Was ist da passiert? Die berufliche Neuorientierung eines Tirolers geriet zum absoluten Desaster. Der 45-Jährige wurde knapp vor den Semesterferien aus der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Innsbruck geworfen. Doch plötzlich ist wieder alles anders.
Mit 45 Jahren möchte es ein Tiroler noch einmal wissen und sich beruflich neu orientieren. Dafür drückt er seit September die Schulbank. Doch der mutige Aufbruch zu neuen beruflichen Ufern geriet rasch zu einer großen psychischen Belastung und gipfelte schließlich im Rauswurf aus der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Innsbruck.
„Als ich im vergangenen Jahr die Aufnahmeprüfung für die Schule geschafft habe, war ich überglücklich. Ich habe mich für den Fachbereich Familienarbeit entschieden und glaube, dass ich in dieser Richtung viel einbringen kann. Seit November sehe ich mich jedoch massiven Anfeindungen durch andere Studierende und einzelne Lehrkräfte ausgesetzt“, berichtet der Mann aus dem Tiroler Oberland gegenüber der „Krone“.
Seit November sehe ich mich Anfeindungen durch andere Studierende und einzelne Lehrkräfte ausgesetzt.
45-Jähriger über das Klima in der Klasse
Schwere Vorwürfe, der Beschuldigte wehrt sich
Worum geht es? Laut Betroffenem werden ihm – vor allem von jungen Studierenden – sexistische und rassistische Äußerungen vorgeworfen. „Die Anschuldigungen sind haltlos“, wehrt sich der 45-Jährige. Nie habe es vonseiten der Verantwortlichen je ernsthafte Versuche gegeben, seine Sicht der Dinge zu hören. Es gab jedoch eine Verwarnung. „Gleichzeitig wurde ich in der Klasse von Teamarbeiten ausgeschlossen“, ergänzt der Tiroler. Das Ganze habe ihm so zugesetzt, dass er mittlerweile psychologische Hilfe in Anspruch nehmen muss.
Im großen Altersunterschied zu den meisten anderen Studierenden ortet der Oberländer ein Problem im Klassenverband: „Viele haben mich von Beginn an abgelehnt. Meine direkte Art hat ihnen nicht gepasst.“ Auch Kollegen, die dem 45-Jährigen zur Seite stehen, sehen den Tiroler ungerechtfertigt an den Pranger gestellt.
Ein Direktor darf Studierende nicht ohne vorherige Information an den Schulvorstand und die Bildungsdirektion ausschließen.
Stellungnahme Bildungsdirektion
Konflikt eskalierte vor den Semesterferien
Vor den Ferien ist der Konflikt eskaliert. „Ich wurde vom Direktor kurz und knapp informiert, dass ich von der Schule abgemeldet werde. Zeitgleich war mein Zugang zu den Online-Kanälen der Schule gekappt.“ Keine weitere Erklärung, kein Zeugnis, plötzlich keine Perspektive mehr. Das traf den Oberländer hart.
Der Mann wandte sich an einen Anwalt und an die „Tiroler Krone“. In einem Schreiben an die Bildungsdirektion verwies der Anwalt darauf, dass Studierende nicht einfach vor die Tür gesetzt werden können. Auch nicht in Privatschulen, wie in diesem Fall.
Bildungsdirektion: „Unglücklich gelaufen“
Die „Krone“ bat auch den Direktor um eine Stellungnahme. Dieser verwies auf die Bildungsdirektion. Dort bestätigt man, dass in der Schule für Sozialbetreuungsberufe Fehler passiert sind. „Ein Direktor darf Studierende nicht ohne vorherige Information an den Schulvorstand und die Bildungsdirektion ausschließen“, heißt es. Hier sei einiges „unglücklich gelaufen“. Die Bildungsdirektion hat den Direktor nun angewiesen, den Ausschluss zurückzunehmen. Das ist geschehen. Zu den erhobenen Vorwürfen gegen den Oberländer gibt es keine Stellungnahme der Bildungsdirektion.
Am Montag beginnt das neue Semester und der Tiroler darf zurück in seine Klasse. Doch Freude kommt bei ihm keine auf. „Die Situation ist für mich alles andere als angenehm.“ Es bleibt abzuwarten, wie und ob die Verantwortlichen den Konflikt entschärfen können.
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