist, tatsächlich führen aber viele Entscheidungen zum gleichen Ergebnis. Schade: Die Möglichkeiten, den Protagonisten individuell zu gestalten, sind im Vergleich zu Genregrößen ausgesprochen begrenzt.

Dünne Story, forderndes Kampfsystem
Im Kern gibt sich "Bound by Flame" eher kampf-, als storybetont. Während die Handlung nämlich eher wirr rüberkommt und nicht gerade vor Einfallsreichtum strotzt, sind den Entwicklern äußerst fordernde Kämpfe gelungen. Die werden stilistisch wahlweise als flinker Schurke, Krieger oder Magier bestritten und erfordern selbst bei normalen Gegnern schon strategisches Vorgehen. Zwischen den einzelnen Kampfstilen darf man während der Kämpfe wechseln.

Und tatsächlich sollte man den Kampfstil an den Gegner anpassen. Wer nur blind draufhaut, kommt nämlich nicht weit. Stattdessen gilt es, im richtigen Moment zu blocken, sich der Stärken und Schwächen der Gegner bewusst zu sein - und korrekt darauf zu reagieren. Schnelles Ausweichen ist selbst gegen einfachere Gegner überlebenswichtig, vor allem wenn diese - und das ist üblich - in größerer Zahl auftreten.

Träge Steuerung, schwachbrüstiger Held
Das Problem: Vulcan steuert sich recht träge, kann nicht mal zur Seite ausweichen, sondern nur einen Sprung zurück vollführen - und der führt mit etwas Pech genau in den Einflussbereich des nächsten Gegners. Auch das Springen bleibt dem Recken verwehrt. Diese Probleme in der Steuerung verderben spätestens nach dem zehnten virtuellen Tod - und den erleidet man in "Bound by Flame" mit gewisser Regelmäßigkeit - den Spielspaß.

Bei Bosskämpfen gegen einen einzelnen großen Gegner kommt die Problematik glücklicherweise seltener zum Tragen. Aber auch hier kann es durch Vulcans Neigung, bereits nach wenigen Treffern das Zeitliche zu segnen, zu Frustmomenten kommen. Motivierend ist hingegen der Einfallsreichtum, den die Entwickler beim Monsterdesign an den Tag gelegt haben. Vieles von dem, was bei "Bound by Flame" auf den Spieler losgelassen wird, hat man in dieser Form noch in keinem anderen Game gesehen.

Auch nett: Im Spielverlauf verändert sich der Protagonist optisch. Lässt er sich allzu oft auf den dämonischen Untermieter in seinem Körper ein, wachsen ihm Hörner und die Visage wird deutlich düsterer. Zu gefallen wussten im Test zudem die zum Teil herrlich schrägen Begleiter, mit denen man ins Feld zieht.

Eher einfallsloses Talentsystem, wenige Items
Wiederum schade: Die Charakterentwicklung beschränkt sich auf das Nötigste, die im Laufe des Spiels erlernbaren Fähigkeiten wirken recht einfallslos. Die in den drei Spielstilen Krieger, Schurke und Feuermagier verteilbaren Talentpunkte erzielen nämlich recht fade Effekte. Etwas mehr Schaden hier, eine höhere Chance für kritische Treffer da - das war's. Immerhin: Die mächtigsten Fähigkeiten der einzelnen Talentbäume sind relativ spektakulär geworden. Bis dorthin ist es aber ein langer, beschwerlicher Weg.

Freunde des fröhlichen Item-Sammelns dürften mit "Bound by Flame" nur bedingt glücklich werden. Das Game bietet zwar die Möglichkeit, mithilfe von in der Spielwelt verstreuten Materialien allerleid Dinge, etwa Fallen, herzustellen. Und auch die eigene Ausrüstung kann auf diese Art und Weise verbessert werden. Dass man im Spielverlauf auf mächtige Relikte, besondere Rüstungen oder todbringende Waffen stößt, kommt hingegen kaum vor.

Hübsche Optik, furchtbare Synchronisierung
Recht ansehnlich ist die Optik von "Bound by Flame". Die Spielwelt strotzt zwar nicht vor Abwechslung, insbesondere in den zahlreichen Dungeons. Die Umsetzung ist jedoch solide: Die Texturen sind großteils scharf, die Charaktermodelle ausreichend detailliert und auch die Kampf-Animationen stimmen. Kritik ließe sich allerdings an den etwas hölzernen Gesichtsausdrücken der Protagonisten äußern, die nicht unbedingt dazu beitragen, dass man den Helden schnell ins Herz schließt.

Weit schlimmer ist allerdings der Sound von "Bound by Flame". Nicht wegen der musikalischen Untermalung - die passt, finden wir, sogar ziemlich gut ins düstere Fantasy-Setting. Und auch nicht wegen den Kampfgeräuschen, die sind ebenfalls recht gut getroffen. Sondern wegen des Kardinalfehlers, die vollvertonten Gespräche von bemüht raubeinig wirkenden Laien einsprechen zu lassen. Das nimmt dem Spiel viel von seiner Atmosphäre - mindestens ebenso viel wie die offenbar mit besonderem, aber völlig überflüssigem Mut zur Derbheit verfassten Dialoge selbst.

Fazit: Am Ende ist "Bound by Flame" kein schlechtes, aber ein äußerst durchschnittliches Rollenspiel geworden. Dem soliden Unterbau mit der dunklen Fantasy-Geschichte und dem von seinem inneren Dämon zerfressenen Protagonisten nehmen die Entwickler durch die träge Steuerung, die fade Charakterentwicklung und vor allem die missratene Vertonung mit den bemüht derben Dialogen viel von seinem eigentlich vorhandenen Charme. Als Lückenbüßer, bis bessere Rollenspiel-Kost eintrifft, mag das ausreichen. Ein Pflichtkauf ist "Bound by Flame" so aber nicht.

Plattform: PC, PS3, PS4 (getestet), Xbox 360
Publisher: Koch Media/Focus Home Interactive
krone.at-Wertung: 6/10

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